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Iran übernimmt vor Atomgesprächen neuen Reaktor

Seit den siebziger Jahren wurde an der Atomanlage von Bushehr gebaut. Wenige Tage vor der Wiederaufnahme der Atomgespräche haben die iranischen Behörden nun das Kommando übernommen.

Wird im Westen mit Skepsis gesehen: Die Atomanlage von Bushehr. (Archiv)
Wird im Westen mit Skepsis gesehen: Die Atomanlage von Bushehr. (Archiv)
AFP

Nach jahrzehntelanger Bauzeit hat Teheran von Russland die Kontrolle über die Atomanlage Bushehr im Süden des Iran übernommen. Das von Russland erbaute Kraftwerk mit einer Kapazität von 1000 Megawatt unterstehe von nun an den iranischen Behörden, sagte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi. Russland übernehme aber zwei Jahre lang die Garantie für die Anlage. So lange blieben mehrere russische Experten vor Ort.

Der Bau des Atomkraftwerks hatte 1975 mit Unterstützung von Siemens begonnen. Nach der Islamischen Revolution von 1979 stieg der deutsche Konzern aber aus dem Projekt aus. Der Weiterbau wurde darüber hinaus durch den Krieg zwischen Iran und Irak in den Jahren 1980 bis 1988 behindert. Mitte der 90er Jahre sagte Russland schliesslich zu, die Fertigstellung zu übernehmen. Mit gut einem Jahrzehnt Verspätung wurde der Bau 2010 vollendet, in Betrieb ging die Anlage angesichts wiederholter technischer Probleme aber erst 2011.

Westliche Skepsis

Das Projekt wird im Westen nicht ohne Skepsis gesehen, da befürchtet wird, Iran könnte ausgediente Brennstäbe aus der Anlage für sein mutmassliches Atomwaffenprogramm wiederverwenden. Westliche Mächte verdächtigen den Iran seit Jahren, ein militärisches Atomprogramm zu unterhalten. Der UNO-Sicherheitsrat verhängte daher mehrfach Sanktionen gegen das Land.

Teheran weist die Vorwürfe allerdings entschieden zurück und pocht als Mitglied des Atomwaffensperrvertrags auf sein Recht auf die zivile Nutzung der Atomkraft. Sorge bereitet dem Westen und den Nachbarländern des Iran auch, dass die Atomanlage Bushehr in einem für Erdbeben anfälligen Gebiet errichtet wurde.

Premiere bei Gespräche

Die Übergabe der Anlage an Teheran erfolgt nur wenige Tage vor der Wiederaufnahme der Atomgespräche, die seit April auf Eis lagen. Die Aussenminister der Erzrivalen USA und Iran werden in dieser Woche erstmals direkt über das umstrittene iranische Atomprogramm verhandeln. US-Chefdiplomat John Kerry werde bei Gesprächen der sogenannten 5+1-Gruppe in New York mit dem iranischen Aussenminister Jawar Zarif zusammenkommen, bestätigte das Weisse Haus.

Das Treffen soll Diplomaten zufolge am Donnerstag am Rande der UN-Generalversammlung stattfinden. Der 5+1-Gruppe gehören die fünf UN-Vetomächte – USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien – sowie Deutschland an. Ein Vertreter der US-Aussenministeriums sagte, das Auftreten von Zarif werde zeigen, ob Teheran über «konkrete neue Vorschläge» verfüge und die jüngste Charmeoffensive aus Teheran «tatsächlich Substanz» habe.

Über Jahre kein Ergebnis

Die 5+1-Verhandlungen über das iranische Atomprogramm haben über Jahre zu keinem Ergebnis geführt, das letzte Treffen fand im April statt. Die Wahl des als moderat geltenden iranischen Präsidenten Hassan Rohani im Juni weckte dann neue Hoffnungen auf eine Beilegung des Atomstreits. In einem Interview mit dem US-Sender NBC versprach Rohani vergangene Woche, dass sein Land «niemals» Atomwaffen bauen würde. Der Präsident bekräftigte allerdings das Recht Teherans auf die friedliche Nutzung von Nuklearenergie, wie etwa in Bushehr.

Das Weisse Haus schloss auch ein Treffen zwischen Rohani und US-Präsident Barack Obama nicht aus. Zum Auftakt der jährlichen UNO-Generalversammlung sprechen die beiden Staatschefs morgen Dienstag im Abstand weniger Stunden. Rohani hat für morgen bereits eine Begegnung mit dem französischen Staatschef François Hollande geplant.

Die USA seien «offen» für Kontakte «auf vielfältigen Ebenen» mit der iranischen Regierung, erklärte Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes. Einen konkreten Termin für ein Gespräch der beiden Präsidenten gebe es aber nicht. Voraussetzung sei, dass Teheran sich weiter bereit zeige, die «Sorgen der internationalen Gemeinschaft über sein Atomprogramm anzugehen».

Seltene Treffen

Treffen zwischen Aussenministern der USA und des Irans sind sehr selten, beide Staaten unterhalten seit 1980 keine offiziellen Beziehungen. Damals hatten radikale Studenten nach der iranischen Revolution die US-Botschaft in Teheran besetzt und 52 Diplomaten als Geiseln genommen.

Zu den Entspannungssignalen gehört auch ein Briefwechsel zwischen Obama und Rohani, mit dem der US-Präsident nach eigenen Angaben die «Chance zur Diplomatie» im Atomstreit testen wollte. Der Westen wirft Teheran vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms nach Atomwaffen zu streben. Die internationale Gemeinschaft hat scharfe Sanktionen gegen den Iran verhängt, der die Vorwürfe zurückweist.

Zarif begann heute eine Reihe von Treffen mit ranghohen westlichen Funktionären. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton lobte nach ihrer Begegnung mit dem iranischen Aussenminister die «guten und konstruktiven Diskussionen». Im Oktober werde sie Zarif erneut in Genf treffen. Allerdings warnte sie vor zu grossen Hoffnungen auf einen Durchbruch. «Es gibt noch eine grosse Menge Arbeit zu tun», sagte Ashton, die die 5+1-Verhandlungen koordiniert.

(sda/AFP)

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