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Vincent und Bruno gehen voran

Als erstes homosexuelles Paar in Frankreich lassen sich am Mittwoch in Montpellier zwei Männer trauen. Die jüngsten Proteste wirken sich jedoch auf die Feier aus.

Sie trauen sich: Vincent und Bruno Boileau vor dem Rathaus in Montpellier. (27. Mai 2013)
Sie trauen sich: Vincent und Bruno Boileau vor dem Rathaus in Montpellier. (27. Mai 2013)

Vincent und Bruno Boileau sind das erste homosexuelle Paar, das sich nach der Einführung der Homo-Ehe in Frankreich trauen lässt - für Schwulenrechtsaktivisten ein historisches Ereignis. Am Mittwoch werden die beiden sich im Rathaus der südfranzösischen Stadt Montpellier das Ja-Wort geben. Anwesend sein werden neben 200 Freunden und Verwandten auch 300 Gäste aus Politik und Gesellschaft sowie 130 Journalisten. Doch in die Vorfreude mischt sich Sorge: Denn radikale Gegner der Homo-Ehe könnten versuchen, Eheschliessungen von Schwulen und Lesben zu sabotieren.

«Unsere Hochzeit ist sehr mediatisiert. Das kann einen schon einschüchtern», sagt Boileau zu der Zeremonie, zu der auch zwei Ministerinnen in Montpellier erwartet werden. «Aber wir versuchen immer, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Was wir wollen, ist die Gleichheit für alle. Dass - egal ob Monsieur oder Madame - jeder im Rathaus seiner Stadt heiraten kann.»

Seit zehn Tagen ist es offiziell

Dass in Frankreich ein Monsieur einen Monsieur und eine Madame eine Madame heiraten kann, ist seit knapp zehn Tagen offiziell: Staatschef François Hollande setzte am 18. Mai mit seiner Unterschrift das Gesetz zur Einführung der «Ehe für alle» in Kraft. Das französische Parlament hatte die hoch umstrittene Reform knapp einen Monat zuvor nach 136 Stunden erbitterter Debatte verabschiedet.

Hollande löste damit eines seiner zentralen Wahlversprechen ein - dass Schwule und Lesben sich das Ehe-Versprechen geben können. Doch er musste einen hohen Preis zahlen für seine erste grosse gesellschaftspolitische Reform, die auch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Ehepaare festschreibt. Nicht nur liefen die konservative Opposition und die katholische Kirche gegen das Vorhaben Sturm, immer wieder gingen auch hunderttausende Homo-Ehe-Gegner auf die Strasse. Zuletzt nahmen am Sonntag laut Polizei 150'000 Menschen an einer Grossdemonstration in Paris teil, die Veranstalter sprachen sogar von mehr als einer Million Demonstranten.

Überschattet wurden die Proteste der vergangenen Monate zunehmend von den Ausschreitungen gewaltbereiter Rechtsextremer - so auch am Sonntag, als 36 Menschen leicht verletzt wurden. Und radikale Homo-Ehe-Gegner wollen ihren Kampf nicht aufgeben. «Die Schlacht fängt gerade erst an. Sie wird bis zum Sieg geführt», erklärte unlängst eine Gruppierung, die sich in Anlehnung an die Freiheitsbewegungen im arabischen Raum Französischer Frühling nennt. Die Demonstrationen der gemässigten Homo-Ehe-Gegner um die Komikerin Frigide Barjot hält der Französische Frühling für wirkungslos und setzt stattdessen auf gewaltsame Aktionen.

Keine Feiern im Freien

Die Behörden sind alarmiert. Innenminister Manuel Valls kündigte am Wochenende eine harte Linie gegen jene an, die Hochzeiten von Schwulen und Lesben stören wollen. «Es wäre nicht zu tolerieren, dass Individuen jene angreifen, die einen wichtigen Schritt in ihrem Leben vollziehen. Wir werden keine Störung der öffentlichen Ordnung dulden.» Die Hochzeiten sollten «ein Moment des Glücks» werden, die Polizei werde «wachsam» sein, versprach der Minister.

Die angespannte Lage wirkt sich auch auf die Hochzeit des 40-jährigen Autin und seines zehn Jahre jüngeren Freundes Boileau am Mittwoch aus. Dem Plan der beiden, nach der Trauung vor dem Rathaus von Montpellier ihren Unterstützern zu danken, erteilten die Behörden eine Absage - keine Feiern im Freien, lautet die Devise, denn radikale Homo-Ehe-Gegner könnten die mediale Bühne zu einem Angriff nutzen. Den Ort, an dem nach der Zeremonie mit rund 100 Gästen gefeiert wird, hält das Paar geheim.

AFP/kle

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