Die Visite war streng geheim

Mit seinem Überraschungsbesuch bei US-Soldaten knüpfte Donald Trump an eine Tradition an, die schon seine Vorgänger gepflegt haben. Und er verteidigte den Abzug der Amerikaner aus Syrien.

Hoher Besuch am Stephanstag: Donald Trump mit der First Lady und Soldaten auf dem Stützpunkt al-Asad im Irak. Foto: Saul Loeb (AFP)

Hoher Besuch am Stephanstag: Donald Trump mit der First Lady und Soldaten auf dem Stützpunkt al-Asad im Irak. Foto: Saul Loeb (AFP)

Christian Zaschke@ChZaschke

Zunächst fiel auf, dass der Soldat nicht auf seinem Posten stand, der normalerweise den Westflügel des Weissen Hauses bewacht, wenn US-Präsident Donald Trump anwesend ist. Dann gab es Gerüchte, dass eine Boeing VC-25 über England gesichtet worden sei, die exakt jener glich, in der der Präsident normalerweise reist. Schliesslich wurde es offiziell: Donald Trump hat am Mittwoch amerikanische Soldaten im Irak besucht. Es war der erste Truppenbesuch seiner Amtszeit in einer Krisenzone. Die Reise war geheim gehalten worden und stand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.

In den vergangenen Monaten war die Kritik an Trump lauter geworden, weil er einen solchen Besuch bisher vermieden hatte. Er begründete das mit seinem vollen Terminkalender. Bei seinem Auftritt in der Kantine des Luftwaffenstützpunktes al-Asad westlich von Bagdad sagte er, dass er bisher nicht in ein Krisengebiet gereist sei, weil er Sorge um die Institution der Präsidentschaft gehabt habe, nicht um sich selbst. Trump wurde von seiner Ehefrau Melania begleitet.

«Nicht länger die Dummen»

In einer kurzen Ansprache vor rund 100 Soldatinnen und Soldaten verteidigte Trump seine Entscheidung, die amerikanischen Truppen aus Syrien abzuziehen. «Wir sind nicht länger die Dummen, Leute», sagte er. «Die Vereinigten Staaten können nicht weiterhin der Weltpolizist sein», führte er aus, «wir möchten nicht mehr von Ländern ausgenutzt werden, die uns und unser unglaubliches Militär nutzen, um sich zu schützen. Sie zahlen nicht dafür.» Trump sagte, das amerikanische Militär sei in Ländern vertreten, «von denen die meisten Menschen noch nicht einmal gehört haben». Das sei lächerlich.

In der vergangenen Woche hatte Trump überraschend angekündigt, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Derzeit sind dort rund 2000 Amerikaner stationiert. Diese Entscheidung hatte zum Rücktritt von Verteidigungsminister James Mattis geführt, der den Abzug nach eigenen Angaben für einen groben Fehler hält. Auch Brett McGurk, Sonderbeauftragter für die internationale Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), hat nach Trumps Ankündigung seinen Rücktritt erklärt. Laut «New York Times» habe er Kollegen gesagt, er könne Trumps Entscheidung nicht guten Gewissens mittragen.

Im Irak sind rund 5000 amerikanische Soldatinnen und Soldaten stationiert. An dieser Zahl soll sich laut Trump einstweilen nichts ändern. Der Irak könne eine Art Hauptquartier der USA im Nahen Osten werden, von dem aus man auch wieder in Syrien eingreifen könne, falls das nötig werde. «Sollte etwas mit dem IS passieren, das wir nicht mögen, können wir so schnell und so hart zuschlagen – die werden gar nicht wissen, was passiert ist», sagte Trump nach Angaben von mitreisenden Reportern. Verringert werden soll hingegen das Truppenkontingent in Afghanistan. Dort sind derzeit 14'000 Soldaten stationiert. Trump will diese Zahl nach eigenen Angaben halbieren. Die militärische Präsenz im Ausland zu reduzieren, war eines seiner Wahlkampfversprechen gewesen.

Besuch wird kritisiert

Den Soldaten am Stützpunkt al-Asad sagte Trump, dass die amerikanischen Truppen seit zehn Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen hätten, er aber dafür gesorgt habe, dass es nun einen Aufschlag von 10 Prozent gebe. Tatsächlich hat das Militär der «Washington Post» zufolge seit Jahrzehnten in jedem Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen. Trumps letzte Erhöhung der Bezüge belief sich zudem nicht auf 10 Prozent, sondern lediglich auf 2,6 Prozent.

Führende irakische Politiker haben den Besuch Trumps kritisiert. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge forderte Sabah al-Saadi, der Fraktionschef des Islah-Blocks im Parlament, eine Dringlichkeitssitzung, «um über die unverhohlene Verletzung der irakischen Souveränität zu debattieren». Auch der Bina-Block, Islahs Rivale im Parlament, lehnte den Trump-Besuch ab. Er stelle eine Verletzung diplomatischer Normen dar.

Der irakische Ministerpräsident kommt zu Besuch nach Washington.

Ursprünglich war ein Treffen Trumps mit dem irakischen Ministerpräsidenten Adil Abdul-Mahdi geplant gewesen. Nach Angaben von Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders habe das Treffen wegen der Kurzfristigkeit des Besuchs aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden können. Die beiden Politiker hätten jedoch miteinander telefoniert. Abdul-Mahdi habe eine Einladung ins Weisse Haus angenommen.

Truppenbesuche an Feiertagen haben Tradition unter US-Präsidenten. George W. Bush reiste 2003 zu Thanksgiving in den Irak, wo er Truthahn servierte. Sein Vater George H.W. Bush besuchte 1993 am Neujahrstag Truppen in Somalia. Bill Clinton verbrachte Thanksgiving 1999 mit amerikanischen Soldaten im Kosovo. Barack Obama besuchte 2014 am Memorial Day Truppen in Afghanistan.

Auf dem Rückflug legte Trump am Donnerstag einen Stopp auf dem Stützpunkt Ramstein in Deutschland ein, bevor er sich auf den Weg zurück nach Washington machte.

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