Wilde Ehe im Schloss Bellevue

Daniela Schadt ist mehr als die Frau an der Seite von Joachim Gauck. Die 52-Jährige ist ein Medienprofi und im Vergleich zu Bettina Wulff ein politisch denkender Mensch.

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Manchmal geht es ganz schnell im Leben, von einem Moment auf den anderen ist alles anders. So ist es am Sonntagabend nicht nur Joachim Gauck ergangen, der neuer Bundespräsident Deutschlands werden soll, sondern auch seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Die 52-Jährige aus Hessen war mit Leib und Seele Journalistin. Sie arbeitet seit einem Vierteljahrhundert bei der «Nürnberger Zeitung» und leitet dort das Ressort Innenpolitik. Dass das innenpolitisch wichtigste Thema des Wochenendes sie persönlich betreffen würde, überraschte sie genau wie ihren Partner.

Das künftige Präsidentenpaar ist seit etwa zwölf Jahren liiert. Joachim Gauck und Daniela Schadt sind aber nicht verheiratet, und sie leben auch nicht zusammen. Bisher haben sie eine Wochenendbeziehung geführt, pendelten zwischen Berlin und Nürnberg hin und her. Vor der knapp verlorenen Bundespräsidentenwahl 2010 hatte das Paar erwogen, aus der «wilden Ehe» eine richtige Ehe zu machen. Zu einer möglichen Ehe mit Schadt sagte Gauck damals: «Schnelle Heirat ist ausgeschlossen, spätere nicht unbedingt.» Allerdings liess Gauck sich bis heute nicht von seiner Ehefrau scheiden. Von dieser, mit der er vier erwachsene Kinder hat, lebt der Theologe seit 1991 getrennt. Schadt selbst war noch nicht verheiratet, sie ist auch kinderlos.

Werden sie jetzt heiraten?

In den deutschen Medien wird bereits über eine Heirat spekuliert. «Heiratet Gauck jetzt seine First Lady?» fragte zum Beispiel die «Bild». In konservativen Kreisen wird dies auch erwartet. So hat der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis den designierten Bundespräsidenten dazu aufgefordert, seine Lebensverhältnisse in Ordnung zu bringen. «Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird», sagte Geis.

Über die künftige First Lady Deutschlands ist nur Gutes zu vernehmen. Ihre Kollegen schildern sie als «fröhliche und charmante Frau, die herzlich lachen kann», wie «Spiegel online» schreibt. Daniela Schadt gelte als liberale Konservative, die «keine Scheuklappen hat», auch als «kämpferische und hartnäckige Journalistin». «Wenn ihr ein Thema am Herzen liegt, dann ficht sie es durch», erzählt Raimund Kirch, Chefredakteur der «Nürnberger Zeitung», die als konservatives Blatt gilt, bedauert ihren Abgang aufgrund der neuen Situation: «Wir verlieren eine grossartige Kollegin», sagt Kirch weiter. Die 52-jährige Journalistin wird nach Meinung ihrer Kollegen mehr sein als nur die Frau an Gaucks Seite: Daniela Schadt sei ein politischer Kopf, sie schalte sich gerne in Diskussionen ein.

Sie mag französische Literatur und Fussball

In der zur Etikette einer First Lady zählenden vornehmen Zurückhaltung hat sie sich immerhin in den vergangenen Wochen geübt. So verzichtete sie konsequent in der Skandalserie von Christian Wulff darauf, selbst Kommentare darüber zu schreiben, obwohl sie als wichtigste Kommentatorin der «Nürnberger Zeitung» gilt. Niemand sollte ihr als Partnerin des 2010 unterlegenen Gauck Böses nachsagen können.

Über das Privatleben der 52-Jährigen, die in Frankfurt Germanistik studiert hatte, bevor sie nach Nürnberg zog, ist nicht viel bekannt. Gemäss Medienberichten fährt sie gern Bahn und ist häufig mit dem Fahrrad unterwegs. Sie liest viel und hört klassische Musik. Und sie mag französische Literatur und Fussball. Anders als ihre Vorgängerin Bettina Wulff hat sie kein Bedürfnis nach Glamour. Es wird also kaum Homestorys mit ihr in den Boulevardmedien geben. Mit dem Präsidentenpaar Schadt/Gauck wird im Schloss Bellevue auch ein neuer Stil einziehen.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen afp und dapd.

vin

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