Jet abgeschossen – Israel greift Ziele in Syrien an

Israel spricht von der «schwersten Verletzung» seiner Souveränität seit Jahren durch eine angeblich iranische Drohne.

Die Piloten des F-16-Kampfjets konnten sich mit dem Schleudersitz über israelischem Territorium retten. Video: Tamedia/AFP

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Das israelische Militär hat am Samstagmorgen nach Angaben eines Armeesprechers einen «grossangelegten Angriff» auf iranische und syrische Stellungen in Syrien ausgeführt. Die Armee sei «bereit für verschiedene Szenarien», die Aktion sei noch im Gange, wurde seitens der Armee am Vormittag betont. Zwölf Ziele seien angegriffen worden, darunter seien «drei syrische Luftabwehrsysteme und vier iranische» getroffen worden. Es wurde ein Trailer beschossen, von dem aus eine iranische Drohne Richtung Israel losgeschickt worden sein soll.

Zuvor war um 4.30 Uhr eine iranische Drohne über israelischem Luftraum abgeschossen worden. Dies geschah in Beit Shean, das südlich des Sees Genezareth liegt – also Dutzende Kilometer weg von der syrischen Grenze. Die Drohne soll nahe Palmyra in Syrien losgeschickt worden sein. «Das ist die schwerste Verletzung der israelischen Souveränität seit Jahren» sagte ein Armeesprecher und sprach explizit von einem «Angriff» Irans. «Syrien und der Iran spielen mit dem Feuer.»

Die syrische Armee reagierte mit Luftabwehrraketen. Ein israelischer F-16-Kampfjet wurde abgeschossen. Die Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz über israelischem Territorium retten. Einer von ihnen wurde schwer verletzt, beide wurden ins Krankenhaus in Haifa eingeliefert.

Ziele nahe Damaskus angegriffen

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Grossbritannien soll Israel Ziele in der Mitte Syriens und südwestlich der Hauptstadt Damaskus in zwei separaten Wellen angegriffen haben.

Syrische Luftabwehrraketen haben einen F-16-Kampfjet getroffen. (Video: Reuters)

Nicht kommentieren wollte die Armee, ob es eine Reaktion Russlands gebe. Russland ist der Verbündete von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Laut Medienberichten waren vergangene Woche ranghohe Vertreter Russlands in Israel und zuvor Israels Premier Benjamin Netanyahu in Moskau bei Präsident Wladimir Putin. Die Russen sollen auf Israel eingewirkt haben, auf weitere Militärschläge zu verzichten.

Premierminister Benjamin Netanyahu war in die Aktionen eingebunden und verfolgte sie live, die Mitglieder des Sicherheitskabinetts wurden ebenfalls informiert. Vergangenen Dienstag haben sie den Golan besucht, weil sich die Spannungen an der Grenze zu Syrien in den vergangenen Wochen verschärft haben.

Ein neuer gefährlicher Punkt

Mit dem Abschuss des Jets und der Drohne haben die Auseinandersetzungen zwischen Israel und Syrien einen neuen gefährlichen Punkt erreicht. Zuletzt hatte Israel mit Raketen am Mittwoch ein Forschungslabor im Ort Dschamaraja in der Nähe von Damaskus angegriffen – dies zum mindestens zweiten Mal. Im Dezember griff die israelische Armee bereits das Gelände an, weil es ein als Forschungseinrichtung getarntes Waffendepot der Regierung sein soll. Bereits 2013 wurde das Labor bombardiert.

Insgesamt soll Israel mehr als einhundert Angriffe in den vergangenen eineinhalb Jahren auf syrisches Gebiet durchgeführt haben, teils mit Raketen, teils mit Kampfflugzeugen. Ziel waren unter anderem Waffenlieferungen, die für die von Iran aus gesteuerte Hisbollah-Milizen in Syrien und im Libanon bestimmt waren. Israel fürchtet, dass Iran in der Region massiv aufrüstet und die Sicherheit des Landes bedroht.

Iran ist ein erbitterter Feind Israels und unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Bürgerkkrieg direkt und indirekt über die Hisbollah-Milizen im Libanon.

Die israelische Regierung fürchtet, das iranische Regime könnte Syrien für Angriffe nutzen oder einen Landkorridor in den Libanon schaffen, um die Hizbollah leichter mit Waffen zu versorgen.

Armeesprecher Manelis machte Iran unmittelbar für den jüngsten Zwischenfall verantwortlich. «Dies ist eine ernsthafte Attacke auf israelischem Gebiet», sagte er. «Iran zieht die Region in ein Abenteuer, dessen Ende es nicht kennt. Wer immer für diesen Vorfall verantwortlich ist, wird einen Preis zahlen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2018, 10:46 Uhr

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