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Libyen richtet sich künftig nach der Scharia

Der libysche Übergangsrat hat die Befreiung von jahrzehntelanger Diktatur erklärt. In Libyen wird die Scharia zur Gesetzesgrundlage. Es wurden auch neue Details zu Ghadhafis Tod bekannt.

Libyen ist frei: Frauen und Kinder begrüssen Kämpfer, die aus Sirte nach Benghazi zurückkehren. (22. Oktober 2011)
Libyen ist frei: Frauen und Kinder begrüssen Kämpfer, die aus Sirte nach Benghazi zurückkehren. (22. Oktober 2011)
Keystone
Rauch steigt über dem Quartier in Sirte auf, wo sich Ghadhafi zuletzt versteckt haben soll. (22. Oktober 2011)
Rauch steigt über dem Quartier in Sirte auf, wo sich Ghadhafi zuletzt versteckt haben soll. (22. Oktober 2011)
Reuters
Zehntausende feiern in Benghazi das nahende Ende des Ghadhafi-Regimes. (22. August 2011)
Zehntausende feiern in Benghazi das nahende Ende des Ghadhafi-Regimes. (22. August 2011)
Keystone
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Mehr als 42 Jahre nach der Machtübernahme von Muammar al-Ghadhafi hat sich Libyen heute offiziell für «frei» erklärt. Der Vize-Präsident des Nationalen Übergangsrats in Libyen, Abdel Hafis Ghoga, sagte vor Zehntausenden Menschen in der Stadt Benghazi: «Libyen ist frei.» «Befreiungserklärung. Erhebt eure Häupter. Ihr seid freie Libyer», sagte Ghoga, woraufhin die Zehntausenden im Chor entgegneten: «Du bist ein freier Libyer.» Von der nordöstlichen Hafenstadt Benghazi aus hatte der Aufstand gegen Ghadhafi seinen Ausgang genommen.

Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrats Mustafa Abdul Jalil kündigte an, im neuen Leben werde das islamische Recht Scharia die Grundlage aller Gesetze sein und bestehende Gesetzte, die im Widerspruch zum Islam stünden, würden annulliert. In diesem Sinne sei auch das geltende libysche Eherecht zurückzuweisen, das die Zahl der Frauen für einen Muslim begrenzt. Ausserdem kündigte er die Gründung neuer Banken an, die islamischem Recht entsprächen. Damit dürften sie keine Zinsen mehr verlangen. «Gott hat über die Revolution und ihren Sieg gewacht», verkündete Jalil.

Binnen eines Monats sollen eine neue Übergangsregierung gebildet und innerhalb von acht Monaten erste Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung abgehalten werden.

Ghadhafis Leiche soll zu Angehörigen

Muammar al-Ghadhafi war am Donnerstag bei der Eroberung seiner Heimatstadt Sirte ums Leben gekommen. Ein Mitglied des Nationalen Übergangsrats, Ahmed Jibril, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei beschlossen worden, die Leiche der Ghadhafi-Grossfamilie auszuhändigen, weil von seinen nahen Verwandten derzeit niemand greifbar sei.

Entgegen früheren Ankündigungen ist der Leichnam Muammar al-Ghadhafis nun doch obduziert worden, wie der Militärrat von Misrata heute mitteilte. Die Klärung der genauen Todesumstände Ghadhafis war international gefordert worden.

Tod durch Kopfschuss

Dementsprechend ist der frühere Machthaber nach Aussage des obersten libyschen Gerichtsmediziners durch einen Kopfschuss getötet worden. Dies habe eine Autopsie bestätigt, sagte der Arzt Othman al-Sintani. Die Untersuchung sei am Sonntag abgeschlossen worden, Einzelheiten wolle er aber erst nennen, wenn er den Bericht an den Generalstaatsanwalt übergeben habe, sagte al-Sintani.

Ghadhafi war am Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte nach einem Nato-Angriff auf seinen Konvoi offenbar lebend gefangen genommen, dann jedoch unter bislang ungeklärten Umständen getötet worden. Ghadhafis Leiche wurde danach nach Misrata gebracht, wo sie in der Kühlhalle eines Einkaufszentrums am Stadtrand ausgestellt wurde. Die Forderungen aus aller Welt nach einer Klärung der Todesumstände Ghadhafis hielten unterdessen an. Nach Angaben des Übergangsrats starb er bei einem Kreuzfeuer zwischen seinen Anhängern und seinen Gegnern. Anderen Berichten zufolge wurde Ghadhafi Opfer eines Lynchmords.

AFP/ dapd/rub/mrs

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