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Abschied von Israels «Königsmacher»

Über 700'000 Menschen haben in Jerusalem dem verstorbenen Rabbiner Ovadia Jossef die letzte Ehre erwiesen. Der Gründer der ultraorthodoxen Shas-Partei galt als «Königsmacher» in der israelischen Politik.

Über zehn Prozent der israelischen Bevölkerung versammelten sich: Trauerzug in Jerusalem. (7. Oktober 2013)
Über zehn Prozent der israelischen Bevölkerung versammelten sich: Trauerzug in Jerusalem. (7. Oktober 2013)
Reuters
Der Gründer der Shas-Partei galt als Königsmacher in der israelischen Poilitik: Rabbi Ovaida Jossef. (11. Dezember 2011)
Der Gründer der Shas-Partei galt als Königsmacher in der israelischen Poilitik: Rabbi Ovaida Jossef. (11. Dezember 2011)
AFP
Im Gedränge wurden über 150 Menschen leicht verletzt: Trauerzug in Jerusalem. (7. Oktober 2013)
Im Gedränge wurden über 150 Menschen leicht verletzt: Trauerzug in Jerusalem. (7. Oktober 2013)
AFP
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Der Rabbiner Ovadia Jossef, der einflussreichste Geistliche Israels, ist im Alter von 93 Jahren gestorben. An der Beerdigung des langjährigen Grossrabbiners und Gründers der ultraorthodoxen Shas-Partei nahmen am Abend in Jerusalem mehr als 700'000 Menschen teil. Das sind über zehn Prozent der rund sechs Millionen Israelis. Die Polizei sprach vom «grössten Begräbnis» in der Geschichte des Landes. Bei einem Gedränge während des Trauerzugs wurden mehr als 150 Menschen leicht verletzt.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kondolierte der Familie und den Anhängern des sephardischen Rabbiners mit den Worten, er sei «tieftraurig über den Verlust eines der weisesten Menschen dieser Generation». Er habe «seine Warmherzigkeit und Direktheit immer geschätzt und aus jeder unserer Begegnungen gelernt».

Abbas kondoliert

Präsident Shimon Peres unterbrach spontan ein Treffen mit dem tschechischen Staatschef Milos Zeman, um sich an Jossefs Sterbebett im Jerusalemer Vorort Ein Kerem zu begeben. Unter Tränen gab der politische Vorsitzende der Shas-Partei, Aryeh Deri, den Radiosendern Interviews. «Wir sind alleine ohne ihn, er war unser Vater», sagte er.

Auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas nutzte den Besuch von Knesset-Abgeordneten in Ramallah, um sein Beileid auszudrücken. Zu Beginn der 2000er Jahre hatte Jossef für einen Eklat gesorgt, als er Palästinenser und Araber als «Ameisen» oder «Schlangen» bezeichnete. Während er sich zu Beginn der 80er Jahre für territoriale Zugeständnisse an Palästinenser ausgesprochen hatte, bezog er in den vergangenen Jahren zunehmend nationalistischere Positionen. Für seine Kritiker war Josef wegen seiner zum Teil extremen Ansichten «Israels Ayatollah» und ein Rassist.

Herz- und Atemprobleme

Der Geistliche war seit Ende September aufgrund akuter Herz- und Atemprobleme in der Hadassa-Ein-Kerem-Klinik behandelt worden. Sein Gesundheitszustand hatte sich nach einer kurzzeitigen Erholung wieder rapide verschlechtert. Hunderte Anhänger versammelten sich betend und schluchzend vor seinem Wohnhaus im ultraorthodoxen Stadtviertel Har Nof im Norden Jerusalems. Auf dem benachbarten Friedhof Sanhedria wurde der Verstorbene am beigesetzt.

Schon am Nachmittag machten sich tausende Ultraorthodoxe auf den Weg dorthin. Zuvor fand im Beisein der Führung des Landes eine Trauerfeier in der Talmudschule statt, in der Jossef bis zu seinem 20. Lebensjahr zum Rabbiner ausgebildet worden war.

«Königsmacher» in der Politik

Der Einfluss des im Irak geborenen Rabbi Jossef, sephardischer Oberrabbiner von 1973 bis 1983, beschränkte sich nicht auf die Glaubensgemeinschaft der strenggläubigen Sepharden, die von der iberischen Halbinsel sowie aus Nordafrika und Asien nach Israel eingewandert sind. Da die Shas-Partei zur Bildung der meisten israelischen Regierungskoalitionen benötigt wurde, galt Jossef als der «Königsmacher» in der israelischen Politik, von dem in den letzten drei Jahrzehnten häufig die Wahl des Ministerpräsidenten abhing.

Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit empfing der Rabbiner, dessen Sohn Jizhak Ende Juli zum sephardischen Grossrabbiner gewählt wurde, auch in den letzten Jahren regelmässig die Spitzenpolitiker aller Lager. Bei den jüngsten israelischen Parlamentswahlen hatte die Shas elf der 120 Knessetsitze erhalten, musste aber erstmals seit vielen Jahren auf den Oppositionsbänken Platz nehmen.

AFP/ami

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