Zum Hauptinhalt springen

Tote bei Erstürmung von UN-Büro

Proteste nach einer angeblichen Koranverbrennung haben in Afghanistan mehrere Tote gefordert. Muslime eröffneten das Feuer auf Polizisten, mindestens sieben Menschen starben.

Rauch und Chaos: Auf den Strassen von Mazar-i- Sharif geht es drunter und drüber.
Rauch und Chaos: Auf den Strassen von Mazar-i- Sharif geht es drunter und drüber.
Keystone

Bei einem Angriff auf ein UN-Büro in Afghanistan sind am Freitag elf Menschen getötet worden, darunter sieben ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Rund 2000 Muslime demonstrierten nach Behördenangaben zunächst friedlich vor dem Gelände in der Stadt Masar-i-Scharif. Später eröffneten einige von ihnen das Feuer auf Polizisten und stürmten das UN-Gebäude. Der Weltsicherheitsrat kündigte noch für den Abend eine Sondersitzung an.

Bei vier der getöteten Ausländer handelt es sich um Sicherheitsleute aus Nepal. Nach Angaben der Regierungen in Stockholm und Oslo sind unter den Opfern ausserdem ein Schwede und eine Norwegerin. Das afghanische Innenministerium erklärte, zudem seien vier Demonstranten ums Leben gekommen.

Die Täter hätten sich Waffen der UN-Wachleute gegriffen und auf dem Gelände Feuer gelegt, sagte ein Behördensprecher. Ein Geschäftsmann aus Masar-i-Scharif erklärte, Geistliche hätten am Donnerstag über Lautsprecher in der gesamten Stadt zur Teilnahme an einer friedlichen Protestveranstaltung aufgerufen. Nach dem Freitagsgebet seien Gläubige an die geplante Demonstration erinnert worden.

Der mutmassliche Drahtzieher des Angriffs wurde noch am Freitag festgenommen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Insgesamt seien mehr als 20 Verdächtige festgesetzt worden.

Demonstranten in Herat verbrennen US-Flagge

Grund für den Protest waren Berichte, ein Pastor aus dem US-Staat Florida habe im März eine Ausgabe des Korans verbrannt. Demonstrationen gab es am Freitag ausserdem in Herat im Westen Afghanistans, wo Teilnehmer eine amerikanische Flagge verbrannten. Nahe der US-Botschaft in Kabul nahmen etwa 100 Menschen an einer Protestkundgebung teil.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die mutmassliche Koran-Verbrennung vergangene Woche als Verbrechen gegen die Religion verurteilt und die USA und die Vereinten Nationen aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag und erklärte, die Arbeit der UN sei unerlässlich, um Afghanistan zu stärken. Bundesaussenminister Guido Westerwelle äusserte sich während seiner China-Reise «tief entsetzt» über die gewaltsame Erstürmung des UN-Büros in Masar-i-Scharif.

dapd/miw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch