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Platzhalter der Christen im Mittleren Osten

«Die westlichen Länder sind zu naiv gegenüber dem politischen Islam», sagt Kopten-Papst Tawadros II. Foto: Dominique Meienberg
«Die westlichen Länder sind zu naiv gegenüber dem politischen Islam», sagt Kopten-Papst Tawadros II. Foto: Dominique Meienberg

Papst Tawadros II. (66) hat am vergangenen Dienstag die ehemalige katholische Kirche in Grafstal ZH zum koptisch-orthodoxen Gotteshaus geweiht. Das Sicherheitsaufgebot war erheblich. Obwohl Tawadros II. nicht in politischer Mission in der Schweiz war, wurde er wie ein Staatsoberhaupt behandelt. Papst Tawadros ist das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche mit 20 Millionen Mitgliedern. 15 Millionen leben in Ägypten, der Papst in Kairo. Bevor er Mönch wurde, leitete der Pharmazeut eine Medikamentenfabrik. Am 4. November 2012 wurde er durch Losentscheid zum neuen Papst bestimmt: Ein Junge zog mit verbundenen Augen seinen Namen aus drei Vorschlägen.

Die Wahl fiel in die schwierige Zeit zwischen dem Arabischen Frühling von 2011 (1. Revolution) und der Machtübernahme der Muslimbrüder 2013 (2. Revolution). Schon vor der Wahl von Präsident Mursi wurden die Kopten immer wieder Zielscheibe des islamistischen Terrors. Im April 2013 wurde erstmals die Sankt-Markus-Kathedrale, Sitz des koptischen Papstes, angegriffen. Die Muslimbrüder spotteten, die Kopten hätten sich die Aggression selber zuzuschreiben. Nach dem Sturz Mursis wurden Kopten, überhaupt die Christen im ganzen Land, abermals Opfer von schlimmen Anschlägen.

Obwohl es auch unter al-Sisi immer wieder zu Anschlägen auf Kirchen und Pilgerbusse kommt, versucht Tawadros, die Kopten zu beruhigen und sie von Demonstrationen gegen die Regierung abzuhalten. Er begrüsste schon den Putsch gegen Präsident Mursi und schlug sich alsbald auf die Seite al-Sisis. Er ist überzeugt, dass dieser den Kopten wohlgesinnt ist. So dürfen sie eigene Kirchen bauen. Und im 596-köpfigen Parlament sitzen heute 40 koptische Vertreter.

Tawadros grenzt sich von seinem Vorgänger Papst Schenuda III. ab, der zum ägyptischen Staat auf Distanz ging. Auch binnenkirchlich ist Tawadros offener und pflegt die Ökumene mit anderen Kirchen. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die koptische Kirche überaus konservativ ist. Mit Stolz verweisen die Kopten darauf, die ältesten Christen und die Ureinwohner von Ägypten zu sein – und bis heute die grösste christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. (mm)

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