Ausrottung einer Krankheit

Seit einem Jahr ist Afrika frei von Kinderlähmung. Doch Terrorgruppierungen gefährden die endgültige Ausmerzung der ansteckenden Erkrankung.

Grund für den Rückgang der Ansteckungen: Einem nigerianischen Kind wird Polio-Impfstoff verabreicht.

Grund für den Rückgang der Ansteckungen: Einem nigerianischen Kind wird Polio-Impfstoff verabreicht. Bild: Onome Oghene/Keystone

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Zum ersten Mal überhaupt sind in Afrika während eines ganzen Jahres keine neuen Fälle von Kinderlähmung aufgetaucht. Am 11. August 2014 wurde die Krankheit zum letzten Mal in Somalia diagnostiziert. Es war laut «The Guardian» nur einer von fünf bekannten Fällen im ostafrikanischen Land – gegenüber 194 im Jahr 2013. Auch Nigeria, das 2012 noch die Hälfte aller weltweiten Erkrankungen beklagte, hatte 2014 seinen letzten Fall. Die weite Verbreitung von Impfstoffen zeigt Wirkung. Schon in zwei Jahren könnte Afrika als Kinderlähmungs-frei eingestuft werden.

Islamisten als Problem

Gefährdet wird diese positive Entwicklung von islamistischen Milizen, die in den von der Krankheit bedrohten Ländern aktiv sind. Die al-Shabaab in Somalia und Boko Haram in Nigeria sind mit ihren Terroranschlägen seit Jahren für kriegsähnliche Zustände verantwortlich. Nun wird befürchtet, dass die Impfmittel nicht alle Kinder erreichen könnten, die durch die Konflikte vertrieben werden. «Solange wir die Aufständischen nicht loswerden, können wir nicht sicher sein, dass wir die Kinderlähmung ausrotten können», sagte Oyewale Tomori, Professor für Virusforschung an der nigerianischen Hochschule für Naturwissenschaften, zu «The Guardian». Die Impfstoffe müssten 90–95 Prozent der Kinder erreichen, um eine Rückkehr der Krankheit zu verhindern.

Zweite ausgerottete Krankheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Entwicklung in Afrika als «grossen Fortschritt», weist aber darauf hin, dass die Arbeit noch nicht getan sei.

Der Fortschritt Afrikas erhöht wiederum den Druck auf Pakistan und Afghanistan, die einzigen beiden Länder, in denen Kinderlähmung sonst noch verbreitet ist. Sie verzeichneten in diesem Jahr 28 beziehungsweise sechs entsprechende Erkrankungen. Seit Einrichtungen wie die WHO 1988 die Bekämpfung der Kinderlähmung aufgenommen haben, konnten diese Fälle um mehr als 99 Prozent reduziert werden. Gesundheitsexperten prognostizieren, dass Kinderlähmung im besten Fall die zweite ansteckende Krankheit nach den Pocken werden könnte, die ausgerottet wird. (wig./The Guardian)

Erstellt: 11.08.2015, 19:22 Uhr

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