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Der falsche Mann für ein modernes Ägypten

Mit Verteidigungsminister Tantawi soll ausgerechnet ein Konservativer die Demokratisierung in Ägypten vorantreiben. Wikileaks-Dokumente zeigen, wie er sich jahrelang gegen Reformen sträubte.

Die nationale Einheit steht für ihn im Vordergrund: Verteidigungsminister Tantawi.
Die nationale Einheit steht für ihn im Vordergrund: Verteidigungsminister Tantawi.
Keystone
Ein Soldat durch und durch: Tantawi schreitet 2009 mit US-Verteidigungsminister Robert Gates die Ehrengarde in Kairo ab.
Ein Soldat durch und durch: Tantawi schreitet 2009 mit US-Verteidigungsminister Robert Gates die Ehrengarde in Kairo ab.
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Hält als Vorsitzender des Obersten Rats des Militärs die Zügel in der Hand: Verteidigungsminister Tantawi.
Hält als Vorsitzender des Obersten Rats des Militärs die Zügel in der Hand: Verteidigungsminister Tantawi.
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Ein 76-Jähriger soll Ägypten in die Moderne führen, doch für seinen Reformwillen ist Mohammed Hussein Tantawi, der neue starke Mann im Land, nicht bekannt. Das belegen nun auch Dokumente, welche die Enthüllungsplattform Wikileaks dem britischen «Telegraph» zugespielt hat. Demzufolge hat sich der Verteidigungsminister stets gegen politische Änderungen gesperrt, weil er befürchtete, die Regierung könnte dadurch an Macht einbüssen. Die Zeitung zweifelt deshalb daran, dass Marschall Tantawi der richtige Mann sei, um den Übergang zu demokratischen Wahlen zu überwachen.

Zu diesem Schluss war vor drei Jahren offenbar auch die US-Botschaft in Kairo gekommen. Tantawi, heisst es in einer Mitteilung, die ein Diplomat im März 2008 nach Washington schickte, sei sowohl gegen wirtschaftliche als auch gegen politische Umwälzungen. Er sei in erster Linie um die nationale Einheit besorgt und befürchte, Reformen könnten politische und religiöse Gräben in der Gesellschaft vertiefen. So soll er sich sogar gegen Wirtschaftsreformen gesperrt haben, die Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak selber vorschlug, schreibt der «Telegraph» unter Berufung auf die Wikileaks-Dokumente.

Tantawi gilt nicht als flexibel genug

Das Alter, heisst es in den US-Depeschen, habe Tantawi konservativ und resistent gegen sämtliche Wechsel gemacht. «Er und Mubarak wollen ein stabiles Regime und bis ans Ende ihrer Zeit den Status quo erhalten», lautete die Einschätzung eines US-Diplomaten. Von diesem Status quo profitieren nicht zuletzt etliche Militärs. Viele Unternehmen, besonders solche im Wasser- und Olivenölgeschäft, in der Zement- und Bauindustrie oder im Tourismus, befinden sich in den Händen pensionierter Generäle.

Dass es überhaupt zu einer solchen Dominanz der Armee in der Wirtschaft kam, dürfte zu einem grossen Teil auf Tantawi zurückzuführen sein – schliesslich ist er seit 20 Jahren Verteidigungsminister. Er diente schon während der Suez-Krise 1956 im Militär, war 1967 am Sechs-Tage-Krieg beteiligt und 1973 im Jom-Kippur-Krieg dabei. Und dem einstigen Präsidenten war er treu ergeben – nicht umsonst lautet sein Spitzname «Mubaraks Pudel».

Gemäss der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» setzte sich Tantawi dann aber in der entscheidenden Phase gegen das Trio Mubarak, Vizepräsident Omar Suleiman und Generalstabschef Sami Anan durch. Denn Mubarak sei zu einem Sicherheitsrisiko für Ägypten geworden, Suleiman habe sich beim Dialog mit der Opposition als überfordert erwiesen, und Tantawi stehe in der auf Hierarchie bedachten ägyptischen Armee als Generalfeldmarschall protokollarisch über dem Generalleutnant Anan, berichtet die deutsche Zeitung. Dass er sich über seinen einstigen Förderer Mubarak hinwegsetzte, soll für Tantawi jedoch sehr schwierig gewesen sein, berichten Beobachter.

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