Pentagon warnt vor Trumps Syrien-Plänen

Uneinigkeit in Washington: Den Abzug seiner Truppen aus Syrien beurteilt das US-Militär sehr kritisch. Der IS könnte wieder erstarken.

Besiegt, aber nicht verschwunden: IS-Kämpfer im Nahen Osten.

Besiegt, aber nicht verschwunden: IS-Kämpfer im Nahen Osten.

(Bild: WireImage)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

US-Präsident Donald Trump muss zur Kenntnis nehmen, dass sich sein eigenes Verteidigungsministerium gegen den Rückzug aus Syrien ausspricht. Das Generalinspektorat des Pentagons warnt in einem aktuellen Lagebericht vor einem Wiedererstarken des Islamischen Staats (IS) in Syrien. Im Kampf gegen den IS in Syrien sind rund 2000 amerikanische Soldaten engagiert.

Ohne anhaltenden militärischen Druck könnte der IS, so das Pentagon, «wahrscheinlich innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben» und einen Teil der verlorenen Gebiete zurückgewinnen. Im Osten Syriens gibts derzeit rund 2000 IS-Kämpfer. Die nach der Zerschlagung des IS-Kalifats verbliebenen Jihadisten sind «kampferprobt, hartgesotten und diszipliniert». Der IS finanziert sich mit Einnahmen aus Schmuggel, Geldeintreibungen und anderen kriminellen Aktivitäten sowie mit Spenden. Die Terrorgruppe zieht weiterhin Auslandkämpfer an, etwa 50 jeden Monat.

SDF-Kräfte brauchen Unterstützung

Dem Pentagon-Bericht zufolge reorganisiert sich der IS in den benachbarten Regionen im Irak schneller als in Syrien. Die Terrororganisation ist allerdings auch in Syrien immer noch in der Lage, koordinierte Offensiven und Gegenoffensiven durchzuführen. Die von der Kurdenmiliz YPG kontrollierten «Syrischen Demokratischen Kräfte» (SDF) kämpften zwar weiter gegen den IS, heisst es weiter im Bericht. Die SDF-Kräfte seien aber stark auf die Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition angewiesen.

«Wir werden zurückkommen, wenn wir müssen»: Donald Trump über seine Syrien-Politik. Foto: Reuters

Die Türkei soll sich bereit erklärt haben, die Aufgaben der US-Truppen zu übernehmen. Sie ist zwar Teil der Koalition, betrachtet die YPG jedoch als Terrororganisation. Die USA waren bisher der wichtigste Verbündete der YPG. Nachdem Präsident Trump im letzten Dezember den Abzug der in Syrien anwesenden 2000 US-Soldaten angekündigt hatte, warfen ihm Kritiker im In- und Ausland vor, ihre Verbündeten im Kampf gegen den IS im Stich zu lassen. Im Pentagon-Bericht wird darauf verwiesen, dass die Türkei seit 2017 an keinen Bodenoperationen gegen den IS mehr teilgenommen habe.

Senat gegen Truppenabzug aus Syrien

Widerstand gegen die Syrien-Pläne von Trump leistet auch der US-Kongress. Selbst der republikanisch dominierte Senat ist gegen einen Rückzug aus Syrien. Eine entsprechende Resolution hat der Senat erst kürzlich verabschiedet. Der Resolution zufolge könnte ein «übereilter Abzug von US-Truppen hart erkämpfte Erfolge in Syrien und Irak sowie die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten» gefährden.

Den Truppenauszug aus Syrien hatte der US-Präsident beschlossen, weil der IS besiegt worden sei. Kurz danach relativierte Trump seine eigene Aussage. Zuletzt versprach er allerdings in einem TV-Interview: «Wir werden zurückkommen, wenn wir müssen. Wir haben sehr schnelle Flugzeuge, wir haben sehr gute Frachtflugzeuge.» Die USA würden Soldaten im Irak belassen, sagte Trump weiter. Vom Irak aus würden die USA den Iran überwachen. Zugleich würden die US-Truppen von dort aus den IS bekämpfen, während die US-Soldaten aus Syrien «langsam» abzögen.

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