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«Wie lange wird das dauern?»

Frust bei Bürgern, Erleichterung bei Politikern und ein schweigender Präsident: Das Rettungspaket für Zypern wird unterschiedlich aufgenommen. Die Reaktionen.

Zyprioten fragen sich, wie lange die Krise nun noch dauert: Zwei Männer spielen in Limassol Backgammon. (24. März 2013)
Zyprioten fragen sich, wie lange die Krise nun noch dauert: Zwei Männer spielen in Limassol Backgammon. (24. März 2013)
AFP
«Einen katastrophalen Austritt aus der Eurozone vermieden», Zyperns Finanzminister Michalis Sarris an einer Medienkonferenz nach der Einigung. (25. März 2013)
«Einen katastrophalen Austritt aus der Eurozone vermieden», Zyperns Finanzminister Michalis Sarris an einer Medienkonferenz nach der Einigung. (25. März 2013)
Reuters
«Wir glauben, dies wird eine dauerhafte und voll finanzierte Lösung sein»: Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. (25. März 2013)
«Wir glauben, dies wird eine dauerhafte und voll finanzierte Lösung sein»: Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. (25. März 2013)
AFP
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Nach der Zypern-Rettung fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. «Wir haben eine ungeordnete Staatspleite abgewendet, die zu einem Abschied Zyperns von der Euro-Zone geführt hätte – mit unabsehbaren Folgen», sagte Regierungssprecher Christos Stylianides in Brüssel.

«Das ist ein schlechtes Geschäft, doch wir haben mit einem Extremszenario kämpfen müssen, das noch viel schlechter war», sagte der stellvertretende Vorsitzende der konservativen Regierungspartei, Lefteris Christoforou.

«Ein neuer Tag ist für Zypern angebrochen», sagte der frühere Notenbankchef Afxentis Afxentiou. «Ich glaube, dass es mit Zypern in zwei bis drei Jahren wieder bergauf gehen wird.»

Der Präsident schweigt

Präsident Nikos Anastasiadis schwieg dagegen. Er hatte bei den Verhandlungen mit Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfond (IWF) und den Euro-Finanzministern nach Auskunft von EU-Diplomaten zwischenzeitlich mit Rücktritt gedroht, falls beide Grossbanken des Landes als Gegenleistungen für die Zehn-Milliarden-Euro-Hilfe dichtgemacht werden müssten.

Nach der Einigung am frühen Morgen verliess er das EU-Ratsgebäude kommentarlos und überliess seinem Finanzminister alle weiteren Erklärungen. «Wir haben keine Schlacht gewonnen, aber wirklich einen katastrophalen Austritt aus der Eurozone vermieden», zog der zypriotische Finanzminister Michalis Sarris nach dem zehnstündigen Verhandlungsmarathon Bilanz. Eine lange Phase der Ungewissheit und Unsicherheit für die zypriotische Wirtschaft sei beendet worden.

In Nikosia sagte Parlamentspräsident Yiannakis Omirou, der der Opposition angehört, laut dem «Wall Street Journal», die Einigung sei eine «positive» Entwicklung. Das Ergebnis sei aber schmerzlich für das zypriotische Volk, sagte Omirou laut der Nachrichtenagentur AP. Jetzt müsse das Land alles tun, um seine Wirtschaft schnell zu reformieren und die Folgen der Finanzkrise bald zu überwinden.

Skepsis in der Bevölkerung

In der Bevölkerung wird die Vereinbarung skeptisch aufgenommen. «Wie lange wird das dauern?», fragte Georgia Xenophontos, eine 23-jährige Hotel-Rezeptionistin in Nikosia. «Warum sollte irgendjemand dieser Regierung glauben?» Im ersten Anlauf hatte sie eine Zwangsabgabe auf alle Bankeinlagen geplant, was in Zypern ebenso wie im Rest der Euro-Zone auf grossen Protest gestossen war.

Der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden übt derweil Kritik am europäischen Krisenmanagement. «Mich hat das schon gestört, dass wir für jedes Land eine andere Lösung herbeigesucht haben», sagte Frieden im ZDF-«Morgenmagazin». Die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Zypern-Krise in den einzelnen EU-Ländern hätten «die Situation nicht vereinfacht», sagte Frieden etwa mit Blick auf die Diskussion über Geldwäsche und Guthaben russischer Anleger auf der Mittelmeerinsel.

«Wenn wir dorthin gegangen wären und hätten sofort mehr auf den Tisch gelegt, wäre die Situation vielleicht einfacher gewesen», sagte Frieden. Europa müsse daraus lernen, dass es «in der Zukunft etwas schneller, föderaler auch, entscheiden muss». «Die Krise ist noch lange nicht vorbei», warnte Frieden.

Das Rettungspakt für Zypern bezeichnete Frieden als «aussergewöhnlich und einzigartig», auch wenn «die Lösung bei weitem nicht perfekt ist». Aber «eine perfekte Lösung in einer solch schwierigen Situation gibt es nicht». Die Bankeinlagen in allen anderen Ländern Europas seien sicher.

Schäuble erleichtert

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich erleichtert über die Einigung auf ein Rettungspaket für das vom Staatsbankrott bedrohte Zypern gezeigt. «Ich bin froh, dass wir jetzt das erreicht haben, was immer unsere Position war», sagte Schäuble in der Nacht nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Eine Rettung Zyperns sei ohne ein Hinzuziehen der beiden grössten Banken Zyperns nicht möglich.

Zum Hin und Her in der Zypern-Krise sagte Schäuble: «Wir haben sicherlich Zeit verloren, und die Lage hat sich in Zypern nicht verbessert. Das ist bitter auch für Zypern.»

«Wir haben der Ungewissheit ein Ende gemacht, die Zypern und den Euroraum in der vergangenen Woche ergriffen hat», sagte der Chef der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, nachdem die 17 Euro-Finanzminister dem Deal am frühen Morgen zugestimmt hatten. «Diese Lösung ist besser als die von vergangener Woche, weil wir uns jetzt auf die beiden Problembanken konzentrieren», sagte Dijsselbloem in Brüssel. Er sprach jedoch von sehr schwierigen Gesprächen.

Keine Schlacht gewonnen

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, bezeichnete das Rettungsprogramm zur Abwendung des drohenden Staatsbankrotts Zyperns als überzeugend. In Brüssel sei ein «vollständiger und glaubhafter Plan» beschlossen worden, um die wirtschaftlichen Probleme Zyperns anzugehen, erklärte Lagarde. Der Rettungsplan beinhalte eine «klare Strategie» zur Bewältigung des Schuldenproblems, ohne dem zypriotischen Steuerzahler eine «übermässige Last» aufzubürden. Sie werde die Freigabe der IWF-Hilfen daher «in den kommenden Wochen veranlassen», erklärte Lagarde.

EU-Währungskommissar Olli Rehn räumte ein, dass auf die Zyprer schwere Zeiten zukämen: «Die nächste Zukunft wird für das Land und sein Volk sehr schwer werden», sagte er. Die Massnahmen seien aber wichtig, um die zypriotische Wirtschaft auf einem neuen Fundament wieder aufzubauen.

AFP/sda/AP/mw

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