Flüchtlinge ins Meer getrieben – Dutzende Tote

Menschenschmuggler treiben vor der Küste des Jemen Menschen ins Meer. Experten warnen vor einem grausamen neuen Trend.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat am Strand des Jemen 29 Leichen in flachen Gräbern entdeckt: Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. (Archivbild)

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat am Strand des Jemen 29 Leichen in flachen Gräbern entdeckt: Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. (Archivbild) Bild: Saleh al-Obeidi/AFP

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Schlepper haben nach Angaben der IOM heute erneut Dutzende Flüchtlinge vor der Küste des Jemen ins Meer gestossen. Wie die Internationale Organisation für Migration mitteilte, kamen dabei mindestens fünf afrikanische Flüchtlinge ums Leben, 50 weitere würden vermisst.

Es handelte sich bereits um das zweite Drama dieser Art innerhalb von 24 Stunden – erst am Mittwoch waren nach Angaben der IOM mindestens 29 Flüchtlinge ertrunken, nachdem die Schlepper sie vor der Küste des Jemen ins Meer gestossen hatten. Viele Flüchtlinge versuchen, vom Horn von Afrika über den Jemen in andere Golfstaaten zu gelangen.

Neuer Trend

Überlebende hätten berichtet, dass der Schlepper sie ins Wasser gestossen habe, als er an der Küste Behördenmitarbeiter entdeckte, teilte die IOM mit. Er habe sich dann auf den Rückweg nach Somalia gemacht, um auf derselben Route mehr Flüchtlinge an die jemenitische Küste zu bringen. Die Tat sei «schockierend und unmenschlich», sagte Laurent de Boeck, Leiter der IOM-Mission im Jemen.

«Das ist vielleicht der Beginn eines neuen Trends», sagte IOM-Sprecherin Olivia Headon der Nachrichtenagentur Reuters. Die Schmuggler wüssten, dass die Situation gefährlich für sie sei und auf sie geschossen werden könnte. Also würden sie sie in der Nähe der Küste aussetzen.

Bürgerkrieg im Jemen

Im Jemen kämpfen seit Jahren schiitische Huthi-Rebellen, die Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh die Treue halten, gegen Truppen der sunnitischen Regierung. Der Bürgerkrieg hat das bitterarme Land auf der arabischen Halbinsel in eine schwere Krise gestürzt. Dennoch kamen nach IOM-Schätzungen bisher rund 55'000 Flüchtlinge und Migranten vom Horn von Afrika über das Rote Meer und den Golf von Aden. Teils hoffen sie auf Arbeit in den wohlhabenden Golfstaaten, teils flüchten sie vor Konflikten in ihren Heimatländern. (chk/sep/sda/afp)

Erstellt: 10.08.2017, 05:39 Uhr

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