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Mandelas offizieller Lobsänger

An der Trauerfeier in Johannesburg hat Zolani Mkiva Gedichte in Xhosa vorgetragen. Vor seinem Auftritt erzählte der 40-jährige Lobsänger, wie er den Freiheitshelden kennenlernte und was ihm «sein Mandela» bedeutet.

Johannes Dieterich, Johannesburg

Es sind Verse, die irgendwo aus der Tiefe – nach seinen eigenen Worten «direkt von den Ahnen» kommen. Wenn Zolani Mkiva in seinem weiten bunten Gewand, einigen Stachelschweinstacheln im Haar und einem Zepter in der Hand seinen grossen Auftritt hat, werden die Strophen, die er aus voller Kehle singt oder besser röhrt, offenbar von einer höheren Gewalt formuliert. Deshalb musste der 40-jährige Lobsänger aus dem Volk der Xhosa auch nichts vorbereiten, als er an der Gedenkveranstaltung im Stadion von Johannesburg das Lob auf den grössten Helden seines Volkes sang: «Es kommt wie von selbst.»

Zolani Mkiva war Mandelas offizieller Lobsänger, eine Institution, die Jahrhunderte zurück geht. Bei wichtigen Gelegenheiten, auch traditionellen Zeremonien, pflegte Mkiva sein Idol mit seinen dramatisch vorgetragenen Versen vorzustellen: Da sie immer in Xhosa formuliert sind, bleibt Aussenstehenden deren Bedeutung allerdings verborgen. Bittet man den Poeten um eine Übersetzung ins Englische, kommen eher hölzern gedrechselte Konstruktionen heraus: «Nelson Mandela ist die Stamm unserer Gesellschaft, der Grundstock unserer Freiheit, der Pfeiler unseres Gewissens, der Schaft des Friedens, das Gewölbe einer gütlichen Lösung.»

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