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Vom Investorenliebling zur Wirtschaftswüste

Ägypten kämpft mit gesunkenen Touristenzahlen und verschreckten Investoren. Mit Sparmassnahmen müsste Präsident Mursi nun das Haushaltsdefizit angehen, doch dazu fehlt die gesellschaftliche Einheit.

Die Touristen bleiben aus: Pyramiden in Kairo. (1. Oktober 2012)
Die Touristen bleiben aus: Pyramiden in Kairo. (1. Oktober 2012)
AFP

Angesichts der fragilen Wirtschaft wird Ägyptens Präsident Mohammed Mursi wenig Zeit haben, seinen Sieg beim umstrittenen Verfassungsreferendum zu feiern. Nach Einschätzung von Ökonomen muss Mursi schnell handeln, um das riesige Haushaltsdefizit mit Hilfe von Sparmassnahmen unter Kontrolle zu bringen.

Doch Beobachter befürchten, dass die neue islamistisch geprägte Verfassung, die Gesellschaft zu stark gespalten hat, um gemeinsam die Wirtschaftsprobleme anzugehen. «Für Sparmassnahmen benötigt man politischen Konsens in einer Zeit, in der das politische System geöffnet und Millionen das Wahlrecht erhalten», sagte Wirtschaftsexperte Amr Adly.

Einsparungen sind unter anderem nötig, um den Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar sicherzustellen. Seit dem Sturz von Hosni Mubarak vor fast zwei Jahren kämpft die ägyptische Wirtschaft mit gesunkenen Touristenzahlen und verschreckten Investoren.

Notwendige Wirtschaftsreformen

Laut Adly werden die Gegner Mursis nach dem verlorenen Referendum versuchen, Kapital aus unbeliebten Sparmassnahmen zu schlagen und öffentlich entsprechende Schritte kritisieren, um die Bevölkerung gegen die regierenden Muslimbrüder aufzubringen.

«Was Mursi getan hat, hat uns vereint», sagt Ahmed Said von der Nationalen Heilsfront über die bis vor Kurzem zerstrittene Opposition in Ägypten. Bezüglich der Wirtschaftsreformen kritisiert Said, dass Mursi noch nicht um Gespräche gebeten habe, obwohl die notwendigen Massnahmen den Rückhalt aller benötigten.

Besonders schwierig dürfte es für Mursi werden, Steuern zu erhöhen und die beliebten Kraftstoff-Subventionen abzuschaffen. Einen Vorgeschmack auf die Probleme, vor denen er stehen könnte, bekam er bereits kurz vor dem Referendum.

Damals musste er höhere Mehrwertsteuern auf Alkohol, Zigaretten oder auch Handygespräche, nach massiver Kritik aus den Medien und von Gegnern wieder zurücknehmen. Dies führte umgehend zu einer Verzögerung des IWF-Kredites, der jetzt wohl erst im Januar genehmigt wird.

Steigendes Haushaltdefizit

Ägyptens Wirtschaft war einst der Liebling der Investoren. Dies hat sich gewandelt. Im laufenden Haushaltsjahr wird sich das Haushaltsdefizit wohl auf 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts belaufen.

Die massiven Schwierigkeiten seit Mubaraks Sturz haben auch die Währungsreserven um die Hälfte auf etwa 15 Milliarden Dollar schrumpfen lassen. Auch den Muslimbrüdern scheint klar zu sein, dass es leichter wird, die Probleme anzugehen, wenn alle an einem Strang ziehen. «Wir sehen uns wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen gegenüber und dies ist die Zeit, um Initiativen zu präsentieren und an einem nationalen Dialog teilzunehmen», sagte Farid Ismail von den Muslimbrüdern.

(SDA)

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