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Muslimbrüder bitten um Vertrauen

Bei den Parlamentswahlen in Ägypten steuern die Islamisten auf einen ungefährdeten Sieg zu. Doch statt zu feiern, sind sie zurzeit mehr damit beschäftigt, sich zu legitimieren.

Ägyptens politische Parteien buhlen nach dem Auftakt der Parlamentswahlen um weitere Wähler. Die Muslimbruderschaft versicherte, dass sie den Bürgern des Landes keine islamischen Werte aufzwingen wolle.

Der stellvertretende Parteivorsitzende Essam el Erian sagte gestern der Nachrichtenagentur AP, die Muslimbruderschaft stehe für eine gemässigte und faire Partei. Sie wolle die Grundlagen der Scharia auf faire Weise anwenden und die Menschenrechte respektieren.

Muslimbruderschaft distanziert sich

Die Muslimbruderschaft distanzierte sich damit von der ultrakonservativen Nur-Partei, die eine strikte Interpretation des Islams ähnlich wie in Saudiarabien anstrebt. El Erian machte deutlich, dass die Muslimbruderschaft diese Ziele nicht teilt. «Wir respektieren alle Menschen in der Wahl ihrer Religion und ihres Lebens», erklärte er.

Die Muslimbruderschaft liegt gemäss ersten Teilergebnissen bei der ägyptischen Parlamentswahl in Führung. In 18 Provinzen steht die Abstimmung noch aus. El Erian forderte die politischen Rivalen seiner Partei auf, das Wahlergebnis zu respektieren. «Wir wollen, dass alle das demokratische System akzeptieren», sagte El Erian. «Das ist die Garantie für Stabilität.»

Liberale wollen Image verbessern

Die traditionsreiche Partei Wafd will derweil angesichts ihres schlechten Abschneidens zum Wahlauftakt an ihrem Image arbeiten. Der Vorsitzende der im Jahr 1919 gegründeten Liberalen, Sajjid al- Badawi, räumte in der Zeitung «Al Ahram» ein, dass die Partei sich zu wenig im Wahlkampf engagiert habe.

Auch sei es unter den eigenen Kandidaten zu Konkurrenzkämpfen gekommen. Laut lokalen Medienberichten kam die Wafd im ersten Wahlgang auf lediglich 5 Prozent der Stimmen.

Im ersten Wahlgang war am letzten Montag und Dienstag in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen gewählt worden. Ergebnisse stehen noch aus.Klarer Gewinner dürfte aber die islamistische Muslimbruderschaft sein, der mehr als 40 Prozent zugeschrieben werden. Die radikal- islamistische Partei «Nur» (Licht) der Salafisten kommt nach inoffiziellen Angaben auf 20 Prozent und erreicht damit den zweiten Platz.

Die von linken und liberalen Parteien gebildete Ägyptische Allianz wird laut lokalen Medienberichten drittstärkste Kraft. Die Jugendbewegung, die derzeit die Proteste gegen die Militärregierung mit einer Besetzung des Kairoer Tahrir-Platzes dominiert, spielt kaum eine Rolle.

Streit um Posten

Unterdessen verzögerte sich die Vereidigung der neuen ägyptischen Übergangsregierung wegen Streits um die Besetzung wichtiger Ministerämter. Wie aus Kreisen des Innenministeriums verlautete, hatten zudem mehrere ranghohe Beamte das Angebot einer künftigen Leitung des Hauses abgelehnt.

Zu den Aufgaben des Innenministers gehört vor allem der Bereich der inneren Sicherheit, und damit auch der heikle Umgang mit den anhaltenden Protesten.

Ursprünglich sollte die von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri aufgestellte Übergangsregierung am Samstag vom Leiter des ägyptischen Militärrats, Hussein Tantawi, vereidigt werden.

SDA/mrs

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