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Die Kinder von Homs als Spielball der Diplomatie

Rund 2000 Menschen sind seit Monaten in Syriens drittgrösster Stadt eingeschlossen. Trotz der Friedenskonferenz warten sie noch immer auf Hilfe.

ldc
Sollen sich zurückziehen können: Ein Kämpfer der Free Syrian Army schiesst aus einem Mauerloch. (24. Mai 2014)
Sollen sich zurückziehen können: Ein Kämpfer der Free Syrian Army schiesst aus einem Mauerloch. (24. Mai 2014)
Reuters
Homs ist strategisch günstig gelegen: Rebellen tragen einen Raketenwerfer. (27. Januar 2014)
Homs ist strategisch günstig gelegen: Rebellen tragen einen Raketenwerfer. (27. Januar 2014)
AFP
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Immer mehr wird das Schicksal der Stadt Homs zum Testfall für die Friedensverhandlungen in Genf. Mit rund 700'000 Einwohnern ist Homs die drittgrösste Stadt Syriens. Sie liegt in der Mitte des Landes, an einem strategisch wichtigen Verkehrsweg, der Damaskus mit Aleppo verbindet.

Sie war eine der ersten Städte, in denen die Bürgerinnen und Bürger vor fast drei Jahren gegen die autoritäre Herrschaft von Staatschef Baschar al-Assad zu demonstrieren begannen. Wie auch anderswo in Syrien schlugen die Sicherheitskräfte des Regimes die Proteste nieder.

Als sich infolgedessen auch die Opposition bewaffnete, war Homs lange Zeit heftig umkämpft. Im Frühsommer 2013, als Einheiten der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem benachbarten Libanon die Regierungstruppen verstärkten, trat eine Wende ein. Das Regime brachte weite Teile der Stadt unter seine Kontrolle. Nur in der historischen Altstadt und Teilen des Stadtviertels Chaldijeh können die Rebellen bis heute ihre Stellungen halten. In diesen sind sie von den Regimetruppen eingekesselt.

Nur über Schleichwege erreichbar

Es sind zum Grossteil Kämpfer der Rebellen, die dort mit ihren Familien zu Hause sind - insgesamt rund 2000 Menschen. Ihre Lage ist sehr schwierig. Nur über gefährliche Schleichwege können sie in sehr begrenztem Umfang an Lebensmittel und Medikamente gelangen. «Die Menschen leben in Kellern ohne elektrischen Strom und ohne Heizung», sagt der Aktivist Abu Kamal, der Homs vor einem Monat verlassen hat und heute als Flüchtling im Libanon lebt. «Sie verheizen Fenster- und Türrahmen aus ausgebombten Häusern, um sich etwas Wärme zu verschaffen, und sie ernähren sich von trockenem Brot und Oliven.»

Eine Einigung auf humanitäre Hilfe für eine überschaubare Zahl von Menschen wäre demnach das Minimum, auf das sich die Konfliktparteien bei den Verhandlungen in Genf einigen sollten. Doch der Teufel steckt im Detail. Die Opposition verlangt eine schrittweise Beendigung der Belagerung und die Versorgung der Eingeschlossenen mit dringend benötigten Hilfsgütern. Das Regime bietet hingegen an, die Frauen und Kinder aus den eingekesselten Gebieten in Sicherheit zu bringen. UNO-Vermittler Lakhdar Brahimi verkaufte eine angebliche Einigung über diesen Punkt am Sonntagabend bereits als ersten Teilerfolg der Syrien-Konferenz.

Doch die Opposition hatte dem nie zugestimmt. Das wäre auch nicht wirklich logisch gewesen. Würden die Zivilisten die Gebiete verlassen, würde dies dem Regime ermöglichen, die letzten Widerstandsnester mit geballter militärischer Macht und ohne jede Rücksichtnahme anzugreifen.

(SDA)

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