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Ruanda sponsert Arsenal – und entfacht wütende Debatte

Der Versuch Ruandas, das Image zu verändern, wird vielerorts als Provokation empfunden.

Für geschätzte 35 Millionen Euro darf das Land drei Jahre lang «Visit Rwanda» auf die Ärmel der Trikots des FC Arsenal drucken lassen.
Für geschätzte 35 Millionen Euro darf das Land drei Jahre lang «Visit Rwanda» auf die Ärmel der Trikots des FC Arsenal drucken lassen.
David Klein, Reuters

Fussball ist alles in vielen afrikanischen Ländern, und die englische Liga die einzig relevante Grösse. Gäbe es offizielle Statistiken, läge womöglich der FC Arsenal ganz vorne in der Gunst der meisten Afrikaner; in jedem noch so kleinen Dorf rennen die Kinder mit dem roten Trikot des Clubs herum, nicht mit dem der weit erfolgreicheren Rivalen aus Manchester.

Umgekehrt wird die Liebe nur bedingt erwidert: Die Mannschaft war zuletzt 1993 auf dem Kontinent, spielte ein paar Partien in Südafrika. Jetzt kommt Afrika eben nach London. Vergangene Woche schloss die staatliche Entwicklungs­gesellschaft Ruandas einen Sponsorenvertrag mit Arsenal ab. Für geschätzte 35 Millionen Euro darf das Land drei Jahre lang «Visit Rwanda» auf die Ärmel der Trikots drucken lassen und um Investoren und Touristen werben.

Es klingt nach einem guten Plan, das Land gehört zu den sichersten und schönsten in Afrika. Etwa 400 Millionen Dollar nahm Ruanda zuletzt durch den Tourismus ein, bis 2025 soll sich die Summe verdoppeln. Seit Jahrzehnten fordern die westlichen Regierungen afrikanische Länder dazu auf, eigene Einnahmequellen zu schaffen. Ruanda ist auf einem guten Weg. Es ist ein Bild von Afrika, abseits von Hunger und Krieg, das in Europa nicht so oft vorkommt. Und offenbar nicht vorkommen darf: ­Afrika hat arm und schrecklich zu sein.

Präsident Paul Kagame ist ein eingefleischter Arsenal-Fan. Foto: Eric Vidal (Reuters)
Präsident Paul Kagame ist ein eingefleischter Arsenal-Fan. Foto: Eric Vidal (Reuters)

Der vorsichtige Versuch Ruandas, das Image auf internationaler Ebene zu verändern, wird vielerorts als Provokation empfunden. «Das ist absolut erstaunlich», sagte der Abgeordnete Andrew Bridgen von den Konservativen in Grossbritannien. «Die britischen Steuerzahler werden schockiert sein. Das ist ein Eigentor für die Entwicklungshilfe.» Die Boulevardpresse rechnete gleich nach, dass Ruanda jährlich fast 70 Millionen Euro aus dem britischen Haushalt bekommt und nun fast die Hälfte davon für Trikotwerbung ausgibt. In Holland, einem der grossen Geberländer, fordern die Grünen eine Untersuchung, wie ein Land sein Geld in Fussball stecken könne, wo es doch eigentlich die Unterernährung bekämpfen sollte. «Jeder, der unseren Vertrag mit Arsenal kritisiert, will entweder, dass wir arm bleiben, oder versteht nicht, dass in jedem Geschäft die Kosten für Marketing ein normaler Teil der Geschäftsausgaben sind», sagt Clare Akamanzi, Chefin der staatlichen Entwicklungsagentur.

Ruanda ist kein einfaches Land: Einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung steht eine eher schwierige Menschenrechtsbilanz gegenüber. Präsident Paul Kagame, ein eingefleischter Arsenal-Fan, forderte schon 2012 den glücklosen Langzeitcoach Arsène Wenger zum Rücktritt auf. In Ruanda umgekehrt den Rücktritt des Langzeitpräsidenten zu fordern, ist keine gute Idee. So ein Land habe nichts auf dem Ärmel eines Fussballvereins zu suchen, heisst es nun vor allem in England – wo die Fussballclubs oft russischen Oligarchen gehören oder Scheichs vom Golf. Deren dubioses Geld ist gerne gesehen, für Afrika gelten andere Standards.

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