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«Wenn Ägypten stabil ist, dann ist auch Europa stabil»

Es ist eines seiner ersten Interviews mit westlichen Medien: Ägyptens Präsident al-Sisi fordert im Gespräch mit dem «Spiegel» mehr Unterstützung im Kampf gegen Islamismus.

Präsident mit militärischer Vergangenheit: Der ehemalige ägyptische Armeechef anlässlich eines Treffens mit Wladimir Putin in Moskau. (13. Februar 2014)
Präsident mit militärischer Vergangenheit: Der ehemalige ägyptische Armeechef anlässlich eines Treffens mit Wladimir Putin in Moskau. (13. Februar 2014)
Maxim Shemetov, Reuters

Es ist eines seiner ersten Interviews mit westlichen Medien: Im Gespräch mit dem «Spiegel» bezieht Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi klar Stellung gegen den IS und fordert eine Erneuerung des religiösen Diskurses.

Obwohl al-Sisi durch einen verfassungswidrigen Militärputsch gegen die erste demokratisch gewählte Regierung Ägyptens unter Staatspräsident Mohammed Mursi an die Macht gekommen ist, hält er an der Legitimität seiner Macht fest: «Was Sie einen Staatsstreich nennen, war unsere zweite Revolution. (...) Wenn wir nicht eingegriffen hätten, wären wir unserer historischen sowie moralischen Verantwortung nicht gerecht geworden.»

Auf den Vorwurf, einen Bürgerkrieg nicht verhindert, sondern durch die Absetzung Mursis heraufbeschworen zu haben, reagiert al-Sisi defensiv. Vergliche man die Opferzahlen mit jenen des Iraks, Syriens, Libyens oder des Jemens, so werde verständlich, dass die ägyptische Armee das Volk nicht angegriffen, sondern beschützt habe.

«Nur» 650 Tote

Der Kritik, eine Demonstration der Muslimbrüder auf dem Raba'a-Platz mit scharfer Munition aufgelöst zu haben, wobei 650 Mursi-Anhänger durch Sicherheitskräfte getötet wurden, entgegnete al-Sisi relativierend: «Die Opferzahlen von Raba'a hätten zehnmal höher sein können, wenn das Volk (anstelle der Armee) den Platz gestürmt hätte.»

Weiter argumentiert der ägyptische Präsident, man müsse diese Demonstrationen der Muslimbrüder in Verbindung bringen mit dem Terrorismus, der von fundamentalistischen Ideen gelenkt werde. Diese Leute sähen sich als Märtyrer, die ins Paradies kommen, wenn sie sterben. Diese «Rückwärtsentwicklung in der Region» solle man beim Überdenken des religiösen Diskurses miteinbeziehen.

Partner im Kampf gegen den IS

So forderte der ägyptische Präsident kürzlich vor Gelehrten der berühmten Azhar-Universität eine religiöse Erneuerung. Dabei gehe es darum, den «religiösen Diskurs von falschen und verqueren Vorstellungen» zu befreien.

Gegen Terroristen, welche die Religion falsch interpretierten, müsse selbstverständlich vorgegangen werden. «Denn ihre falschen Vorstellungen führen dazu, dass viele Menschen sich fragen: Was ist das nur für eine Religion, dieser Islam?»

Ägypten sei ein internationaler Partner im Kampf gegen die Extremisten des IS. Es sei wichtig, den Krieg gegen diesen Terror zu gewinnen, ansonsten würde die gesamte Region für die nächsten 50 Jahre in Aufruhr sein. Davon würde auch der Westen profitieren, so al-Sisi. «Wenn Ägypten stabil ist, dann ist auch Europa stabil.»

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