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100 türkische Panzer rollen über die syrische Grenze

Nach dem Ende der Belagerung Kobanes überschreiten 600 türkische Soldaten ganz in der Nähe die Grenze, um Wachsoldaten in Sicherheit zu bringen. Damaskus ist empört.

Gerüchte, dass die Wachsoldaten in Gefahr seien: Fahrzeuge der türkischen Armee in einer Strasse der syrischen Stadt Kobane. (21. Februar 2015)
Gerüchte, dass die Wachsoldaten in Gefahr seien: Fahrzeuge der türkischen Armee in einer Strasse der syrischen Stadt Kobane. (21. Februar 2015)
AFP

Türkische Truppen sind in der Nacht zum Sonntag über die Grenze nach Syrien vorgedrungen, um die belagerten Wachsoldaten vor einem osmanischen Grab in der Nähe von Kobane zu evakuieren. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bezeichnete den Einsatz von 600 Soldaten mit Panzern als Mission «zum Schutz unserer spirituellen Werte» und der Wachsoldaten vor dem Mausoleum von Süleyman Shah, das eine türkische Exklave am Euphrat in Syrien war.

Die Regierung in Damaskus reagierte empört: In einer einzeiligen Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Sana verurteilte sie den Einmarsch als «eklatante Aggression»der Türkei.

Video: Reuters

Davutoglu sagte, eine Abteilung sei zu dem Grab 35 Kilometer jenseits der Grenze am Euphrat vorgerückt. Das Mausoleum wurde von 40 Soldaten bewacht. Die Gruft, in der der Grossvater des Gründers des Osmanischen Reichs Osman I. bestattet ist, sei nach der Räumung zerstört worden. Nach Angaben des Präsidialamts besetzte eine andere Abteilung ein Gebiet 200 Meter jenseits der Grenze in der syrischen Region Aschma.

Ein Soldat umgekommen

Davutoglu zufolge wurde die türkische Flagge auf dem Mausoleum erst eingeholt, nachdem sie «an einer anderen Stelle in Syrien zu wehen begann». Die Streitkräfte teilten mit, ein Soldat sei bei der Operation bei einem Unfall auf dem Weg zum Grab umgekommen. Details wurden nicht genannt. Drohnen und Aufklärungsflugzeuge hätten den Einsatz der Bodentruppen begleitet, sagte Davutoglu.

Das Grab von Süleyman Shah war eine türkische Exklave in der umkämpften Provinz Aleppo nahe der Stadt Kobane. Die türkischen Hoheitsrechte daran waren 1921 in einem Vertrag mit Frankreich, der damaligen Kolonialmacht in Syrien, verankert worden. Allerdings war der geräumte Standort nicht das ursprüngliche Grab Süleyman Shahs. In den 1970er Jahren wurde es von einem Schloss weiter südlich in Syrien nach dort verlegt, weil es sonst von einem Stausee überflutet worden wäre.

Gerüchte über Belagerung des Grabs

In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Gerüchte gegeben, Kämpfer des Islamischen Staats hätten das Grab mit den türkischen Wachsoldaten belagert. Mit einer 1200 Kilometer langen Grenze mit Syrien könnte die Türkei eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Terrormiliz übernehmen. Ankara hat das mit der Begründung verweigert, die Nato müsse dann zugleich gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vorgehen.

Aus dem Kampf der kurdischen Verteidiger von Kobane hatte sich die Türkei weitgehend herausgehalten – auch weil sie die Kämpfer der syrischen Kurden als Verbündete der von ihr und Nato als Terrorgruppe eingestuften Kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet. Die PKK führte 30 Jahre lang einen Untergrundkrieg gegen die Türkei.

SDA/rar

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