Zum Hauptinhalt springen

Syriens Nachbarn im Sog des Bürgerkriegs

Die umliegenden Staaten von Syrien werden selbst immer mehr in den Konflikt hineingezogen. Entweder geraten sie selbst ins Visier der Kriegsparteien oder sie müssen mit Flüchtlingsströmen klar kommen. Ein Überblick.

Der Bürgerkrieg weitet sich aus: Türkische Soldaten in der Grenzstadt Ceylanpinar. (12. November 2012)
Der Bürgerkrieg weitet sich aus: Türkische Soldaten in der Grenzstadt Ceylanpinar. (12. November 2012)
AFP

Der seit rund 20 Monaten währende Konflikt hat Hunderttausende Syrer in die Flucht getrieben, in manchen Grenzregionen haben sich die Kämpfe in den vergangenen Wochen verstärkt auf die Nachbarländer ausgeweitet.

Ein Überblick über die Lage in den verschiedenen Staaten der Region:

Türkei fordert Flugverbotszone

Anfang Oktober schlugen erstmals syrische Granaten in einem türkischen Grenzdorf ein. Zwei Frauen und drei Kinder kamen dabei ums Leben. Die türkischen Streitkräfte verstärkten ihre Truppenpräsenz an der Grenze zu Syrien mit Panzern und Kampfflugzeugen und erwiderten das Feuer seither mehrfach.

Rund 120'000 syrische Flüchtlinge haben in türkischen Lagern Zuflucht vor der Gewalt in ihrer Heimat gesucht, etwa 70'000 weitere leben ausserhalb der offiziellen Lager. Tausende warten an Grenzübergängen noch auf eine Einreisegenehmigung. Überdies hat ein Grossteil der syrischen Opposition und der Elite der Rebellen seine Basis in der Türkei.

Die Türkei fordert eine Pufferzone zum Schutz von Zivilisten in Syrien. Dafür wäre vermutlich eine international gesicherte Flugverbotszone notwendig. Russland und China haben indes mehrfach Schritte des UN-Sicherheitsrates gegen die Regierung von Präsident Bashar al-Assad blockiert.

Israel befürchtet Konflikt

Israel ist nach der Türkei das zweite Land, das Angriffe der syrischen Streitkräfte erwidert hat. Am Montag schoss ein israelischer Panzer auf ein syrisches Militärfahrzeug, nachdem Artilleriegranaten auf den Golanhöhen explodiert waren. Am Vortag hatten israelische Soldaten bereits einen Warnschuss auf syrische Einheiten abgegeben.

In den vergangenen Wochen waren mehrfach syrische Geschosse auf den von Israel annektierten Golanhöhen eingeschlagen. Dabei kam es in Apfelplantagen zu Schäden und Brände wurden ausgelöst, Verletzte gab es aber nicht. Bereits Anfang des Monats waren drei syrische Panzer in die entmilitarisierte Zone im Grenzgebiet eingedrungen.

In Israel herrschen Befürchtungen, dass Assad einen Konflikt mit dem Nachbarland provozieren könnte, um die libanesische Hizbollah und die radikalislamische Hamas zu weiteren Angriffen zu ermutigen. Israel fürchtet zugleich, dass nach einem möglichen Sturz Assads das Nachbarland unter die Kontrolle von islamischen Extremisten geraten könnte, die einen Konflikt mit Israel provozieren könnten.

Libanon hat 100'000 Flüchtlinge aufgenommen

Mehrfach sind bereits syrische Geschosse im Libanon eingeschlagen, doch die Streitkräfte haben das Feuer bislang nicht erwidert. Der Bürgerkrieg hat derweil auch die Stimmung in der eigenen Bevölkerung angeheizt. Nach einem Bombenanschlag in der Hauptstadt Beirut Mitte Oktober kam es verstärkt zu Zusammenstössen zwischen Assad-Gegnern und -Anhängern.

Die Hizbollah, Libanons stärkste politische Kraft, ist Assads Verbündeter. Im Norden des Landes kam es zu besonders heftigen Ausschreitungen mit Dutzenden Toten. Der Libanon hat überdies rund 100'000 Flüchtlinge aufgenommen.

Jordanien: Verletzte Zivilisten

Mit rund 265'000 Menschen hat Jordanien die meisten Flüchtlinge aufgenommen. In den vergangenen Wochen schlugen im Norden des Landes zahlreiche syrische Raketen ein, mehrere Zivilisten wurden verletzt. Ende Oktober wurde ein Grenzsoldat bei einer Auseinandersetzung mit Extremisten getötet, die illegal nach Syrien einreisen wollten.

Irakische Kämpfer in Syrien

Über die irakische Grenze sind sunnitische und schiitische Kämpfer nach Syrien gelangt. Die Sunniten stehen den syrischen Rebellen nahe, die Schiiten der Assad-Regierung.

Auch Al-Kaida-Kämpfer sollen nach Syrien gekommen sein, wo sie sich laut Behördenangaben unter dem Namen Freie Irakische Armee formiert haben, in Anlehnung an die Freie Syrische Armee der Rebellen. Die USA fordern vom Irak zudem stärkere Kontrollen iranischer Flugzeuge, die verdächtigt werden, Waffen nach Syrien zu schmuggeln.

SDA/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch