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«Paranoid und auf der Flucht»

Der zunehmende militärische Druck der Nato soll Muammar al-Ghadhafi psychisch stark zugesetzt haben. Diplomatische Quellen geben derweil bekannt, wo sich der libysche Machthaber zurzeit aufhalte.

Soll sich nachts in Spitälern aufhalten: Muammar al-Ghadhafi am 14. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union im Januar 2009.
Soll sich nachts in Spitälern aufhalten: Muammar al-Ghadhafi am 14. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union im Januar 2009.
Keystone

Muammar al-Ghadhafi gerät immer stärker unter Druck. Anfangs Woche wurde bekannt, dass Frankreich Kampfhelikopter nach Libyen entsendet. Diese seien präziser, sagte Verteidigungsminister Alain Juppé am Montag in Brüssel.

Währendem der Helikopterträger Le Tonnerre mit zwölf Kampfhubschraubern an Bord bereits an der libyschen Küste angelegt hat, gibt nun auch Grossbritannien bekannt, Helikopter ins Krisengebiet zu entsenden. David Cameron habe gestern G-8-Gipfel «grundsätzlich» zugestimmt, der Nato Apache-Helikopter in Libyen zur Verfügung zu stellen.

Eingeschüchterter Ghadhafi

Der militärische Druck schüchtert Ghadhafi offenbar zusehends ein. Wie mehrere britische Medien berichten, sei der libysche Machthaber in einem psychisch labilen Zustand. Der «Guardian» zitiert eine diplomatische Quelle: «Er ist paranoid und auf der Flucht.» Die nicht näher definierte Quelle gab dies am Rande des G-8-Gipfels in Deauville bekannt.

Zeigte sich Ghadhafi zu Beginn des Konflikts noch regelmässig und todesmutig in der Öffentlichkeit, scheint er nun solche Auftritte zu meiden. Seit Wochen hielt er keine Rede mehr. Das letzte Lebenszeichen war eine Audiobotschaft, in der er dementierte, verletzt zu sein. Wie aus den diplomatischen Quellen weiter zu erfahren ist, soll der Despot psychisch schwer angeschlagen sein. Seit dem Angriff auf ein Haus des Ghadhafi-Clans Ende April, bei dem angeblich einer seiner Söhne getötet wurde, leide er unter Todesängsten und soll gar «paranoid» sein, wie der «Telegraph» schreibt.

Keine gezielten Tötungsversuche

Die Nato dementiert, dass sie gezielt versucht, Ghadhafi zu töten. Dennoch kommen bei den Luftschlägen auch immer wieder Ziele unter Beschuss, in denen sich der Machthaber aufhalten könnte. Doch wo befindet sich Ghadhafi? Wo hält er sich versteckt? Die diplomatischen Quellen, die nicht näher offengelegt werden, teilen mit, dass Ghadhafi sich in der Nacht in Spitälern versteckt halte. Mit regelmässigen Standortwechseln wolle er verhindern, dass er selbst Ziel eines Anschlags werde. Ghadhafi halte sich nur noch an Orten auf, von denen er mit Sicherheit wisse, dass diese nicht bombardiert würden, schreibt der «Telegraph».

Hadeiba Hadi, Ghadhafis ehemaliger Botschafter für die EU, wertet die jüngsten Entwicklungen als Zeichen, dass sich der Machthaber zurzeit erstmals ernsthaft überlege abzutreten.

Alles nur Propaganda?

Gleichzeitig werden Gerüchte laut, dass Ghadhafi seine Angst nur spiele und zu Propagandazwecken einsetze. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi beispielsweise zweifelt am Tod eines Sohnes und dreier Enkelkinder von Ghadhafi. Nach libyschen Regierungsangaben kamen Saif al-Arab Ghadhafi und die Enkelkinder Ende April bei einem Nato-Luftangriff auf einen Wohnkomplex Ghadhafis ums Leben. Basierend auf Geheimdienstinformationen habe sich der Ghadhafi-Sohn zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in Libyen befunden und halte sich vielmehr in einem anderen Land auf, sagte Berlusconi in einer am Mittwoch im italienischen Fernsehen ausgestrahlten Talkshow.

Die Koalitionsstreitkräfte seien von den libyschen Angaben nicht überzeugt, sagte Berlusconi. Es scheine so, als handle es sich bei den Berichten vom Tod des Ghadhafi-Sohnes um Propaganda.

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