Uber spaltet die Londoner

Will Uber in London weiter Fahrten anbieten, muss das Unternehmen bis Ende dieser Woche das Verbot für seinen Taxidienst anfechten. Der Entscheid der Transportbehörde führte zu Kritik.

«Einmal zum Big Ben, bitte»: Das Fahrdienstunternehmen Uber hat in London viele Kunden, aber nicht den besten Ruf.

«Einmal zum Big Ben, bitte»: Das Fahrdienstunternehmen Uber hat in London viele Kunden, aber nicht den besten Ruf. Bild: Keystone

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Uber wird bis Ende dieser Woche Berufung einlegen gegen das Verbot, das die Londoner Transportbehörde letzten Monat gegen den Taxidienst verhängte. Das US-Unternehmen führt derzeit Gespräche mit Transport for London (TfL), um den Dienst weiterführen zu können. Bislang ist keine Einigung erzielt worden.

Petition lief gut an

TfL wies den Antrag von Uber für eine Verlängerung der Lizenz in der britischen Hauptstadt vor drei Wochen zurück. Das Unternehmen sei «nicht geeignet», einen Personentransportdienst zu betreiben. Insbesondere habe es Uber versäumt, Straftaten, die von seinen Fahrern begangen worden sind, der Polizei zu melden. Benutzer des Dienstes – total sind rund 3,5 Millionen Londoner registriert – starteten eine Onlinepetition für die Aufhebung des Verbots. Innerhalb weniger Tage kamen über 800 000 Unterschriften zusammen. Premierministerin Theresa May bezeichnete den Schritt der Transportbehörde als «unverhältnismässig». Viele konservative Kollegen stimmten ihr zu.

Opposition für Verbot

Auch Gewerkschaften, die Angestellte im Niedriglohnsektor vertreten, kritisieren, dass jetzt den rund 40 000 Uber-Fahrern der Stellenverlust droht: Anstatt das Unternehmen zu verbieten, hätten die Regulierungen gestärkt werden sollen, sagte ein Vertreter der Independent Workers Union of Great Britain.

Bei der Opposition hingegen stiess der Lizenzentzug meist auf Zustimmung. Viele Labour-Politiker sehen es als eine gerechte Strafe für eine Firma, die sich nicht an die Regeln hält. Schattenfinanzminister John McDonnell sagte: «Das Unternehmen ist eine Schande.» Viele Londoner scheinen diese Kritik zu teilen: Gemäss einer Meinungsumfrage, die viele überrascht, halten nur 31 Prozent der Befragten den Entscheid von TfL für falsch, während ihn 43 Prozent begrüssen.

Einigung erwartet

Die sogenannte Gig Economy, bei der Angestellte flexible Arbeitszeiten haben und zu niedrigen Löhnen ohne Ferien- oder Krankengeld arbeiten, hat sich in den vergangenen Jahren in Grossbritannien schnell verbreitet. Vermehrt wird jedoch eine stärkere Regulierung gefordert. Ein im ­Juli veröffentlichter Regierungsbericht empfahl, dass Angestellte von Onlineplattformen wie Uber nicht wie bisher als selbstständig Erwerbende klassifiziert werden sollen, sondern als abhängige Dienstleister. Damit hätten sie Anspruch auf Zusatzleistungen seitens ihrer Arbeitgeber.

Dass Uber in London eingestellt wird, ist nicht zu erwarten: Experten gehen davon aus, dass sich Uber in den nächsten Monaten mit TfL auf eine Reihe von Verbesserungen bei der Sicherheit einigen wird. Damit wäre der Weg frei für eine Erneuerung der Lizenz. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2017, 11:18 Uhr

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