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Sieben Tote bei Strassenschlachten in Kairo

Das Tauziehen um die politische Macht in Ägypten hält an: US-Vizeaussenminister William Burns hat die neue Führung getroffen. Bei Demonstrationen der Muslimbrüder kam es erneut zu blutigen Krawallen.

Kurzfristig wurde ein drittes Protestcamp errichtet: Anhänger von Präsident Mursi in Kairo. (2. August 2013)
Kurzfristig wurde ein drittes Protestcamp errichtet: Anhänger von Präsident Mursi in Kairo. (2. August 2013)
Reuters
Noch hat die Armee nicht gewaltsam eingegriffen: Kinder mit einer ägyptischen Fahne bei einer Pro-Mursi-Demonstration im Kairoer Vorort Nasr City. (2. August 2013)
Noch hat die Armee nicht gewaltsam eingegriffen: Kinder mit einer ägyptischen Fahne bei einer Pro-Mursi-Demonstration im Kairoer Vorort Nasr City. (2. August 2013)
Manu Brabo, Keystone
Ende Juni intensivierten sich die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Mursi. Die Forderung auf dem Tahrir-Platz ist missverständlich. (30. Juni 2013)
Ende Juni intensivierten sich die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Mursi. Die Forderung auf dem Tahrir-Platz ist missverständlich. (30. Juni 2013)
Keystone
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Ungeachtet der Bemühungen der USA um eine Entspannung der Lage ist es in Ägypten erneut zu schweren nächtlichen Krawallen gekommen. Nach Angaben der Behörden wurden bei Zusammenstössen von Anhängern des gestürzten Staatschefs Mohammed Mursi mit Sicherheitskräften in Kairo mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 250 weitere verletzt.

US-Vizeaussenminister William Burns, der gestern zu einem Ende der Gewalt aufgerufen hatte, verliess Kairo heute. Zehntausende Unterstützer des entmachteten islamistischen Präsidenten waren am Montagabend nach dem Fastenbrechen auf die Strassen geströmt und hatten Mursis Wiedereinsetzung ins Amt gefordert. Die Demonstranten blockierten eine der wichtigsten Brücken der Hauptstadt und warfen Steine auf Beamte, die ihrerseits Tränengas einsetzten. Im zentralen Stadtteil Ramses nahe des Tahrir-Platzes wurden nach Angaben der Rettungskräfte zwei Menschen getötet, im Bezirk Gizeh starben fünf Menschen bei Auseinandersetzungen mit der Polizei.

650 Menschen verhört

Den Behörden zufolge wurden bei den nächtlichen Krawallen ausserdem mehr als 250 Menschen verletzt, von denen etliche noch im Krankenhaus lagen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf einen Vertreter der Sicherheitskräfte berichtete, gab es ausserdem allein in Ramses mindestens 401 Festnahmen. Die Fälle lägen in den Händen der Generalstaatsanwaltschaft, hiess es.

Bereits in der vergangenen Woche waren rund 650 Menschen verhört worden, nachdem kurz zuvor bei einer Demonstration von Mursis Anhängern vor dem Sitz der Präsidentengarde in Kairo mehr als 50 Menschen getötet wurden. Seit der Entmachtung Mursis durch das Militär am 3. Juli kommt das gespaltene Land nicht zur Ruhe. Mehr als hundert Menschen wurden seitdem getötet.

Militärpräsenz auf dem Sinai verstärken

Burns hatte noch am Montag die zerstrittenen Lager zum Dialog aufgerufen und ein Ende der Gewalt gefordert. Mit Bezug auf die Festsetzung Mursis erklärte er, das Militär sei aufgefordert worden, «politisch motivierte Festnahmen zu vermeiden». Burns traf sich in Kairo mit Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, Übergangspräsident Adli Mansur und Regierungschef Hasem al-Beblawi. Am Mittag verliess er Diplomaten zufolge das Land wieder. Al-Beblawi wollte morgen sein Kabinett vorstellen.

Gespräche von Burns mit der Muslimbruderschaft, der Mursi entstammt, sowie mit der Bewegung Tamarod, die mit Massendemonstrationen dessen Sturz in Gang gesetzt hatte, gab es nicht. «Wir haben die Einladung zurückgewiesen», sagte Islam Hammam von der Oppositionsbewegung der Nachrichtenagentur AFP. Der Grund sei, dass die USA «nicht von Anfang an an der Seite des ägyptischen Volkes gestanden haben».

Unterdessen wurde bekannt, dass Ägypten seine Militärpräsenz auf dem Sinai angesichts der dortigen explosiven Lage verstärken will. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon stimmte nach eigenen Angaben der Stationierung zweier weiterer Bataillone der ägyptischen Streitkräfte zu, die in Al-Arisch im Norden der Halbinsel sowie im Badeort Scharm el Scheich im Süden stationiert werden sollen. Ein Militärsprecher hatte am Montag bestätigt, dass die ägyptische Armee auf der Sinai-Halbinsel «einen grösseren Einsatz» vorbereite. Seit Mursis Entmachtung gibt es dort beinahe täglich tödliche Angriffe von Islamisten auf Soldaten, Polizisten und Zivilisten.

AFP/rub/chk/bru

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