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600 Einschlagskrater in Anadan

Die syrische Armee hat ihren erwarteten Grossangriff gegen Stellungen der Rebellen in der Wirtschaftsmetropole Aleppo begonnen. Amnesty International hat Satellitenbilder von der Region veröffentlicht.

Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen: Rauch steigt über beschädigten Häusern in Aleppo auf. (3. Oktober 2012)
Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen: Rauch steigt über beschädigten Häusern in Aleppo auf. (3. Oktober 2012)
AFP
Zwei bis drei Detonationen: Stark beschädigtes Gebäude nach Bombenexplosionen in Aleppo. (Bild von der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht) (3. Oktober 2012)
Zwei bis drei Detonationen: Stark beschädigtes Gebäude nach Bombenexplosionen in Aleppo. (Bild von der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht) (3. Oktober 2012)
Keystone
Unter Beschuss: Ein beschädigtes Gebäude in Aleppo. (24. Juli 2012)
Unter Beschuss: Ein beschädigtes Gebäude in Aleppo. (24. Juli 2012)
Keystone
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Die syrische Armee hat offenbar ihre lange angekündigte Bodenoffensive gegen die Rebellen in der Stadt Aleppo begonnen. Die Armee drang mit Panzern in den Stadtteil Salaheddin ein, der bislang als Hochburg der Aufständischen galt. Nach Angaben von Regierungsseite gelang es der Armee, weite Teile des Viertels zu erobern, was aber von den Aufständischen dementiert wurde. Das Militär dringe «von Westen nach Osten» in den Stadtteil Salaheddin ein, «um ihn in zwei Hälften zu teilen», sagte ein Beamter der Sicherheitsbehörden in Damaskus. Ziel der Armee sei es, anschliessend das Viertel Saif al-Daula zu erobern. Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete später, die Armee habe die Kontrolle über Salaheddin errungen. Viele «Terroristen» seien getötet oder verhaftet worden.

«Die Regierungstruppen sind in die Strasse Al Malaab mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen vorgerückt und in dem Bezirk finden nun heftige Gefechte statt», zitierte der libanesische Fernsehsender al-Manar den Kommandeur der Freien Syrischen Armee, Wassel Ajub, auf seiner Website. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, Regierungstruppen hätten das Viertel nach heftigem Bombardement gestürmt. Auch andere Viertel Aleppos stünden unter Beschuss. Am Montag seien schätzungsweise 130 Menschen ums Leben gekommen, darunter 65 Zivilisten, hiess es auf der Website der Aktivisten.

20'000 Assad-Soldaten um Aleppo

Der Angriff erfolgte einen Tag nachdem sich Präsident Bashar al-Assad zum ersten Mal seit zwei Wochen im Staatsfernsehen gezeigt hatte. Assad sagte laut Sana, seine Regierung sei «entschlossen, das Land von den Terroristen zu säubern und den Terrorismus ohne Einhalt zu bekämpfen». In den vergangenen Tagen hatte die Regierung an die 20'000 Soldaten um Aleppo zusammengezogen, denen etwa 6000 bis 8000 Rebellen gegenüberstehen.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sind neben Salaheddin auch die Viertel Kartaji, Tarik al-Bab und Shaar weiter heftig umkämpft. Aktivisten vor Ort berichteten zudem über Gefechte in den Vierteln al-Kalassa, Sukari, Bustan al-Kasr und Fardoss.

Am Morgen wurden in und um Aleppo laut der Beobachtungsstelle 22 Menschen, darunter mindestens eine Frau und ihre zwei Kinder, getötet, als eine Rakete in ein Haus einschlug. Gestern waren in Syrien demnach landesweit 225 Menschen getötet worden, darunter 129 Zivilisten.

Amnesty droht mit juristischer Verfolgung

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz von schweren Waffen in den Wohngebieten von Aleppo. Die Organisation veröffentlichte in ihrem jüngsten Bericht Satellitenbilder von einer kleinen Stadt nördlich von Aleppo, die 600 Einschlagskrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen.

«Amnesty International warnt die Konfliktparteien: Alle Angriffe auf die Bevölkerung werden genauestens dokumentiert, sodass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können», sagte der Amnesty-Experte Christoph Koettl, der die Satellitenbilder auswertete.

Rebellen: Russischer General getötet

Heute teilte eine Rebellengruppe mit, einen russischen General getötet zu haben, der für das syrische Verteidigungsministerium im Einsatz gewesen sein soll. Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt ein Video von der Gruppe, die im Juli bereits die Verantwortung für die Tötung von vier Militärs der Regierung von Präsident Bashar al-Assad übernommen hatte.

In der Videoerklärung gaben die Rebellen den Namen des russischen Generals mit Wladimir Petrovich Kochyev an. Sie zeigten zudem ein Papier, bei dem es sich um eine Kopie des Ausweises des Mannes handeln soll.

Moskau: General lebt

Russland hat Berichte zurückgewiesen. In Syrien sei kein russischer General von Aufständischen getötet worden. Der von den Rebellen für tot erklärte General Wladimir Kochyev sei in Moskau im Verteidigungsministerium mit Journalisten zusammengekommen, berichteten russische Nachrichtenagenturen. Die Agentur Itar-Tass zitierte Kochyev mit den Worten: «Ich kann bestätigen, dass ich am Leben bin und es mir gut geht.» Das Ministerium nannte Berichte eine Lüge, wonach ein russischer Militärberater in Syrien umgekommen sei.

Russland hat mehrere Hundert Soldaten in Syrien stationiert, wo es unter anderem einen Marinestützpunkt unterhält. Die Regierung in Moskau ist einer der wichtigsten Verbündeten Syriens.

Nächtlicher Flüchtlingsstrom aus Syrien

Auf der Flucht vor der eskalierenden Gewalt in Syrien haben einem Medienbericht zufolge in der Nacht auf Mittwoch rund 2400 Syrer die Grenze zur Türkei überquert. Unter den Flüchtlingen seien zwei Generäle und zwei Oberste, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Angesichts der Kämpfe um die Wirtschaftsmetropole Aleppo hat die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei in den vergangenen zwei Tagen deutlich zugenommen. Die Behörden berichteten allein am Dienstag von 1328 Flüchtlingen, die in der Türkei eingetroffen seien. Insgesamt haben bislang rund 50'000 Syrer im türkischen Nachbarland Zuflucht gefunden.

sda/AFP/dapd/rub/mw

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