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Syrische Regierungstruppen erobern umkämpfte Kaserne zurück

Bei Kämpfen in Syrien sind nach Angaben Aufständischer erneut 148 Menschen getötet worden. Die USA kündigen derweil an, auch ohne russische Unterstützung der Opposition helfen zu wollen.

Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen: Rauch steigt über beschädigten Häusern in Aleppo auf. (3. Oktober 2012)
Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen: Rauch steigt über beschädigten Häusern in Aleppo auf. (3. Oktober 2012)
AFP
Zwei bis drei Detonationen: Stark beschädigtes Gebäude nach Bombenexplosionen in Aleppo. (Bild von der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht) (3. Oktober 2012)
Zwei bis drei Detonationen: Stark beschädigtes Gebäude nach Bombenexplosionen in Aleppo. (Bild von der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht) (3. Oktober 2012)
Keystone
Unter Beschuss: Ein beschädigtes Gebäude in Aleppo. (24. Juli 2012)
Unter Beschuss: Ein beschädigtes Gebäude in Aleppo. (24. Juli 2012)
Keystone
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Bei schweren Gefechten zwischen syrischen Regierungstruppen und Aufständischen in der Wirtschaftsmetropole Aleppo sind am Samstag nach Angaben von Aktivisten zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Nach der Beschädigung einer Wasserpipeline verschärfte sich zudem die Versorgungslage in der Stadt im Norden des Landes. Nachdem sich die EU-Aussenminister am Samstag bei einem informellen Treffen im zyprischen Paphos darauf einigten, den Druck auf Präsident Bashar al-Assad zu erhöhen, wurde der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi am (heutigen) Sonntag zu einem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, in Kairo erwartet.

Landesweit seien bei den Kämpfen am Samstag 148 Menschen getötet worden, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees mit. Allein in Aleppo seien 77 Opfer zu beklagen, hiess es. Den Aktivisten zufolge hatten die Regierungstruppen die Stadt massiv mit Kampfflugzeugen und Artillerie unter Beschuss genommen, während am Boden Soldaten in einigen Stadtteilen vorrückten.

Regierungstruppen erobern Kaserne zurück

Besonders betroffen sei das im Osten gelegene Viertel Helwanije, wo allein 30 Menschen getötet worden sein sollen. Die Berichte können nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, da die Regierung von Präsident Assad die Berichterstattung durch ausländische Journalisten im Land stark eingeschränkt hat.

Die Regierungstruppen eroberten nach eigenen Angaben die Kaserne Hanano nahe Aleppo vollständig zurück, nachdem der Stützpunkt am Freitag von Rebellen teilweise eingenommen worden sei. Dennoch dauerten die Gefechte rund um die Kaserne am Samstag weiter an. Den Aufständischen sei es gelungen, zahlreiche Gefangene zu befreien, sagte der Aktivist Mohammed Said aus Aleppo.

Nach Angaben der in Grossbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte griffen Rebellen einen Kontrollposten der Streitkräfte zwischen Aleppo und der Grenze zur Türkei an. Dabei seien sechs Aufständische getötet worden. Auch in dem palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus hätten sich Rebellen und Streitkräfte heftige Gefechte geliefert, berichtete die Beobachtungsstelle.

Gegenseitige Schuldzuweisung nach Beschädigung von Wasserleitung

Unterdessen beschuldigten sich Regierung und Opposition gegenseitig, die Trinkwasserleitung in dem Stadtteil Midan der Wirtschaftsmetropole Aleppo beschädigt zu haben. Während der Gouverneur von Aleppo, Mohammed Wahid Akkad, einen Sabotageakt von «Terroristen» verantwortlich machte, meldeten die Örtlichen Koordinationskomitees und Aktivisten, dass die Leitung von einer Rakete eines syrischen Kampfflugzeugs getroffen worden sei.

«Mehrere Viertel der Stadt sind vollständig von der Wasserversorgung abgeschnitten», sagte Aktivist Said über den Internetdienst Skype. «Erst war die Stromversorgung unterbrochen und nun das Wasser. Das wird das Leid der Leute nur noch verstärken.»

