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Der Tod ist zurück auf dem Tahrir-Platz

Eine Woche vor den Wahlen ist es in mehreren ägyptischen Städten bei Kundgebungen gegen die Armee zu Ausschreitungen gekommen. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben.

Ein Mensch kam auf dem Tahrir-Platz in Kairo ums Leben: Polizisten versuchen eine Demonstration aufzulösen.
Ein Mensch kam auf dem Tahrir-Platz in Kairo ums Leben: Polizisten versuchen eine Demonstration aufzulösen.
Keystone

Gut eine Woche vor Beginn der Parlamentswahl in Ägypten sind die Sicherheitskräfte in mehreren Grossstädten mit Gewalt gegen Proteste gegen den herrschenden Militärrat vorgegangen. Bei den Zusammenstössen wurden am Wochenende nach Angaben von Ärzten und Behörden mindestens zwei Menschen getötet und rund 750 Menschen verletzt.

Zehntausende Menschen hatten am Freitag auf dem Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo gegen die anhaltende Macht des Militärs demonstriert. Als Polizisten gestern Samstag versuchten, eine Sitzblockade auf dem Platz mit Hilfe von Tränengas und Gummigeschossen aufzulösen, bewarfen die Demonstranten die Sicherheitskräfte mit Steinen und setzten einen Polizeiwagen in Brand. Dutzende Menschen versuchten, in der Nähe des Innenministeriums Barrikaden zu errichten.

Demonstrant erliegt Schussverletzung

Nach Angaben von Ärzten erlag in Kairo ein 23-jähriger Demonstrant einer Schussverletzung an der Brust. Wie das ägyptische Innenministerium mitteilte, befanden sich unter den rund 750 Verletzten 40 Polizisten. AFP-Reporter berichteten, unter den Verletzten seien auch westliche Journalisten und Fotografen gewesen. In Alexandria starb Ärzten zufolge in der Nacht auf heute ein 25-jähriger Mann, der bei einer Demonstration von einem Gummigeschoss getroffen wurde. Protest gab es auch in den Städten Alexandria, Suez und Assuan.

Hunderte Demonstranten hielten heute Vormittag weiter den Tahrir-Platz besetzt, den symbolischen Ort der Massenproteste gegen Ex-Machthaber Hosni Mubarak Anfang des Jahres, und skandierten Parolen gegen den herrschenden Militärrat. «Der Militärrat setzt die Politik von Mubarak fort, nichts hat sich nach der Revolution verändert», sagte ein 29 Jahre alter Demonstrant. Ein anderer beklagte das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte. «Sie schlagen uns hart, sie haben sich nicht darum geschert, ob es Frauen oder Männer waren», sagte der 32-jährige Mann. «Wir haben eine Forderung: Der Militärrat muss gehen.»

Wahlen Ende Monat

Der Militärrat hatte nach Mubaraks Rückritt am 11. Februar die Macht in Ägypten übernommen und plant nach eigenen Angaben, die Verantwortung nach der Präsidentschaftswahl abzugeben. Ein Termin steht indes noch nicht fest. Am 28. November sollen jedoch die ersten Parlamentswahlen beginnen.

Die Demonstranten fordern auch eine schnelle Verurteilung von Mubarak und seinen Gefolgsleuten, die für das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte zu Beginn des Jahres verantwortlich waren. Nach offiziellen Angaben kamen bei den Protesten im Januar und Februar 850 Menschen ums Leben, Tausende wurde verletzt.

Unterdessen kehrte der israelische Botschafter Jizhak Levanon rund zwei Monate nach seiner Ausreise aus Ägypten wieder nach Kairo zurück. Ein Flughafenmitarbeiter bestätigte die Ankunft des Botschafters, die zuvor nicht angekündigt worden war. Das Botschaftspersonal war in der Nacht vom 9. auf den 10. September nach Israel ausgereist, nachdem ägyptische Demonstranten das Gebäude erstürmt hatten.

AFP/kle

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