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Al-Shabaab-Miliz probte Anschlag in Nairobi

Detaillierte Baupläne und versteckte Waffen: Während Wochen sollen die Extremisten die Attacke auf das Westgate-Zentrum in Nairobi geplant haben. Offenbar haben sie den Überfall vorher sogar einmal durchgespielt.

Fünf weitere Angreifer wurden getötet: Soldaten auf einem Zwischendach des Einkaufszentrums. (24. September 2013)
Fünf weitere Angreifer wurden getötet: Soldaten auf einem Zwischendach des Einkaufszentrums. (24. September 2013)
Reuters
Wir haben unsere Gegner gedemütigt: Kenias Präsident Uhuru Kenyatta sieht mitgenommen aus. (24. September 2013)
Wir haben unsere Gegner gedemütigt: Kenias Präsident Uhuru Kenyatta sieht mitgenommen aus. (24. September 2013)
Reuters
Rund 18 Bewaffnete sollen an dem Überfall beteiligt gewesen sein: Ein Soldat sichert das Gelände vor dem Einkaufszentrum. (21. September 2013)
Rund 18 Bewaffnete sollen an dem Überfall beteiligt gewesen sein: Ein Soldat sichert das Gelände vor dem Einkaufszentrum. (21. September 2013)
AP Photo/ Jason Straziuso
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Wie aus dem Nichts tauchten die Kämpfer der Al-Shabaab-Miliz am vergangenen Samstag im Westgate-Zentrum in Nairobi auf – sie schossen mit Waffen um sich und bewarfen Menschen mit Granaten. Ein Bericht der «New York Times» liefert nun die Erklärung dafür, wie 10 bis 15 Extremisten ungehindert in das Einkaufszentrum eindringen und es vier Tage in Beschlag nehmen konnten. «Die Attacke ist seit Wochen oder gar Monaten akribisch vorbereitet worden», zitiert die Zeitung US-Behördenquellen, die namentlich nicht genannt werden wollen.

Den Angaben zufolge hat eine Gruppe von Strategen der Al-Shabaab-Miliz sorgfältig das Westgate-Zentrum in Nairobi als Ziel ausgesucht. Die Baupläne des Einkaufszentrums seien bis hin zu den Lüftungsschächten durchforstet worden. Danach sei ein Team von englischsprachigen ausländischen Kämpfern rekrutiert worden. Diese hätten den Angriff laut US-Angaben im Vorfeld sogar einmal durchgespielt. Die Kämpfer von Somalia ins Nachbarland einzuschleusen, sei ein Leichtes gewesen, da die Grenzwächter unterbezahlt und korrupt seien.

Elf Verdächtige festgenommen

Offenbar waren die Angreifer bereits mehrere Tage vor der Attacke in Nairobi. Laut dem Bericht versteckte die Al-Shabaab-Miliz ein oder zwei Tage vor dem Überfall Maschinengewehre und Kleidung zum Wechseln im Einkaufszentrum – ungehindert von den dortigen Sicherheitskräften. Ein Mitarbeiter der Mall soll dabei behilflich gewesen sein. Aufgrund der deponierten Kleider konnten einige der Kämpfer nach dem Angriff unbemerkt fliehen.

Offiziell hat Präsident Kenyatta die Geiselnahme gestern Abend für beendet erklärt. Elf Verdächtige wurden festgenommen. Doch die Lage in der Westgate Mall ist noch immer undurchsichtig. Denn auch heute waren in dem Einkaufszentrum noch Schüsse zu hören. Regierungssprecher Esipisu sagte, kenianische Elitesoldaten gingen durch die Mall und feuerten dabei.

Opferzahl unklar

Auch die genaue Opferzahl ist unklar. Möglicherweise liegt sie bei weit mehr als 100 Toten. Die Angreifer der somalischen Al-Shabaab-Miliz erklärten heute, alle 137 Geiseln seien beim teilweisen Einsturz des Gebäudes unter den Trümmern begraben worden. Offiziell bestätigt wurden bislang 72 Todesopfer. Doch auch die Behörden schliessen weitere Opfern nicht aus.

In einer Mitteilung über einen der al-Shabaab zugerechneten Twitter-Account hiess es, die kenianischen Sicherheitskräfte hätten zur Beendigung der Besetzung Gas eingesetzt, weil es ihnen anders nicht gelungen sei, die Kämpfer in der Mall zu besiegen. Um dieses «Verbrechen» zu vertuschen, hätten sie anschliessend das Gebäude mit Sprengstoff zerstört. Herabstürzende Trümmer hätten alle 137 Geiseln begraben, hiess es weiter in dem Tweet.

Wilde Beschuldigungen

Esipisu widersprach dem umgehend: «Al-Shaabab ist bekannt für seine wilden Beschuldigungen und an dem, was sie sagen, ist absolut nichts Wahres dran.» Es seien keine Chemiewaffen eingesetzt worden. Drei Stockwerke des Gebäudes seien wegen statischer Probleme des Gebäudes eingestürzt, nachdem die Angreifer ein Feuer gelegt hätten.

Angehörige der Miliz hatten die Mall am Samstagmittag überfallen und sich dort vier Tage lang verschanzt. Die al-Shabaab bezeichnete die Tat als Vergeltungsakt für den Einsatz kenianischer Soldaten in Somalia seit 2011.

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