USA wollen syrische Ölfelder mit Panzern schützen

Zur Verteidigung gegen den IS sollen nun doch wieder US-Truppen in Nordsyrien stationiert werden. Russland ist besorgt.

US-Truppen fahren in einem Konvoi ausserhalb der syrischen Stadt Dohuk. (21. Oktober 2019) Foto: Ari Jalal/Reuters

US-Truppen fahren in einem Konvoi ausserhalb der syrischen Stadt Dohuk. (21. Oktober 2019) Foto: Ari Jalal/Reuters

Nach dem Abzug ihrer Truppen aus Nordsyrien kündigten die USA überraschend an, zusätzliche Militärkräfte in den Osten des Landes zu schicken. Dadurch solle verhindert werden, dass die Ölfelder in der Region wieder in die Hände der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fallen, erklärte ein Pentagon-Vertreter am Donnerstag.

«Die USA sind entschlossen, ihre Position in Nordostsyrien zu stärken, in Abstimmung mit unseren Partnern der SDF», sagte er mit Blick auf die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die Einnahme der Ölfelder sei ein grosser Erfolg im Kampf gegen die IS-Miliz gewesen. Es müsse sichergestellt werden, dass die IS-Miliz nicht wieder Zugang zu dem Öl als Finanzierungsquelle gewinne.

US-Präsident Donald Trump hatte erst kürzlich die US-Truppen aus Nordsyrien abgezogen und damit eine türkische Militäroffensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in der Region ermöglicht. Er hatte sich auch selbst dafür gefeiert, dass er die US-Soldaten aus unsinnigen Auslandseinsätzen heimhole.

Trump sagte dann am Mittwoch, eine «kleine Zahl von Soldaten» werde in der Region bleiben, um die Ölfelder zu schützen. Das US-Magazin «Newsweek» berichtete nun, das Pentagon plane die Entsendung von 30 Abrams-Kampfpanzern zum Schutz der Ölfelder vor der IS-Miliz sowie der syrischen Armee und pro-iranischer Milizen.

Russland besorgt

Russland reagierte besorgt. «Wir möchten keine neuen Schwierigkeiten», sagte der Vize-Aussenminister Sergej Rjabkow der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Es löse eine gewisse Besorgnis aus, dass aus den USA mit Blick auf Syrien immer wieder unterschiedliche Signale kämen. Moskau sei alarmiert, dass dahinter der Versuch stehen könne, weiter Druck auf die «rechtmässige Führung in Damaskus» auszuüben.

Die Stationierung von Kampfpanzern würde eine deutliche Ausweitung der US-Kampfkraft in der Region bedeuten. Bisher waren vorwiegend US-Spezialkräfte mit gepanzerten Fahrzeugen zur Unterstützung der YPG im Einsatz. Trump wird seit der Entscheidung zum Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien vorgeworfen, die kurdischen Verbündeten im Kampf gegen die IS-Miliz verraten zu haben. Wie Trump auf Twitter am Donnerstag mitteilte, telefonierte er nun mit dem kurdischen SDF-Kommandanten Maslum Abdi. «Er schätzt, was wir getan haben, und ich schätze, was die Kurden getan haben», schrieb Trump auf Twitter. Er freue sich darauf, ihn «bald zu sehen».

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte daraufhin die USA zur Auslieferung Abdis auf. Dieser sei ein «Terrorist», sagte Erdogan. «Amerika muss diesen Mann übergeben.» Ähnlich äusserte sich Aussenminister Cavusoglu.

Russische Patrouillen entlang der Grenze

Derweil begannen russische Militärpolizisten mit Patrouillen in einem 30 Kilometer breiten Streifen entlang der türkischen Grenze, wie Erdogan dies am Dienstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sotschi vereinbart hatte. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte zudem mit, zusätzlich knapp 300 Militärpolizisten aus Tschetschenien mit 20 gepanzerten Fahrzeugen nach Syrien verlegt zu haben.

Mehrere hundert Soldaten der syrischen Regierungstruppen rückten am frühen Morgen zudem in einem langen Konvoi in die Grenzstadt Kobane ein, wie ein AFP-Reporter berichtete. «Eins, eins, eins, das syrische Volk ist eins», riefen die Soldaten, während sie syrische Flaggen schwenkten.

Ein Abrams-Panzer bei einer Nato-Übung in Litauen. Foto: Keystone/Mindaugas Kulbis

Der UNO-Sonderbeauftragte für Syrien sieht die türkisch-syrischen Patrouillen in der nordsyrischen Grenzregion nur als temporäre Lösung. Die gemeinsamen Patrouillen sollten «vorübergehend sein», sagte Geir Pedersen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in Genf. Darüber gebe es «keine Meinungsverschiedenheiten». Er hoffe, dass der von Russland und der Türkei ausgehandelte Waffenstillstand halten werde, sagte Pedersen. «Das ist das Wichtigste», betonte er.

aru/fal/sda

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