UNO fordert Hilfe für Flüchtlinge auf der Balkan-Route

Flüchtlinge auf dem Balkan erreichen zu Tausenden die ungarische Grenze. Die UNO fordert schnelle Abhilfe für die prekären Zustände auf der Balkan-Route.

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Tausende erschöpfte Flüchtlinge haben zu Fuss die Grenze zwischen Mazedonien und Serbien überquert. Über das Wochenende bis Montag waren es etwa 10000 Menschen, unter ihnen Frauen, Säuglinge und Kleinkinder. Einige gingen an Krücken, andere wurden in Rollstühlen nach Serbien geschoben. Gleichzeitig kamen Hunderte neue Flüchtlinge aus Griechenland in Mazedonien an.

«Ich bin aus dem Irak. Ich will nach Deutschland», sagte der erschöpfte Ali, der nur seinen Vornamen nennen wollte und auf einem staubigen Feld vor dem Asylzentrum der serbischen Grenzstadt Presevo Schlange stand. Wenn die Ankömmlinge einen formalen Asylantrag stellen, haben sie drei Tage Zeit, Serbien über die ungarische Grenze wieder zu verlassen.

Der Syrer Imad Schumali sagte, er habe nicht nach Europa gewollt, aber keine andere Wahl als die Flucht gehabt. «Sie müssen uns helfen, den Krieg in Syrien zu beenden», sagte er. «Wenn Sie ihn beenden, gehe ich von hier sofort direkt zurück.»

Fast alle wollen weiter nach Mitteleuropa

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afrika und Asien und wollen weder in Griechenland noch in Mazedonien oder Serbien bleiben. Sie möchten ins EU-Mitgliedsland Ungarn und von dort weiter in wohlhabende Staaten wie Deutschland und Schweden. Der Flüchtlingstreck auf dem Balkan ist der grösste seit den Zusammenbruch Jugoslawiens in den 90er-Jahren.

Seit die mazedonischen Behörden die Grenze zu Griechenland wieder geöffnet haben, sind laut UNHCR am Wochenende mehr als 7000 Flüchtlinge in Zügen und Bussen nach Serbien weitergereist. Die Migranten hatten zuvor tagelang im Niemandsland an der griechisch-mazedonischen Grenze festgesessen.

Die mazedonischen Behörden liessen am Montag die Migranten ohne Probleme aus Griechenland einreisen. Das berichteten Augenzeugen vom Eisenbahn-Grenzübergang zwischen Idomeni/Griechenland und Gevgelija/Mazedonien.

Serbien eröffnete ein zweites Aufnahmelager im Grenzort Miratovac. Dort trafen am Montag weitere 2000 Flüchtlinge aus Mazedonien ein. Laut serbischem Staatsfernsehen geben serbische Stellen Dokumente aus, mit denen die Flüchtlinge über Belgrad nach Ungarn und in andere EU-Staaten weiterreisen können.

Der Regierungschef Aleksandar Vucic kritisiert die griechische Regierung. «Es ist schon unglaublich, feststellen zu müssen, dass die Migranten den Boden der EU in Griechenland betreten und dort die Behörden offenbar keine Verpflichtung verspüren, die Flüchtlinge zu registrieren», sagte er. «Viele registrieren wir in Serbien zum ersten Mal, sie erreichen uns von Griechenland über Mazedonien ohne irgendwelche Papiere», ergänzte Vucic und kündigte an, den Flüchtlingen in seinem Land künftig besser zu helfen.

Ungarns Grenzzaun bald fertig

Ungarn baut derzeit einen 175 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Serbien. Die Stacheldrahtanlage soll bis Ende des Monats fertig sein und bis Ende November durch einen drei Meter hohen Maschendrahtzaun ergänzt werden. Ungarn ist für Migranten vor allem eine Durchgangsstation zur Weiterreise gegen Norden.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk appellierte nach den chaotischen Szenen der vergangenen Woche an Griechenland und Mazedonien, dafür zu sorgen, dass der Grenzübertritt Tausender Migranten auf ordentliche Weise erfolgen könne und den Menschen Schutz gewährt werde, wie es in einer am Sonntagabend verbreiteten UNHCR-Erklärung hiess.

Schutz und Hilfe gewähren

Die UNO-Organisation bot zugleich an, in der betroffenen Grenzregion mehr Empfangszentren für Flüchtlinge einzurichten. Sie appellierte an die griechischen Behörden, die Registrierung und Betreuung von Flüchtlingen an der Grenze zu Mazedonien deutlich zu verbessern. Die meisten Menschen, die dort ankommen, hätten zuvor schwer gelitten und bräuchten nun Schutz und Hilfe.

Am Montag kam im Hafen von Piräus in Griechenland eine Fähre mit mehr als 2500 Flüchtlingen an Bord an. Sie waren am Vorabend aus dem überfüllten Hafen des Hauptortes der Insel Lesbos, Mytilini, abgeholt worden. Von Piräus aus wollen sie weiter zur griechisch-mazedonischen Grenze, um in Mazedonien in einen der Züge nach Serbien zu kommen.

Verzweifelte Migranten kommen seit Wochen aus der Türkei nach Griechenland, um von hier nach Westeuropa weiterzufahren. Auf den Inseln kommt es immer wieder zu Schlägereien zwischen Migranten, die versuchen, auf eine der Fähren zum Festland zu kommen.

Flüchtlingsboot kentert vor Lesbos

Vor der griechischen Ostägäisinsel Lesbos kenterte am Montagmorgen ein Flüchtlingsboot mit 15 Menschen an Bord. Die Küstenwache konnte acht Menschen aus den Fluten retten. Zwei Migranten wurde tot geborgen. Weitere fünf Menschen würden vermisst, berichtete das Staatsradio unter Berufung auf die Küstenwache. (ofi/sda)

Erstellt: 24.08.2015, 18:18 Uhr

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