Vier Fehler und ein trauriges Ende

Vom raketenhaften Start bis zum doppelten Wortbruch: Martin Schulz hat innert eines Jahres seine Glaubwürdigkeit zerstört und damit alles verloren.

Schulz verzichtet: Er wird doch nicht Aussenminister.

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Das einjährige Intermezzo von Martin Schulz an der Spitze der deutschen Sozialdemokraten war von Anfang bis Ende ein Missverständnis – freilich eines, an dem viele mitwirkten. Schon die Euphorie, die er zu Anfang weit über die Partei hinaus auslöste, stand auf keinem soliden Grund: Weder war er der Linke, den viele nach einigen linken Tönen in ihm sehen wollten, noch das neue Gesicht, auf das alle angeblich warteten.

Umso grösser war die Enttäuschung, als nach dem raketenhaften Start des «Gott- Kanzlers» einfach nichts mehr kam. Dem Programm des früheren EU- Parlamentspräsidenten fehlte es an Mut, Frische und Fokus, seine behäbigen Auftritte langweilten zusehends. Schulz entpuppte sich als ziemlich mittelmässiger Mitte- Politiker, der sich in der Innenpolitik zu wenig auskannte und dessen Wahlkampf miserabel vorbereitet war. Das Debakel am Wahlabend, als die SPD so tief fiel wie noch nie in ihrer Nachkriegsgeschichte, war die Quittung dafür.

Der Spuk hätte an jenem Abend enden können, wäre Schulz aus eigenen Stücken zurückgetreten. Doch er wollte nun seine Ehre retten, und in der Parteispitze fand sich niemand, der interessiert war, ihn daran zu hindern. Das war der erste Fehler. Um sich zu halten, erklärte Schulz ultimativ, dass die SPD für eine Koalition nicht mehr zur Verfügung stehe und er selber nie in ein Kabinett von Angela Merkel eintreten werde. Das waren die Fehler zwei und drei. Als nach dem unerwarteten Abbruch der Jamaika- Gespräche nur noch die SPD Neuwahlen abwenden konnte, wiederholte er die Weigerung. Das war der gravierendste, weil vermeidbarste Fehler, Nummer vier.

Auf dem Weg zu einer erneuten Grossen Koalition hing der doppelte Wortbruch Schulz und seiner Partei fortan wie ein Mühlstein um den Hals. Seine Glaubwürdigkeit war vollends zerstört, als er glaubte, sich ins Amt des Aussenministers retten zu können, wenn er im Gegenzug bereit war, den Parteivorsitz abzugeben. Diese letzte Volte, wie verständlich sie menschlich auch sein mochte, war eine zu viel. Aus Angst vor dem Unmut der Mitglieder, der sich am Ende gegen eine erneute Regierungsbeteiligung zu richten drohte, zwang die Partei Schulz nun zum Verzicht. Jetzt hat er alles verloren.

Es ist ein bitteres und trauriges Ende für einen Politiker, der nie so gut war, wie seine begeisterten Anhänger meinten, und nie so schlecht wie seine vielen Verächter nun schimpfen. Ein Desaster war und ist dieses Missverständnis nicht nur für Martin Schulz, sondern auch für seine ewig manisch-depressive Partei.

Video: «Es ist ihm nicht leichtgefallen»

Nahles fordert nun ein Ende der Personaldebatte in der SPD. (Video: Tamedia/Reuters) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2018, 15:55 Uhr

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