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Boko Haram zeigt entführte Mädchen – und stellt Forderungen

Neues Video der Islamistengruppe aus Nigeria: Der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau sagt, was er für eine Freilassung im Gegenzug will.

Die Mädchen sollen zum Islam konvertiert sein, sagt Boko Haram: Videostill einer Botschaft der Terrororganisation. (12. Mai 2014)
Die Mädchen sollen zum Islam konvertiert sein, sagt Boko Haram: Videostill einer Botschaft der Terrororganisation. (12. Mai 2014)
Reuters
Kämpfen seit Monaten für die Freilassung der über 200 Mädchen: Demonstranten werden in Abuja von Polizisten zurückgehalten.
Kämpfen seit Monaten für die Freilassung der über 200 Mädchen: Demonstranten werden in Abuja von Polizisten zurückgehalten.
Reuters
Der Entführungsfall schlägt in Nigeria hohe Wellen: Eine Aktivistin protestiert für den besseren Schutz junger Frauen.
Der Entführungsfall schlägt in Nigeria hohe Wellen: Eine Aktivistin protestiert für den besseren Schutz junger Frauen.
Reuters
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Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram hat ein neues Video der entführten Schülerinnen veröffentlicht und erklärt, einen Teil von ihnen zum Islam bekehrt zu haben. In dem Video, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag, erklärte der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau, die nicht-konvertierten Mädchen würden nur im Tausch gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen freigelassen. Anschliessend waren rund 130 Mädchen an einem unbekannten Ort zu sehen.

«Diese Mädchen, um die Ihr Euch so sorgt, haben wir befreit. Und wisst Ihr, wie wir sie befreit haben? Diese Mädchen sind Muslime geworden», sagte Shekau, der in Militäruniform mit einer automatischen Waffe auftrat. Der von ihm vorgeschlagene Austausch betreffe nur jene, die nicht zum Islam konvertiert seien. Die anderen seien nun ihre «Schwestern». Shekau redet in dem Video 17 Minuten lang auf Arabisch und später auf Haussa, anschliessend ist die Gruppe von etwa 130 Mädchen zu sehen.

Shekau selbst tritt zu keinem Moment mit den Mädchen zusammen auf. Die Mädchen tragen graue oder schwarze Schleier, die den ganzen Körper ausser dem Gesicht bedecken. Sie lesen die erste Sure des Koran unter freiem Himmel umgeben von Bäumen. Die Mädchen erscheinen niedergeschlagen. Anschliessend werden drei der Schülerinnen befragt. Zwei sagen, sie seien vom Christentum zum Islam konvertiert, während die dritte angibt, bereits Muslimin gewesen zu sein. Eines der Mädchen versichert ganz offensichtlich unter Zwang, sie seien nicht misshandelt worden.

Die «Taliban Nigerias»

Kämpfer von Boko Haram hatten Mitte April eine Schule in der Stadt Chibok im nordöstlichen Staat Borno überfallen und 276 Schülerinnen verschleppt. In der Stadt lebt eine grosse christliche Minderheit. Einige der Mädchen konnten fliehen, doch werden noch immer 223 vermisst. Vor einer Woche entführte die Gruppe elf weitere Mädchen und veröffentlichte ein Video, in dem Shekau drohte, die Mädchen als Sklavinnen zu verkaufen oder zwangszuverheiraten.

Das Video schreckte die Weltgemeinschaft auf und zwang auch die nigerianische Regierung zum Handeln. Ihr war von den Eltern zuvor vorgeworfen worden, nur zögerlich auf die Entführung zu reagieren. Die USA, Grossbritannien und Frankreich schickten inzwischen Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, um bei der Suche nach den Mädchen zu helfen. Israel und China boten ebenfalls Hilfe an. Frankreichs Präsident François Hollande schlug vor, kommenden Samstag in Paris mit Nigeria und den Nachbarstaaten einen Gipfel zur Bekämpfung von Boko Haram abzuhalten.

Die radikalislamische Gruppe Boko Haram, die auch als Taliban Nigerias bezeichnet wird, verübt seit 2009 immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Allein in diesem Jahr wurden fast 2000 Menschen bei Angriffen der Gruppe getötet. Boko Haram verfolgt das Ziel, einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias zu errichten.

AFP/ajk

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