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«Was Guttenberg macht, ist grotesk»

Der Ex-Minister will die Veröffentlichung des Plagiatsberichts der Universität Bayreuth verhindern. Das ärgert die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, von der Theodor zu Guttenberg abgeschrieben hatte.

Plagiatsopfer und falscher Doktor: Klara Obermüller und Karl-Theodor zu Guttenberg.
Plagiatsopfer und falscher Doktor: Klara Obermüller und Karl-Theodor zu Guttenberg.
Keystone

Die Plagiatsaffäre um den früheren deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sorgt wieder für Schlagzeilen. Die Universität Bayreuth wehrt sich gegen eine Aufforderung von Guttenbergs Anwälten, den Prüfbericht zum Plagiatsvorwurf nicht zu veröffentlichen. In der laufenden Debatte meldet sich nun auch Klara Obermüller zu Wort. Die Schweizer Journalistin gehört zu den Plagiatsopfern des CSU-Politikers.

Sie sei absolut der Meinung, dass Guttenberg die Veröffentlichung des Plagiatsberichts der Universität Bayreuth akzeptieren müsse, sagte Obermüller der «Frankfurter Rundschau» (Artikel online nicht verfügbar). «Guttenberg hat ein sehr eigenartiges Krisenmanagement und macht alles falsch. Was er macht, ist grotesk.»

«Das riecht mir stark nach Sonderrecht»

Ein Politiker, der so stark mit der Öffentlichkeit gespielt habe, könne doch nicht plötzlich sagen: Ab jetzt darf kein öffentliches Interesse mehr bestehen. Der Versuch Guttenbergs, die Veröffentlichung des Berichts zu verhindern, «riecht mir stark nach Sonderrecht», sagte Obermüller. «Das gefällt mir nicht, es ist sehr undemokratisch.» Guttenbergs Anwalt befürchtet eine Vorverurteilung durch die Publikation des Berichts.

Nach Ansicht von Obermüller hat der Ex-Minister bei seiner Dissertation vorsätzlich betrogen. «Bei diesem Umfang an Plagiaten kann man nicht sagen, das sei einfach passiert», sagte die bekannte Schweizer Journalistin im Gespräch mit der «Frankfurter Rundschau». Verklagen wolle sie ihn allerdings nicht. Allein bei Obermüller hatte der 39-jährige Guttenberg längere Passagen eines in der «NZZ am Sonntag» erschienenen Leitartikels übernommen, ohne die Quelle anzugeben.

Wissenschaftler fordern Veröffentlichung

Auch führende Wissenschaftler fordern die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zur inzwischen aberkannten Doktorarbeit Guttenbergs. Wer in der Öffentlichkeit Ruhm erfahren habe, müsse auch akzeptieren, dass sein Fehlverhalten öffentlich werde, sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Bernhard Kempen, laut Agenturberichten. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel äusserte die Erwartung, dass Guttenberg in der Plagiatsaffäre «weiterhin zur Aufklärung voll beiträgt».

Wie Wissenschaftler herausgefunden hatten, bestand die an der Universität Bayreuth von Guttenberg abgegebene Dissertation zu grossen Teilen aus fremden Texten, ohne dass der Verfasser dies wie vorgeschrieben als Zitate kenntlich gemacht hatte. Guttenberg erklärte Anfang März wegen anhaltender Kritik im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit seinen Rücktritt und gab auch sein Bundestagsmandat ab.

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