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Israel mobilisiert 16'000 weitere Reservisten

Israel setzt die Gaza-Offensive fort und ruft nach Verstärkung. Premier Netanyahu will das geheime unterirdische Tunnelsystem der Hamas zerstören, «mit oder ohne Waffenruhe».

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Trotz internationaler Appelle für eine Waffenruhe schafft die israelische Regierung die Voraussetzung für eine Ausweitung der Gaza-Offensive. Der schwere Beschuss des dicht besiedelten Küstenstreifens geht weiter.

Israel hat 16'000 weitere Reservisten zu den Waffen gerufen und mit dieser Mobilisierung die Voraussetzung für eine Ausweitung seiner Gazaoffensive geschaffen. Der Schritt folgte, nachdem das Sicherheitskabinett am Vorabend trotz internationaler Appelle für eine Waffenruhe eine Fortsetzung des Einsatzes beschlossen hatte. Insgesamt wurden seit Beginn des Konflikts 86'000 Reservisten einberufen.

Mehr als 4000 Angriffe

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, er wolle das Tunnelsystem der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen «mit oder ohne Waffenruhe» zerstören lassen. Er werde keinem Waffenstillstand zustimmen, der Israel nicht die Zerstörung der Tunnel abschliessen lasse, über die militante Palästinenser nach Israel gelangen könnten, um Anschläge zu verüben.

Seit Beginn der Offensive am 8. Juli wurden bei mehr als 4000 Artillerie- und Luftangriffen auf mutmassliche Stellungen militanter Hamas-Mitglieder im Gazastreifen mehr als 1360 Palästinenser getötet. Radikalislamische Hamas-Kämpfer feuerten mehr als 2600 Raketen auf Israel ab. Auf israelischer Seite wurden drei Zivilisten und 56 Soldaten getötet.

«Nichts schändlicher, als schlafende Kinder anzugreifen»

Die israelischen Streitkräfte setzten den besonders schweren Beschuss mit Panzern, Artillerie sowie mit Luftangriffen den dritten Tag in Folge fort. Erneut wurden Menschen verletzt, die in einer Schule Zuflucht gesucht hatten, wie der palästinensische Gesundheitsbeamte Aschraf al-Kidra mitteilte. Internationale Kritik riefen am Mittwoch der Einschlag israelischer Panzergranaten in einer Schule der Vereinten Nationen hervor. Allein am Mittwoch wurden im Gazastreifen 116 Palästinenser getötet. Auf israelischer Seite kamen drei Soldaten ums Leben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Beschuss der UN-Schule als «abscheulich» und «nicht zu rechtfertigen». «Nichts ist schändlicher, als schlafende Kinder anzugreifen», sagte er. Mindestens 17 Menschen in der Schule wurden getötet. Ban forderte - zum wiederholten Male - eine sofortige Waffenruhe aus humanitären Gründen.

Auch die USA kritisierten den Beschuss der UN-Schule. Das Weisse Haus sei «extrem darüber besorgt», dass Tausende Palästinenser, die nach israelischen Warnungen ihre Häuser verlassen hätten, in UN-Einrichtungen nicht sicher seien, sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Bernadette Meehan.

Mögliche Ausweitung der Offensive

Die internationalen Bemühungen um ein Ende der Gewalt sind allerdings in eine Sackgasse geraten. Israel fordert eine Entmilitarisierung des Gazastreifens und die Zerstörung des Tunnelsystems, durch das Hamas-Kämpfer nach Israel gelangen können. Die Hamas verlangt die vollständige Aufhebung der Gazablockade. Keine Seite hat bislang Kompromissbereitschaft erkennen lassen.

Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die neuerliche Mobilmachung von Reservisten solle Einheiten entlasten, die bislang im Einsatz seien. Andere Gewährsleute haben aber auch nicht ausgeschlossen, dass die am 17. Juli begonnene Bodenoffensive ausgeweitet wird.

Augenzeugen zufolge schlugen israelische Geschosse am Donnerstagmorgen in eine Moschee in Beit Lahija ein. Auf dem Dach eines Gebäudes nahe der Omar-Ibn-al-Chatab-Moschee seien Wassertanks getroffen worden, Splitter hätten Menschen auf der Strasse und am Eingang einer Schule getroffen. Mindestens 15 seien verletzt worden, sagte Al-Kidra.

AFP/wid

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