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«Das Ende eines Tabus»

Bricht nach mehr als 30 Jahren das Eis zwischen den USA und dem Iran? Das Telefongespräch zwischen Obama und Rohani macht Hoffnung auf die Lösung im Atomstreit. Doch es herrscht auch Skepsis.

Historisch: Barack Obama telefoniert mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani. (27. September 2013)
Historisch: Barack Obama telefoniert mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani. (27. September 2013)
AFP PHOTO / THE WHITE HOUSE
Wollen keine Kompromisse mit den USA: Demonstranten in Teheran. (28. September 2013)
Wollen keine Kompromisse mit den USA: Demonstranten in Teheran. (28. September 2013)
AFP
Rohani hatte zuvor ein 15-minütiges Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama geführt.
Rohani hatte zuvor ein 15-minütiges Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama geführt.
Reuters
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Nach dem ersten direkten Gespräch zwischen den Präsidenten des Irans und der USA richten sich die Hoffnungen auf die geplanten Atomgespräche Mitte Oktober. Irans Präsident Hassan Rohani sagte bei seiner Rückkehr nach Teheran am Samstag, die aktuelle Gelegenheit müsse für eine Lösung des Konflikts genutzt werden. Das Aussenministerium in Teheran äusserte am Sonntag die Bereitschaft, über das Ausmass der Urananreicherung zu verhandeln.

US-Präsident Barack Obama und sein iranischer Kollegen Rohani hatten am Freitag am Telefon eine Viertelstunde über Möglichkeiten zur Beilegung des Atomkonflikts gesprochen. Es war das erste Gespräch der Präsidenten beider Länder seit der Iranischen Revolution 1979. Obama sagte, es gebe die Chance die «schwierige Geschichte hinter uns zu lassen». Zwar gebe es noch «bedeutende Hindernisse», doch glaube er, «dass wir eine umfassende Lösung finden können».

Das «Ende eines Tabus»

Bei seiner Rückkehr aus New York wurde Rohani am Teheraner Flughafen von einigen hundert begeisterten Anhängern empfangen. Allerdings gab es auch Proteste einer kleineren Gruppe von Kritikern, die «Tod Amerika» und «Tod Israel» skandierten. Aus der Menge wurde ein Schuh auf Rohani geworfen, der ihn aber verfehlte. Zwei Demonstranten sind später wegen des Schuhwurfs festgenommen worden. Gegen die beiden Verdächtigen wurden laut Polizeiangaben Ermittlungen eingeleitet. Weitere Angaben zur Identität der Festgenommenen machten die Behörden nicht.

Die iranische Presse bewertete das Telefonat überwiegend positiv. Die Reformzeitung «Arman» sprach vom «Ende eines Tabus». Nach seiner Ankunft in Teheran widersprach Rohani Angaben aus US-Regierungskreisen, wonach die Initiative für das Gespräch von ihm ausgegangen sei. Seiner Darstellung nach erhielt er auf dem Weg zum Flughafen in New York einen Anruf, dass «Obama mich einige Minuten sprechen wolle». Er habe das akzeptiert, sagte Rohani, der sich zur UN-Vollversammlung in New York aufgehalten hatte.

Der diplomatische Weg

Der iranische Präsident betonte, in New York habe er gemäss der Linie des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei, der von der Notwendigkeit «heroischer Flexibilität» gesprochen hatte, die Position des Irans verteidigt. Bei den «Rechten» und «Zielen der Nation» habe er keine Zugeständnisse gemacht. Seit seiner Wahl im Juni im Iran wirbt Rohani dafür, auf diplomatischem Wege eine umfassende Lösung des Atomkonflikts zu erreichen.

Der iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif vereinbarte bei einem Treffen mit seinen Kollegen der 5+1-Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland die Fortsetzung der Verhandlungen für den 15. Oktober in Genf. Der Westen und Israel verdächtigen den Iran, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet dies und beharrt auf dem Recht zur Nutzung der Atomenergie. Im Zentrum des Streits steht die Urananreicherung.

Der iranische Vize-Aussenminister Abbas Araghtschi sagte am Sonntag, der Iran sei bereit, über «den Rahmen, das Niveau, die Form und den Ort» der Urananreicherung zu verhandeln, solange das Recht des Irans zur Anreicherung nicht grundsätzlich in Frage gestellt werde. Seit zehn Jahren betone sein Land, dass eine komplette Aufgabe nicht in Frage komme. Dies wird aber vom Westen angestrebt, damit der Iran gar nicht erst die technische Möglichkeit erlangt, waffenfähiges Uran herzustellen.

AFP/wid

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