Zum Hauptinhalt springen

Extremisten in Syrien lassen Amerikaner und Deutschen frei

Der Journalist Theo Curtis befand sich zwei Jahre lang in den Händen von Geiselnehmern. Seine Entführung wurde geheimgehalten. Zudem ist ein humanitärer Helfer freigekommen.

Befand sich in der Hand der Al-Nusra-Front: Peter Theo Curtis.
Befand sich in der Hand der Al-Nusra-Front: Peter Theo Curtis.
Al Jazeera, Reuters

Nach zwei Jahren in der Gewalt einer der al-Qaida nahestehenden Extremistengruppe in Syrien ist ein US-Journalist auf freiem Fuss. Peter Theo Curtis sei ausser Landes gebracht worden und in Sicherheit, sagte die nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice in Washington. Präsident Barack Obama zeigte sich in einer Erklärung erfreut und erleichtert.

Ähnlich äusserte sich auch sein Aussenminister John Kerry. Er sei dankbar «nach einer von einer entsetzlichen Tragödie geprägten Woche.» Damit meinte er die Enthauptung des ebenfalls seit 2012 in Syrien festgehaltenen US-Reporters James Foley durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Nach einem Bericht der «Welt am Sonntag» kam unterdessen auch ein Deutscher frei.

«Sie haben mir drei Tage Zeit zum Leben gegeben»

Curtis wurde laut Kerry von der al-Nusra-Front festgehalten, die gegen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kämpft. Ein ranghoher US-Vertreter sagte weiter, der Journalist sei in den von Israel besetzten Golanhöhen an amerikanische Regierungsbeamte übergeben worden. Sie hätten ihn dann nach Tel Aviv gebracht.

Die Freilassung Curtis' erwirkte Katar, wie das Aussenministerium des Golfemirats am Sonntagabend bestätigte. Seit seiner Entführung im Jahr 2012 habe sich die katarische Regierung «unermüdlich aus dem Prinzip der Menschlichkeit heraus» um dessen Freilassung bemüht. Den Angaben zufolge halfen die Vereinten Nationen bei Curtis' Übergabe.

In einem auf den 18. Juli 2014 datierten Video sitzt der Journalist mit verbundenen Händen auf dem Boden und scheint von einem Blatt abzulesen, das vor ihm liegt. Neben ihm steht ein uniformierter Mann mit Gewehr im Anschlag. Curtis bittet die USA und europäische Regierungen, einen Vermittler zu kontaktieren, bevor es zu spät sei. «Sie haben mir drei Tage Zeit zum Leben gegeben. Wenn ihr nichts macht, bin ich fertig. Ich bin tot. Sie werden mich töten. Drei Tage. Ihr hattet 20 Tage und habt nichts gemacht.»

Radikalisierung desillusionierter Jugendlicher

Ob und inwiefern die Forderungen der Geiselnehmer erfüllt wurden, war zunächst nicht klar. Curtis' Familie teilte mit, katarische Vertreter hätten versichert, dass bei den Verhandlungen kein Lösegeld für ihn geflossen sei.

Vor allem aber zeigten sich seine Angehörigen überglücklich über seine neu erlangte Freiheit. «Er scheint bei guter Gesundheit zu sein», sagte seine Cousine Viva Hardigg der Nachrichtenagentur AP. Die Familie danke allen, die sei zutiefst erleichtert und danke allen, die bei seiner Freilassung geholfen hätten. Zugleich denke sie ständig an die anderen Geiseln in Syrien und jenen, die sich um ihre Freilassung bemühten. «Wir wollen alles uns Mögliche machen, um sie zu unterstützen.»

Curtis schrieb unter dem Pseudonym Theo Padnos für das US-Magazin «New Republic.» Im Jahr 2011 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel «Undercover Muslim: A Journey Into Yemen» (dt. Verdeckt ermittelnder Muslim: Eine Reise in den Jemen), ein Werk, das die Radikalisierung desillusionierter Jugendlicher thematisiert.

Laut «Welt am Sonntag» kam auch ein 27-jähriger Deutscher nach rund einjähriger Geiselhaft in Syrien frei. Der Mann aus Brandenburg, der als humanitärer Helfer nach Syrien kam, wurde demnach im Juni 2013 von Kämpfern der extremistischen Miliz Islamischer Staat (IS) verschleppt. Für seine Freilassung habe es eine «substanzielle Gegenleistung» gegeben, hiess es in dem Bericht unter Berufung auf Angaben aus Ermittlerkreisen.

Lösegeldforderung

Im Frühjahr sei der Familie ein Video mit Aufnahmen des 27-Jährigen zugespielt worden, in dem eine Lösegeldforderung erhoben worden sei. Zudem sei auf dem Video die Hinrichtung einer anderen Geisel zu sehen gewesen. Deutsche Behörden hätten daraufhin Verhandlungen mit den Entführern aufgenommen, hiess es weiter. Einbezogen waren demnach das Bundeskriminalamt (BKA), der Bundesnachrichtendienst (BND) sowie der Krisenstab des Auswärtigen Amts. Das Auswärtige Amt dementierte jedoch laut «WamS», dass Lösegeld gezahlt worden sei.

Das Geschäft mit den Entführungen

Curtis' Freilassung erfolgte wenige Tage, nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat ein Video verbreitet hatte, das die Ermordung des US-Journalisten James Foley zeigte. Foley war 2012 in Syrien entführt worden. Vor der Bluttat forderten Kämpfer des Islamischen Staats laut Regierungsbeamten ein Lösegeld in Höhe von 132,5 Millionen Dollar (rund 100 Millionen Euro) von Foleys Eltern und politische Zugeständnisse von Washington. Keiner ging auf die Forderungen ein.

Wie Grossbritannien verfolgen die USA seit langem die Linie, kein Lösegeld an Extremisten zu zahlen. Laut Vertretern beider Länder haben die al-Qaida und andere militante Gruppen in den letzten zehn Jahren mehr Finanzmittel durch diese Art der Erpressung eingenommen als durch private Unterstützer.

AFP/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch