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Die Angst in Gaza – in 140 Zeichen

Über Twitter teilen Jugendliche aus Gaza ihre Erlebnisse direkt mit der Welt. 107'000 Personen folgen den dramatischen Berichten der 16-jährigen Farah Baker.

Farah Baker berichtet über Twitter vom Krieg in Gaza. (Bild: Twitter/@Farah_Gazan)

Quasi über Nacht ist auch die 16-jährige Farah Baker von einigen Tausend zu mehr als 170'000 Followern gekommen. Der Grund: Die junge Palästinenserin twitterte live von den israelischen Luftangriffen auf Gaza. Ihr Nachrichtenstrom hat etwas vom Tagebuch einer Jugendlichen, die voller Angst und Fassungslosigkeit eine Militäroffensive verfolgt, deren Ende noch völlig offen ist.

«Das passiert in meiner Gegend. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ich könnte heute Nacht sterben», postete die junge Frau am Montagmorgen gegen 1 Uhr. Dazu lud sie ein unscharfes Foto hoch, das einen von israelischen Leuchtraketen erhellten Nachthimmel zeigen soll.

Schilderungen aus erster Hand

Zuvor hatte sie bereits von der «schlimmsten Nacht in diesem Krieg» geschrieben. Auf ihrem Twitter-Account postet sie neben kurzen Videoclips auch Audiodateien, die Explosionen in ihrer Nähe sowie das unablässige Brummen der Drohnen über Gaza wiedergeben sollen.

«Das ist eine von Hunderten Bomben, die ich höre. Gaza. DU MUSST ZUHÖREN», schreibt Baker zu einem Audioclip, den sie von ausserhalb ihres Zimmers aufgenommen hat. Wie jeder Teenager ist sie recht grosszügig beim Gebrauch von Grossbuchstaben, Abkürzungen und Hashtags.

Farah schreibt zumeist auf Englisch. Mittlerweile geniesst sie auch internationale Aufmerksamkeit und wurde unter anderem von grossen US-Sendern interviewt.

«Israel verliert Krieg um öffentliche Meinung»

Einige Experten haben bereits spekuliert, ob die jungen Menschen vor Ort und ihre Unterstützer weltweit Israel informationstechnisch vor eine neue Herausforderung stellen. Immerhin hatte sich Jerusalem in früheren Krisenzeiten ein gewisses Ansehen aufgrund seiner routinierten PR-Arbeit geschaffen.

Während Israels letzter Offensive in Gaza – der Operation «Gegossenes Blei», die im Januar 2009 endete – waren Social Media gerade mal am Anfang, sich zu einer Art Sprachrohr für die Menschen in Gaza zu entwickeln.

Mittlerweile nutzen sie verschiedene Plattformen wie Facebook und Twitter, um ihre Botschaften loszuwerden. Dabei umgehen sie nicht nur traditionelle Medien, sondern locken auch ein Publikum an, das Schilderungen aus erster Hand bevorzugt.

«Den Krieg um die öffentliche Meinung hat Israel international verloren», meint etwa Paul Bell von der Kommunikationsberatung Albany. Er weist dabei auf die Bilder hin, die jeden Tag aus Gaza kommen.

SDA/jym

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