Israel reagiert auf Raketenbeschuss aus Gazastreifen

Nach Dutzenden Raketen aus dem Gazastreifen hat die israelische Armee 120 Ziele angegriffen. Unter den drei Todesopfern ist ein Kleinkind.

Israels Armee reagiert auf Raketenbeschuss aus Gazastreifen: Explosion in Gaza City. (4. Mai 2019)

Israels Armee reagiert auf Raketenbeschuss aus Gazastreifen: Explosion in Gaza City. (4. Mai 2019)

(Bild: AFP Mahmud Hams)

Militante Palästinenser feuerten am Samstagvormittag nach Angaben der israelischen Armee rund 300 Raketen auf Gebiete rund um den Gazastreifen. Es folgten Vergeltungsangriffe der israelischen Armee. Bei den Bombardements im Gazastreifen starben ein Kleinkind, dessen schwangere Mutter sowie ein 22-jähriger Mann.

Nicht nur in den Gemeinden rund um den Gazastreifen, sondern auch in den nahe gelegenen Städten Ashkelon und Ashdod waren Explosionen zu hören. Mehrere Dutzend Geschosse wurden demnach vom israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen. Ein Haus im israelischen Ort Kissufim ist durch eine Rakete getroffen worden, eine Rakete landete auf der Schnellstrasse 4 bei Ashkelon. Wie Armeesprecher Jonathan Conricus im Gespräch mit Journalisten erklärte, handle es sich um eine «koordinierte Aktion» von Hamas und Islamischem Jihad.

Als erste Reaktion beschossen israelische Panzer mehrere Militärposten im Gazastreifen. Laut palästinensischen Angaben wurde dabei ein Mensch getötet und vier weitere verletzt. Die israelische Armee macht die seit 2007 im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas für die Angriffe verantwortlich. Aber auch die zweitgrösste Gruppe, der Islamische Jihad, verfügt über ein grosses Raketenarsenal.

Die israelische Armee griff daraufhin bis zum späten Nachmittag rund 120 Ziele von Hamad und Islamischem Jihad an. Es wurde laut Militärangaben auch ein grenzüberschreitender Tunnel des Islamischen Jihad, der zweitgrössten Gruppe im Gazastreifen, bei Rafah zerstört. Armeesprecher Conricus kündigte eine Ausweitung der Attacken an. Raketen trafen zwei Häuser in der Region um den Gazastreifen. Auf israelischer Seite gab es zwei Verletzte.

Aktionen gegen Waffenstillstandsverhandlungen

Die Eskalation kam nicht unerwartet, nachdem bereits am Freitag bei Auseinandersetzungen im Grenzgebiet vier Palästinenser getötet und zwei israelische Soldaten verwundet worden waren. Vorsorglich hatte das israelische Militär am Samstagmorgen Strassen rund um den Gazastreifen und einen nahe gelegenen Strand sperren lassen. Die Stadt Ashkelon kündigte an, ihre Schutzräume zu öffnen. Die israelische Armee hat am Nachmittag damit begonnen, Einrichtungen der Hamas und des Islamischen Jihad im Gazastreifen zu bombardieren.

Nach Einschätzung der israelischen Armee steckt der Islamische Jihad hinter den Schüssen auf israelische Soldaten am Freitag. Die Hamas habe die Lage nicht voll unter Kontrolle. Der Islamische Jihad soll unzufrieden mit den Waffenstillstandsverhandlungen unter ägyptischer Vermittlung sein und mit gezielten Aktionen versuchen, diese zu stören.

Schüsse auf israelische Soldaten

Die jüngste Auseinandersetzung eskalierte, nachdem zwei israelische Soldaten auf Patrouille entlang der Grenze von palästinensischen Scharfschützen angeschossen und verletzt worden waren. Daraufhin bombardierte die Luftwaffe Gebiete im Gazastreifen, zwei Palästinenser wurden dabei getötet. Es soll sich dabei um Kämpfer des militanten Armes der Hamas, der Kassam-Brigaden, handeln.

Israelische Panzer eröffneten laut palästinensischen Angaben auch das Feuer auf Demonstranten östlich des al-Bureij-Flüchtlingscamps. Zwei weitere Palästinenser starben nach Schusswunden, 51 wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza verletzt. Am Freitag hatten rund 5200 Palästinenser im Rahmen der seit einem Jahr andauernden Demonstrationen an der Grenze protestiert.

Die erneuten Angriffe belasten die Verhandlungen über einen längerfristigen Waffenstillstand, den Ägypten und die UNO zu vermitteln versuchen. Der Islamische Jihad soll mit den Gesprächen nicht einverstanden sein und am Montagabend eine einzelne Rakete abgefeuert haben.

Am vergangenen Dienstag haben die israelischen Streitkräfte damit begonnen, das Raketenabwehrsystem Iron Dome im ganzen Land aufzubauen, insbesondere rund um Tel Aviv. Am 14. Mai startet der Eurovision Song Contest in der Stadt. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Grossereignis werden besonders umfangreich sein. Im Mai ist ausserdem der 71. Jahrestag der Staatsgründung Israels, im Vorjahr war es zu Auseinandersetzungen an der Grenze zum Gazastreifen gekommen, an dem Tag, als die USA ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt hatten. Mehr als 60 Palästinenser wurden an diesem Tag an der Grenze von israelischen Soldaten erschossen.

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