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Unbekannte schänden Hunderte jüdische Gräber

In Frankreich haben antisemitische Angriffe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Jetzt kam es in der Ortschaft Sarre-Union im Osten des Landes zu einem weiteren Fall.

Geschändet: Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof von Sarre-Union. (15. Februar 2015)
Geschändet: Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof von Sarre-Union. (15. Februar 2015)
AFP

Bei einer erneuten antisemitischen Tat in Frankreich sind auf einem jüdischen Friedhof im Osten des Landes mehrere Hundert Gräber geschändet worden. Wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Abend mitteilte, ereignete sich der Vorfall in der Ortschaft Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, die Behörden würden alles tun, um die Verantwortlichen für diese «abscheuliche und barbarische Tat» schnell zu finden und zu bestrafen.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurden etwa drei Viertel der insgesamt 400 Gräber auf dem jüdischen Friedhof in Sarre-Union geschändet. Der Friedhof war bereits in der Vergangenheit Ziel von Grabschändern gewesen. 1988 wurden rund 60 Stelen umgeworfen, im Jahr 2001 wurden 54 Gräber verwüstet.

(Video: Reuters)

Cazeneuve sagte, die Republik werde «diese neue Verletzung der von den Franzosen geteilten Werte nicht tolerieren». Weder Gewalt noch Respektlosigkeit oder von Rassismus und Intoleranz hergeleiteter Hass könnten den Willen der Franzosen, «in Freiheit zusammenzuleben», schwächen. «Wir werden alles tun, um die Verantwortlichen für diese Schande zu finden, festzunehmen und vor Gericht zu stellen», sagte er.

«Frankreich ist entschlossen, zu kämpfen»

Premierminister Manuel Valls verurteilte im Kurzbotschaftendienst Twitter die «antisemitische und schändliche Tat». Auch Hollande verurteilte die Tat laut einer Erklärung des Elysée-Palastes aufs Schärfste. Die Behörden würden alles tun, um so schnell wie möglich die Täter zu finden, erklärte er. «Frankreich ist entschlossen, unablässig gegen Antisemitismus zu kämpfen und gegen diejenigen, die den Werten der Republik schaden wollen.»

Veranstaltung zu Meinungsfreiheit und Islam

Hollande und Cazeneuve hatten zuvor ihre Solidarität mit den Opfern der Attentate von Kopenhagen ausgedrückt. Ein junger Mann hatte dort ein Kulturzentrum und eine Synagoge angegriffen und dabei zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Cazeneuve reiste nach Kopenhagen, Hollande besuchte die dänische Botschaft in Paris.

In dem gestern angegriffenen Kulturzentrum in Kopenhagen fand gerade eine Veranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit und Islam statt – daran nahm auch der schwedische Karikaturist Lars Vilks teil, dessen Karikaturen des Propheten Mohammed Empörung in der muslimischen Welt auslösten. Auch die französische Satirezeitung «Charlie Hebdo» hatte mit Mohammed-Karikaturen den Zorn von Muslimen auf sich gezogen. Islamisten griffen die Redaktion in Paris Anfang Januar an und töteten dabei insgesamt zwölf Menschen. Anschliessend erschoss ein weiterer Islamist eine Polizistin südlich von Paris und vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt.

Judenfeindliche Angriffe nehmen zu

«Ich habe genug von diesen antisemitischen Taten», sagte der Vorsitzende des Rates der jüdischen Institutionen in Frankreich, Roger Cukierman, der Nachrichtenagentur AFP. Dieser «Hass» zeige, «dass wir mit der Erziehung unserer Jugend komplett gescheitert sind», sagte er.

In den vergangenen Jahren haben judenfeindliche Angriffe in Frankreich deutlich zugenommen, im Jahr 2014 wurden gar doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Vorjahr registriert. Viele der rund 600'000 Juden in Frankreich erwägen daher auszuwandern. Zu den blutigsten antisemitischen Taten zählte neben dem Angriff auf den jüdischen Supermarkt im Januar das Attentat auf eine jüdische Schule im südfranzösischen Toulouse im März 2012. Ein 23-jähriger Islamist erschoss damals drei Schüler und einen Lehrer.

AFP

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