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Keïta ist neuer Präsident von Mali

Der Ex-Regierungschef Ibrahim Boubacar Keïta geht als Sieger aus der Stichwahl für das Präsidentenamt von Mali hervor. Sein Rivale Soumaïla Cissé räumte die Niederlage ein.

Soll als neuer Präsident Mali wieder versöhnen: Ibrahim Boubacar Keïta. (7. Juli 2013)
Soll als neuer Präsident Mali wieder versöhnen: Ibrahim Boubacar Keïta. (7. Juli 2013)
Keystone
Wahlhelfer zählen die Stimmzettel. (11. August 2013)
Wahlhelfer zählen die Stimmzettel. (11. August 2013)
Reuters
Eine Wahlmitarbeiterin trägt Zettelboxen durch den Regen. (11. August 2013)
Eine Wahlmitarbeiterin trägt Zettelboxen durch den Regen. (11. August 2013)
Keystone
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Einen Tag nach der Stichwahl um das Präsidentenamt im westafrikanischen Mali hat der ehemalige Finanzminister Soumaïla Cissé seine Niederlage anerkannt. Dies habe er seinem Rivalen, Ex-Regierungschef Ibrahim Boubacar Keïta, persönlich mitgeteilt, erklärte Cissé der Nachrichtenagentur AFP.

«Ich habe ihn aufgesucht, um ihm zu gratulieren und ihm viel Glück für Mali zu wünschen», führte der 63-Jährige am Montag aus. Obwohl das Endergebnis noch nicht offiziell feststeht, ist Keïta damit neuer Staatschef des Krisenlandes. Auch die meisten anderen Präsidentschaftskandidaten, die schon in der ersten Runde der Wahl ausgeschieden waren, stellten sich hinter Keïta. «Das ist ein Symbol für das neue Mali», erklärte Keïta anschliessend. «Ich bin tief bewegt.»

Vorwürfe der Wahlfälschung zurückgewiesen

Der Urnengang war ohne grössere Zwischenfälle abgelaufen. In der ersten Wahlrunde am 28. Juli hatte Keïta 39,8 Prozent der Stimmen erhalten. Cissé kam mit 19,7 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz. Vorwürfe der Wahlfälschung aus seinem Lager wies das Verfassungsgericht zurück.

Der Termin für die Präsidentschaftswahl war auf Drängen der internationalen Gemeinschaft festgelegt worden, obgleich die Verwaltungsstrukturen nach dem Militärputsch und den Kämpfen im Land noch nicht wieder voll funktionsfähig waren. Die Gebergemeinschaft hatte die Abhaltung freier Wahlen und die Rückkehr zur Demokratie zur Bedingung für weitere Hilfen in Milliardenhöhe gemacht.

Schwierige Aufgabe

Keïta steht nun vor der schwierigen Aufgabe, das Land aus der Krise zu führen und die Bevölkerungsgruppen – Tuareg und Araber auf der einen Seite und Schwarze auf der anderen Seite – zu versöhnen.

Erklärtes Ziel von Keïta ist es, Mali wieder die Stabilität zu geben, die das Land vor einem Militärputsch im vergangenen Jahr und einer islamistischen Aufstandsbewegung hatte, die erst mit ausländischer Intervention gestoppt werden konnte. Keïta bewarb sich schon 2002 und 2007 um das Präsidentenamt, er war auch schon Aussenminister des Landes und Parlamentspräsident.

Nach dem Militärputsch im März 2012 war es Tuareg-Rebellen und mit ihnen verbündeten Islamisten gelungen, den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen. Eine halbe Million Menschen wurden in die Flucht getrieben.

Das militärische Eingreifen Frankreichs im Januar dieses Jahres stoppte den Vormarsch der Islamisten nach Süden.

Wahlen gelobt

Die Beobachtermissionen der Europäischen und Afrikanischen Union (AU) lobten die Malier am Montag für den friedlichen Ablauf der Stichwahl. Den Bewohnern des Landes sollte dafür gratuliert werden, dass sie zur demokratischen Tradition zurückgekehrt seien, die Mali vor dem Putsch im Jahr 2012 ausgezeichnet habe, sagte der Leiter der EU-Mission, Louis Michel, am Montag.

Der Leiter der AU-Mission, Eden Kodjo, erklärte mit Bezug auf Berichte über Unregelmässigkeiten: «Im Grossen und Ganzen lief alles normal, aber ich glaube nicht, dass das Cissé-Lager ins Leere gesprochen hat. Aber es sind nicht wir, die entscheiden müssen, ob diese Anschuldigungen richtig oder falsch sind. Das muss das Verfassungsgericht klären.»

Keïta gut vorbereitet

Der neue Präsident von Mali scheint gut gerüstet für die schwere Aufgabe, die ihm bevorsteht: Ibrahim Boubacar Keïta ist ein lange bekanntes Gesicht auf der politischen Bühne des Landes und war von 1994 bis 2000 bereits Regierungschef und von 2002 bis 2007 Parlamentspräsident.

Im Jahr 2001 gründete er seine eigene Partei «Rally für Mali» (RPM), an dessen Spitze er bis heute steht. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa beschrieb er sich selbst kürzlich als «Staatsmann, der sich der bevorstehenden Herausforderungen bewusst ist».

Zwei Mal hatte der 68-Jährige sich auch um das Präsidentenamt beworben, aber jeweils gegen den langjährigen Staatschef Amadou Toumani Touré verloren. Dieser war im März 2012 bei einem Militärputsch gestürzt worden.

«Ein Mann, der zu seinem Wort steht»

Seine Fans nennen Keïta kurz «IBK» und gaben ihm zusätzlich den Spitznamen «Kankeletigui». In der lokalen Bambara-Sprache bedeutet dies «ein Mann, der zu seinem Wort steht».

Die Bevölkerung setzt darauf, dass er Mali durch seine Erfahrung und sein Image als ehrlicher Politiker aus der Krise der vergangenen 16 Monate in eine bessere Zukunft führen kann.

Keïta studierte in Paris und Dakar

Geboren wurde Keïta 1945 in der Stadt Koutiala im Süden Malis. Er studierte unter anderem an der Pariser Sorbonne und an der Universität von Dakar im Senegal und besitzt Abschlüsse in Geschichte sowie Politikwissenschaft und internationalen Beziehungen.

Später kehrte er nach Mali zurück, wo er unter anderem für den Entwicklungsfonds der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die Organisation «Terres des Hommes» arbeitete.

Armee unterstützt neuen Präsidenten

«IBK» war einer der ganz wenigen Bewerber um das Präsidentenamt, die während der Wahlkampagne auch in die noch von separatistischen Tuareg-Rebellen besetzte Stadt Kidal im Norden Malis reiste, um die Bevölkerung zu mobilisieren.

Zudem hat er den Militärputsch gegen Touré nie öffentlich kritisiert. Deshalb galt er auch als bevorzugter Kandidat der Armee. «Ich bin stolz darauf, dass die Armee mich unterstützt», sagte Keïta. «Wie kann jemand ein guter Präsident sein, wenn er nicht das Vertrauen der Streitkräfte hat?»

(sda/AP)

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