USA wollen notfalls ohne Russland vorgehen

Die USA wollen im Fall einer weiteren Blockadehaltung Russlands im Syrien-Konflikt notfalls mit gleichgesinnten Staaten die syrische Opposition stärken. Es nütze nichts, eine Resolution ohne Druckmittel im UN-Sicherheitsrat zu verabschieden, sagte US-Aussenministerin Hillary Clinton am Rande des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Wladiwostok. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Präsident Bashar al-Assad sie ignorieren würde, sagte sie.

Ihr Land wolle Russland von der Notwendigkeit einer Erhöhung des internationalen Drucks auf das Regime überzeugen, erklärte Clinton, doch das sei eine schwierige, wenn nicht sogar unrealistische Aufgabe.

Der russische Aussenminister Segei Lawrow hatte nach einem Treffen mit Clinton am Samstag bekräftigt, Russland sei sowohl gegen neue Sanktionen gegen Syrien als auch gegen den Iran. Die USA hätten eine Neigung zu Drohungen und erhöhtem Druck auf die beiden Länder. Die bestehenden Sanktionen würden mittlerweile die Interessen der russischen Wirtschaft gefährden, vor allem der Banken, sagte Lawrow. Seit dem Ausbruch der Gewalt in Syrien im März 2011 verhinderte Russland gemeinsam mit China mehrmals eine Verurteilung der Assad-Regierung durch den UN-Sicherheitsrat.

EU-Aussenminister kündigen weitere Sanktionen an

Die zyprische Chefdiplomatin Erato Kozakou-Marcoullis, deren Land zurzeit die Geschäfte im Rat der EU-Mitgliedsstaaten führt, erklärte am Samstag, alle 27 Aussenminister seien sich in ihrer Linie gegenüber Syrien einig: Der Aussenministerrat beschliesse bei jedem seiner monatlichen Treffen neue Sanktionen, nichts anderes sei also auch von der nächsten Zusammenkunft am 15. Oktober zu erwarten. Es wäre die 18. Sanktionsrunde der EU, nachdem bislang schon Einreise- und Kontensperren gegen mehr als 150 Unterstützer des Assad-Regimes und Geschäftsverbote für über 50 syrische Firmen verhängt wurden. Waffen und Öl dürfen schon lange nicht mehr aus Europa ins Konfliktgebiet transportiert werden.

Derweil liess Russland die USA erneut abblitzen, die ebenfalls gefordert hatten, den Druck auf Damaskus zu erhöhen. Moskau widersetze sich den von Washington getragenen Strafmassnahmen gegen die syrische Regierung, weil diese die wirtschaftlichen Interessen Russlands gefährdeten, sagte Aussenminister Sergei Lawrow am Rande eines Treffens pazifischer Anrainerstaaten in Wladiwostock.

Zuvor war US-Aussenministerin Hillary Clinton auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengetroffen und hatte um die russische Unterstützung bei den Vereinten Nationen geworben. Neben China blockiert auch Russland bislang ein Vorgehen des UN-Sicherheitsrates gegen Assad.

Deutschland kooperiert mit Freier Syrischer Armee

Die Bundesregierung arbeitet einem Medienbericht zufolge intensiver mit der Freien Syrischen Armee (FSA) und bewaffneten aufständischen Gruppen in dem Land zusammen als bislang bekannt. Im Zuge einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken habe das Auswärtige Amt in einer geheimen Verschlusssache berichtet, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) den Aufständischen «Sanitätsmaterial zur medizinischen Erstversorgung» überlassen habe, berichtete das Nachrichtenmagazin «Spiegel» laut einem Vorabbericht. Insgesamt seien knapp 200 sogenannte Medipacks geliefert worden, mit denen verwundete Kämpfer versorgt werden können. Im Gegenzug hätten «Gruppen des syrischen Widerstands Informationen» an den BND übermittelt. Dabei habe es sich um Details zur militärischen Lage, aber auch um Angaben über die FSA selbst gehandelt. Die Lieferung gilt als heikel, weil die Bundesregierung stets betont, die Aufständischen nicht militärisch zu unterstützen.

dapd/AFP/mw

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