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Jüdische Extremisten gestehen Mord an Palästinenser

Drei Männer geben zu, den 16-jährigen Mohammed Abu Chder bei lebendigem Leib verbrannt zu haben. Sie stellten vor der Polizei das Delikt nach.

Insgesamt waren sechs Israelis verhaftet worden: Israelische Polizisten bewachen das Gebäude, in dem die Verdächtigen festgehalten werden. (6. Juli 2014)
Insgesamt waren sechs Israelis verhaftet worden: Israelische Polizisten bewachen das Gebäude, in dem die Verdächtigen festgehalten werden. (6. Juli 2014)

Nach der brutalen Ermordung eines jungen Palästinensers haben drei radikale Israelis Geständnisse abgelegt. «Drei der sechs Verdächtigen haben die Ermordung und Verbrennung von Mohammed Abu Chder bei lebendigem Leib gestanden», verlautete heute aus Ermittlerkreisen.

Abu Chder war am vergangenen Mittwoch in Ostjerusalem verschleppt worden. Wenig später wurde die verbrannte Leiche des 16-Jährigen in einem Wald im Westteil der Stadt entdeckt. Gestern Morgen nahm die Polizei sechs junge jüdische Extremisten fest. Sie werden beschuldigt, einer «Terrororganisation» anzugehören und einen Minderjährigen «aus nationalistischen Motiven» entführt und ermordet zu haben, wie das Onlineportal Ynet berichtete.

Persönliche Entschuldigung

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rief laut seinem Büro Abu Chders Vater an, um ihm zu kondolieren und seine Erschütterung über den «abscheulichen Mord» auszudrücken. «Ich möchte meine Wut und die der Bürger Israels über den abscheulichen Mord an Ihrem Sohn ausdrücken», erklärte Netanyahu. «Wir haben sofort gehandelt, um die Mörder festzunehmen. Wir werden sie vor Gericht stellen, und sie werden nach allen Möglichkeiten des Rechts behandelt werden.»

Der Vater, Hussein Abu Chder, sagte jedoch, er sei nicht sicher, ob er mit Netanyahu gesprochen habe. «Vielleicht hat er angerufen, ich weiss es nicht. Jede Menge Leute riefen mich heute morgen an, um sich für das, was meinem Sohn passiert ist, zu entschuldigen», sagte er.

Der Tod des Palästinensers kurz nach der Beisetzung von drei im Westjordanland entführten und getöteten jungen Israelis hatte die Spannungen im Nahostkonflikt deutlich verschärft. In mehreren israelischen Städten gab es heftige Ausschreitungen arabischer Israelis.

Deutlich mehr Raketenangriffe

Im Norden Israels gab es in der Nacht erneut Proteste und Angriffe auf die Polizei, dabei wurden 110 Menschen festgenommen. In Nahf und Nazarath zündeten maskierte Demonstranten Autoreifen an und errichteten Strassensperren. Bei Ausschreitungen im südisraelischen Beerscheva wurden nach Angaben der Polizei zwölf Menschen festgenommen .Zudem flogen die israelische Streitkräfte in der Nacht erneut Luftangriffe auf den Gazastreifen, bei denen laut den Rettungskräften acht militante Palästinenser getötet wurden.

Seit der Entführung der drei Israelis, die eine grossangelegte Militäraktion im Westjordanland auslöste, haben die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und die Vergeltungsangriffe der israelischen Luftwaffe deutlich zugenommen. Ein Sprecher des palästinensischen Volkswiderstandskomitees sagte, Israel habe «das Tor zur Hölle» für sich geöffnet und die Raketenangriffe würden weitergehen. In Israel schlugen laut der Armee mindestens 28 Raketen aus dem Gazastreifen ein. Ein Soldat wurde dabei nach Militärangaben verletzt.

Einen «kühlen Kopf» bewahren

Die israelische Politik ist gespalten in ihrer Haltung, wie sie auf den verstärkten Beschuss durch die Extremisten reagieren soll. Im Streit über einen möglichen Militäreinsatz im Gazastreifen zerbrach auch das Bündnis der Ultranationalisten um Aussenminister Avigdor Lieberman mit der konservativen Likud-Partei von Regierungschef Benjamin Netanyahu. Lieberman kündigte den Pakt seiner Partei Unser Haus Israel mit Likud auf. «Es ist kein Geheimnis mehr, dass es fundamentale Meinungsverschiedenheiten gibt, die uns eine Zusammenarbeit nicht länger erlauben», sagte Lieberman.

Während Lieberman die Wiederbesetzung des Gazastreifens fordert, will Netanyahu einen «kühlen Kopf» bewahren. Statt auf eine Bodenoffensive setzt er auf verstärkte Luftangriffe. Nach dem Bruch ihre Bündnisses mit Likud wollen die Ultranationalisten nun im Parlament als eigene Fraktion auftreten, nicht aber aus der Koalition aussteigen. Unser Haus Israel und Likud waren bei der Parlamentswahl vor anderthalb Jahren mit einer Liste angetreten und hatten 31 der 120 Sitze in der Knesset erhalten.

AP/AFP/ldc

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