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Attentäter von Tunis floh angeblich in Flüchtlingsboot nach Italien

Durchbruch in den Ermittlungen zum Attentat von Tunis? Der mutmassliche dritte Angreifer wurde in Mailand gefasst.

Die Bardo-Attentäter: Sie waren zu dritt. Bild: Twitter / TVA nouvelles (20. Mai 2015)
Die Bardo-Attentäter: Sie waren zu dritt. Bild: Twitter / TVA nouvelles (20. Mai 2015)
Sergio Mattarella, Keystone

Zwei Monate nach dem Anschlag auf das tunesische Nationalmuseum mit 22 Toten ist ein Verdächtiger in Italien gefasst worden. Nach Behördenangaben wurde der 22-jährige Marokkaner am Dienstagabend in der Nähe von Mailand festgenommen. Offenbar kam der junge Mann, der an der Vorbereitung des Attentats beteiligt gewesen sein soll, illegal als Flüchtling nach Italien.

Grundlage für die Festnahme sei ein von den tunesischen Behörden ausgestellter internationaler Haftbefehl gewesen, teilte die italienische Polizei mit. Das Innenministerium in Tunis gab lediglich an, dass zwei Marokkaner und ein Algerier «mit indirektem Zusammenhang» zu dem Anschlag gesucht würden. Sie hätten «den Angreifern geholfen». Ob der Festgenommene zu den Gesuchten gehörte, wurde nicht bestätigt.

Er habe Italien nie verlassen

Dem Verdächtigen werden laut der italienischen Polizei Mord, Entführung und Terrorismus vorgeworfen. Demnach kam er im Februar mit einem Flüchtlingsboot illegal nach Italien und lebte mit seiner Mutter und zwei Brüdern nahe Mailand. Die Angehörigen halten sich laut Polizei rechtmässig im Land auf, der Festgenommene hätte hingegen ausreisen sollen. Er habe Italien aber nie verlassen, sagte ein Bruder der Nachrichtenagentur Ansa.

Die Tatsache, dass der Verdächtige als Flüchting ins Land kam, löste bei rechten Parteien in Italien am Mittwoch Empörung aus. «Libysche Geheimdienstberichte sagen, dass Boote mit Terroristen des Islamischen Staats kommen, jetzt wurde in meinem Mailand ein Nordafrikaner wegen Beteiligung an dem Massaker in Tunesien festgenommen», sagte der Chef der ausländerfeindlichen Lega Nord, Matteo Salvini. «Schliesst die Grenzen, bevor es zu spät ist», forderte er.

21 Touristen getötet

Italiens Regierungschef Matteo Renzi dankte der Polizei für den Einsatz. Allerdings wurden Forderungen laut, er solle sich im Parlament äussern. Innenminister Angelino Alfano sah sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Die rechte Politikerin Daniela Santanchè aus der Partei Forza Italia des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi warf der Regierung vor, Italien zu einer «Drehscheibe für Terroristen» gemacht zu haben.

Zwei bewaffnete Männer hatten am 18. März das Nationalmuseum in Tunis angegriffen und dabei 21 Touristen aus Australien, Belgien, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kolumbien, Polen, Russland und Spanien sowie einen tunesischen Polizisten getötet. Zunächst schossen sie vor dem Gebäude auf die Touristen, später nahmen sie im Gebäude Geiseln. Erst nach mehreren Stunden wurden die beiden Bewaffneten erschossen.

Obwohl die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sich zu dem Anschlag bekannte, macht die tunesische Regierung die mit dem rivalisierenden Al-Qaida-Netzwerk verbündete Brigade Okba Ibn Nafaa verantwortlich. Deren Chef, den als Drahtzieher des Anschlags verdächtigten Algerier Lokmane Abou Sakhr, töteten tunesische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben am 29. März zusammen mit acht weiteren bewaffneten Kämpfern.

AFP/pst

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