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Hamas und Fatah setzen auf das Prinzip Hoffnung

Die Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah haben letzte Woche den Versöhnungskurs eingeschlagen. Doch wird sich der bewaffnete Arm der Hamas an das unter ägyptischer Vermittlung unterzeichnete Abkommen halten?

Michael Wrase

Wenn nach zehn Jahren bitterer Feindschaft ein «Versöhnungsabkommen» abgeschlossen wird, dann ist das ein Grund zur Freude, welche im Nahen Osten meist mit Übertreibungen zum Ausdruck gebracht wird. Die euphorische Behauptung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, es handle sich bei der letzte Woche in Kairo erzielten Einigung zwischen Fatah und Hamas um eine «endgültige Vereinbarung», darf daher nicht auf die Goldwaage gelegt werden.

Ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung ist das Abkommen jedoch allemal. Die beiden so lange verfeindeten Palästinensergruppen haben erkannt, dass sie nur gemeinsam eine Chance haben, die Isolation zu durchbrechen. Nur so liesse sich zu einem späteren Zeitpunkt in Verhandlungen mit Israel ein Frieden erreichen, der seinen Namen auch verdient hat.

Israel profitierte von der palästinensischen Zwietracht und Halsstarrigkeit.Es hatte keinen wirklichen Ansprechpartner, was sich ändern könnte, wenn die paläs­tinensische Autonomiebehörde im Gazastreifen und in der Westbank künftig eine einheitliche Politik verfolgt. Doch so weit ist es noch nicht. Erst wenn die Zukunft der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der islamistischen Hamas, geklärt ist, wird sich zeigen, ob das Versöhnungsabkommen von Kairo «endgültig» ist.

Israel verlangt die Entwaffnung der von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Guerilla-Streitmacht, der mehr als 20 000 Kämpfer angehören. Ihre Sprecher verkündeten umgehend, dass man den Widerstand gegen den jüdischen Staat nicht aufgeben werde. Eine Kompromisslösung könnte die von Palästinenserpräsident Abbas angekündigte Weiterbeschäftigung der islamistischen Kämpfer als «Mitarbeiter» der palästinensischen Autonomiebehörde sein. Doch wird sich Israel mit einer solchen «gesichtswahrenden Lösung» zufriedengeben?

Mit ihren Maximalforderungen sind die Konfliktparteien in Israel und Palästina bisher nicht weitergekommen. Geht man aufeinander zu, wie dies Fatah und Hamas jetzt tun, entsteht Bewegung und damit auch Hoffnung, die Israel nun nähren sollte. Mit dem Beharren auf den alten Positionen sprengt man das «Versöhnungsabkommen» von Hamas und Fatah, noch bevor es umgesetzt werden kann.

ausland@bernerzeitung.ch

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