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Ägyptischer Minister tritt aus Protest gegen Gewalt zurück

Polizisten und Demonstranten haben sich in Kairo den dritten Tag in Folge Strassenschlachten geliefert. Die neuerlichen Unruhen haben bereits zwanzig Tote gefordert. Nun verlässt der erste Politiker die Regierung.

Nicht nur die Soldaten, auch mehrere Demonstranten gebärden sich aggressiv: Maskierter Jugendlicher in Kairo. (20. Dezember 2011)
Nicht nur die Soldaten, auch mehrere Demonstranten gebärden sich aggressiv: Maskierter Jugendlicher in Kairo. (20. Dezember 2011)
Keystone
Schwere Vorwürfe: Adel Emara vom Militärrat spricht von Anschlagsplänen der Demonstranten.
Schwere Vorwürfe: Adel Emara vom Militärrat spricht von Anschlagsplänen der Demonstranten.
Keystone
Mindestens vier Menschen kamen durch Schussverletzungen ums Leben. (20. November 2011)
Mindestens vier Menschen kamen durch Schussverletzungen ums Leben. (20. November 2011)
Amr Abdallah Dalsh, Reuters
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Am dritten Tag der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Ägypten ist die Zahl der Toten auf 24 angestiegen. Allein am Montag seien neun Menschen ums Leben gekommen, sagte ein Mitarbeiter eines Leichenschauhauses. Die meisten Todesopfer seien rund um den Tahrir-Platz in Kairo zu beklagen gewesen. Bei einem Polizeieinsatz auf der Sinai-Halbinsel wurde unterdessen ein Beamter getötet.

Am Montag kam es erneut zu Auseinandersetzungen auf dem zentralen Platz in der ägyptischen Hauptstadt. Etwa 3000 Aktivisten standen Hunderten Polizisten gegenüber, die Tränengas und Gummigeschosse abfeuerten. Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine und Brandsätze auf die Beamten. Zu Zusammenstössen kam es auch vor dem nahegelegenen Innenministerium.

Das ägyptische Gesundheitsministerium erklärte am Montag, rund 1750 Menschen seien seit Beginn der Unruhen am Samstag verletzt worden. Das Ministerium machte keine Angaben dazu, ob es sich bei den Opfern um Demonstranten handelte, oder ob auch Sicherheitskräfte darunter waren.

Kulturminister tritt zurück

Wegen der Reaktion der ägyptischen Führung auf die Proteste gegen die Macht des Militärs ist der Kulturminister des Landes zurückgetreten. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

Emad Abu Ghasi habe beim Obersten Militärrat seinen Rücktritt eingereicht, um gegen den «Umgang der Regierung mit den jüngsten Ereignissen auf dem Tahrir-Platz» in Kairo zu protestieren. Er werde diese Entscheidung auch nicht wieder rückgängig machen, sagte er demnach. Mena zufolge reichte er sein Gesuch bereits am Sonntagabend ein.

Demonstranten fordern Machtübergabe an zivile Regierung

Die Demonstranten verlangen eine rasche Übergabe der Macht an eine zivile Regierung. Die Streitkräfte haben angedeutet, sich Ende 2012 oder Anfang 2013 aus der Regierung zurückzuziehen. Die Aktivisten fordern jedoch ein genaues Datum. Eine wachsende Zahl verlangt einen umgehenden Rücktritt des regierenden Militärrats zugunsten einer zivilen Übergangsregierung.

Bei einer Razzia gegen eine dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe stehende Gruppe wurde nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums am Montag ein Polizist getötet und ein weiterer verletzt. Die Beamten hätten zwei mutmassliche Sprengstoffexperten der Organisation in der Ortschaft al-Arish auf der Sinai-Halbinsel festnehmen wollen, als Bewaffnete das Feuer auf sie eröffnet hätten, hiess es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

Die beiden Verdächtigen seien entkommen, aber ein dritter Mann habe festgenommen werden können. Die Gruppe soll für mehrere Angriffe auf die ägyptische Polizei und Anschläge auf eine Gaspipeline nach Israel und Jordanien verantwortlich sein.

SDA/ AFP/ dapd/miw, jak

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