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Syrien: Deserteure liefern sich Kämpfe mit Regierungstruppen

Trotz Assads Gewalt kann sich die UNO nicht auf Sanktionen gegen Syrien einigen. Im Sicherheitsrat stellen sich China und Russland quer. Derweil kämpfen in Rastan Deserteure gegen syrische Soldaten.

Bekommen noch keine Unterstützung der UNO: Demonstranten ziehen durchs Zentrum von Homs. (28. September 2011)
Bekommen noch keine Unterstützung der UNO: Demonstranten ziehen durchs Zentrum von Homs. (28. September 2011)
Reuters
Fordern Assads Tod: Demonstranten in Idlib tragen Masken. (23. September 2011)
Fordern Assads Tod: Demonstranten in Idlib tragen Masken. (23. September 2011)
Reuters
Syrische Soldaten beobachten die Grenze zur Türkei in der Provinz Idlib. Die Zahl der in die Türkei geflohenen Syrer ist Ende Juni leicht zurückgegangen, nachdem der Exodusim Nordwesten des Landes wochenlang angehalten hatte. (29. Juni 2011)
Syrische Soldaten beobachten die Grenze zur Türkei in der Provinz Idlib. Die Zahl der in die Türkei geflohenen Syrer ist Ende Juni leicht zurückgegangen, nachdem der Exodusim Nordwesten des Landes wochenlang angehalten hatte. (29. Juni 2011)
AFP
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Die möglichen UNO-Sanktionen gegen Syrien sind vorerst vom Tisch. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Mittwochabend nur noch über eine entschärfte Variante des von den vier EU-Ländern vorgelegten Resolutionsentwurfs beraten. Der Hauptgrund sind mögliche Vetos von Russland und China trotz der Tausenden Toten in Syrien. Aber auch Brasilien, Indien und Südafrika haben Vorbehalte gegen Sanktionen. Heute soll in New York auf Expertenebene über die Resolution beraten werden, die die Gewalt des Regimes gegen die Opposition verurteilen soll.

Wegen des Widerstands von Russland und China war ein von den Briten initiierter Resolutionsentwurf schon im Sommer gescheitert. Der Rat hatte sich im August nur auf eine sogenannte präsidentielle Erklärung einigen können, die aber nicht verbindlich ist.

Russen und Chinesen sind wichtige Handelspartner des Regimes und Waffenlieferanten, zudem hat Russland in Syrien einen Militärstützpunkt. Die Russen hatten Anfang der Woche sogar einen Gegenentwurf einer Resolution vorgelegt.

Resolution zur Drohung

Der neue Versuch einer Resolution hatte vor allem appellativen Charakter und sollte die Gewalt der syrischen Regierung verurteilen, Reformen fordern, Menschenrechtsbeobachter entsenden und einen Sonderbeauftragten des UNO-Generalsekretärs einsetzen. Dem Regime sollte mit Sanktionen zumindest gedroht werden, wenn es die Gewalt nicht stoppt.

Diplomaten bezeichneten den überarbeiteten Entwurf als Kompromiss. Ziel sei ein gemeinsames Signal an die syrische Führung in Damaskus. Es sei ein Fortschritt, dass sich die bislang ablehnenden Staaten nun nicht mehr den Textverhandlungen verweigern.

«Es fällt ohnehin schwer, zu glauben, dass demokratische Länder wie Brasilien, Indien und Südafrika die brutale Unterdrückung des syrischen Volkes weiterhin schweigend hinnehmen wollen», sagte ein Diplomat. «Und es ist ein gutes Zeichen, dass die Russen angekündigt haben, ihren konkurrierenden Resolutionsentwurf zunächst nicht weiterzuverfolgen.»

Deserteure verteidigen Stadt

Regimegegner meldeten, Soldaten hätten gestern die Ortschaft Rastan mit Artillerie angegriffen. Desertierte Soldaten hätten jedoch verhindert, dass sie in die Stadt eindringen. «Mindestens acht Menschen sind bei den Gefechten heute getötet worden, darunter vier Deserteure», sagte ein aus Rastan stammender Oppositionsanhänger der Nachrichtenagentur DPA im Libanon.

In der Ortschaft Jabal al-Sawija lockten nach Oppositionsangaben Angehörige einer neu formierten Aufständischen-Brigade zahlreiche Milizionäre in eine Falle und töteten sie. Laut Informationen der Regimegegner waren am Dienstag 16 Zivilisten von den Sicherheitskräften getötet worden. Alle diese Angaben sind wegen der Medienblockade der syrischen Regierung nicht zu überprüfen.

Ein angeblicher Rebellenkommandant, der sich in einem Video als Hauptmann Jussif Hamud identifiziert, sagte, seine Einheit habe sich nach Chalid Ibn al-Walid benannt.

Chalid Ibn al-Walid (595-642) zählte zu den Gefährten des Propheten Mohammed und war einer der wichtigsten Kommandanten der muslimischen Truppen. Er eroberte Syrien während der Herrschaftszeit des Kalifen Abu Bakr.

Wissenschaftler getötet

Ein syrischer Atomingenieur ist gestern nach übereinstimmenden Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Sana und oppositionellen Aktivistengruppen in der Stadt Homs erschossen worden. Sana machte «bewaffnete Terrorgruppen» für den Tod von Aus Chalil verantwortlich, während die Aktivisten von einem Angriff der Sicherheitskräfte sprachen.

Chalil ist bereits der vierte syrische Wissenschaftler, der seit Sonntag in Homs getötet wurde. Die Stadt in der Mitte des Landes gilt als Zentrum der Proteste gegen Präsident Bashar al-Assad.

(SDA)

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