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Israelische Drohnen töten im Gazastreifen

Im Gazastreifen kam es zu den schlimmsten Gewaltausbrüchen seit Jahren. Nahe eines Flüchtlingslagers setzte die israelische Armee Drohnen gegen Islamisten ein. Hamas schwört Rache.

Neun Ziele im Gazastreifen angegriffen: Angehörige eines getöteten Palästinensers trauern. (7. Juli 2014)
Neun Ziele im Gazastreifen angegriffen: Angehörige eines getöteten Palästinensers trauern. (7. Juli 2014)
AFP

Der neu aufgeflammte Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern eskaliert weiter: Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mindestens neun Menschen getötet worden. Die Angriffe sind eine Reaktion Israels auf den Raketenbeschuss israelischer Ortschaften. Die radikalislamische Hamas kündete umgehend Vergeltung an.

Hamas sprach von mindestens sieben Toten Kämpfern beim Bombardement eines Tunnels im Grenzgebiet zu Ägypten. Laut Hamas wurden die Männer bei einem Angriff auf einen Tunnel ums Leben gekommen. Dieser sei bereits am Sonntagmorgen erfolgt, die Leichen seien aber erst am frühen Montagmorgen entdeckt worden.

Neun Ziele angegriffen

Am Sonntagabend waren bei einem Drohnenangriff östlich des Flüchtlingslagers Bureidsch im Zentrum des Gazastreifens laut Zeugenaussagen zudem zwei militante Palästinenser getötet und ein weiterer verletzt worden. Die beiden seien am Eingang des Flüchtlingslagers getroffen worden, berichteten palästinensische Augenzeugen und Ärzte.

Die militante Palästinensergruppe Islamischer Jihad teilte mit, es handle sich um zwei Mitglieder des bewaffneten Arms ihrer Organisation.

Ein Sprecher der israelischen Armee sagte am frühen Montagmorgen, Kampfflugzeuge hätten während der Nacht neun Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen. Der Sprecher bezeichnete den fortwährenden Beschuss aus dem Gazastreifen als inakzeptabel.

Nach palästinensischen Angaben flogen Kampfflugzeuge am Sonntag mehr als 20 Angriffe. Mehr als 40 Geschosse wurden auf Israel abgefeuert. In einer Mitteilung drohte die Hamas, der Feind werde einen riesigen Preis dafür zahlen.

Netanyahu kondoliert Vater

Auslöser für die neuen Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Religionsschülern sowie der mutmassliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen. In letzterem Fall nahm die israelische Polizei am Sonntag sechs jüdische Tatverdächtige fest.

Nach dem Mord an dem palästinensischen Teenager bestätigte ein Polizeisprecher, die Ermittler gingen von einem «nationalistischen Motiv» für die Tat aus. Einige der festgenommenen Verdächtigen seien dem Gericht vorgeführt worden, um die Dauer der Untersuchungshaft zu verlängern, berichtete die Zeitung «Haaretz».

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat dem Vater des ermordeten palästinensischen Jugendlichen inzwischen sein Beileid ausgesprochen. Er selbst und die Bürger Israels seien «tief erschüttert von dem abscheulichen Mord» an dem 16-Jährigen, sagte Netanyahu dem Vater am Montag nach Angaben seines Büros.

16-Jähriger verbrannt

Der vergangenen Mittwoch tot aufgefundene 16-jährige Mohammed Abu Chedair war nach Palästinenserangaben bei lebendigem Leibe verbrannt worden, nachdem er einen heftigen Schlag auf den Kopf erhalten hatte. In Luftröhre und Lunge des Teenagers seien Spuren von Rauch gefunden worden, teilte der palästinensische Generalstaatsanwalt nach einem vorläufigen Obduktionsbericht mit.

Von israelischer Seite gab es für die Schlussfolgerungen keine Bestätigung. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte in einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon eine internationale Untersuchung des Vorfalles.

Die Tötung des jungen Arabers sowie vorher die der drei jüdischen Teenager hat einen der schlimmsten Gewaltausbrüche im palästinensisch-israelischen Konflikt seit Jahren ausgelöst. In mehreren Orten Israels kam es zuletzt zu Ausschreitungen wütender arabischer Bürger.

Die Szenen erinnerten an gewaltsame Proteste zu Beginn des Palästinenseraufstands im Herbst 2000. Damals waren 13 israelische Araber von der Polizei getötet worden. Ägypten versucht zu vermitteln.

sda/AFP/ldc/chk

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