Tonnenweise Geld für Assad

Hintergrund

Aufgrund der Sanktionen lässt das Assad-Regime sein Geld nicht mehr in Österreich, sondern in Russland drucken. Logbücher zeigen, wie Hunderte von Tonnen Banknoten von Moskau nach Damaskus geflogen werden.

Eine solche Maschine flog das Geld nach Damaskus: Iljushin 76 auf einem unbekannten Flugplatz. (Archivbild)

Eine solche Maschine flog das Geld nach Damaskus: Iljushin 76 auf einem unbekannten Flugplatz. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Eine Transportmaschine der syrischen Armee flog diesen Sommer offenbar tonnenweise Banknoten von Moskau nach Damaskus. Dies zeigen Fluglogbücher, welche das amerikanische Portal für investigativen Journalismus «Pro Publica» sichtete. Demnach absolvierte die Maschine des Typs Iljuschin 76 acht Flüge von Moskaus Flughafen Wnukowo in die syrische Hautstadt. Der Flieger hatte jedes Mal eine ausgewiesene Fracht von 30 Tonnen Banknoten an Bord. Somit wurden zwischen Anfang Juli 2012 und Mitte September 2012 240 Tonnen oder umgerechnet rund 240 Millionen Banknoten nach Syrien verschoben.

Türkischen Luftraum umgangen

Laut «Pro Publica» zeigten die Überfluggenehmigungen der Transportmaschine, dass der Geldtransport stets über den Irak, den Iran und Aserbeidschan flog. Der türkische Luftraum wurde also bewusst umgangen. Die Türkei hatte in den vergangenen Monaten mehrmals Flüge nach Syrien kontrolliert. Anfang Oktober war ein syrisches Flugzeug von türkischen Kampfflugzeugen zur Landung gezwungen worden. Eine Woche später war eine armenische Transportmaschine mit Hilfsgütern durchsucht worden (Tagesanzeigerch/Newsnet berichtete).

Offen bleibt, ob es sich bei der Geldlieferung lediglich um syrische Noten handelte oder ob auch harte Währung nach Damaskus geflogen wurde. Ebenfalls sagten die Flugdaten nichts über allfällige zusätzliche Güter an Bord der Iljuschin aus, so die amerikanischen Journalisten. Weder russische noch syrische Behörden wollten sich gegenüber «Pro Publica» zu den Geldlieferungen äussern.

«Triumph» über die Sanktionen

Bis September 2011 liess Syrien sein Geld von der österreichischen Nationalbank drucken. Mit dem Einsetzen der EU-Sanktionen gegen Damaskus musste sich das Regime Assad eine neue Druckerei suchen. Diese fand sie schon bald in Russland. Im Sommer 2012 wurde bekannt, dass Syrien sein Geld beim russischen Staatsunternehmen Goznak herstellen lässt. Der syrische Vizepremier Qadri Jamil nannte den Vertrag mit Russland damals einen «Triumph» über die westlichen Sanktionen.

Laut Nahostexperten David Butter braucht die Regierung in Damaskus das Geld vermutlich, um Soldaten und Behörden zu bezahlen. Gegenüber der britischen Zeitung «The Independent» sagte er: «Seit Beginn des Konflikts sind Syriens Steuereinnahmen zurückgegangen und die Ausbeute aus dem Ölsektor ist um 10 Prozent gesunken. Selbst wenn man sich an die offiziellen Zahlen des Regimes hält, fährt Damaskus ein massives Defizit ein.»

Dennoch warnt Butter vor den Folgen des in Massen importierten Geldes: «Wenn Damaskus sein Geld einfach in Russland drucken lässt und einfliegt, stärkt es die Gefahr einer Hyperinflation enorm.»

kpn

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