«Teil des Problems»: Corbyn kritisiert Krieg gegen Terror

Vier Tage nach dem Attentat in Manchester ging der Wahlkampf in Grossbritannien weiter. Oppositionsführer Jeremy Corbyn kritisierte Theresa May und plädierte dafür, die Ursachen von Terrorismus besser zu analysieren.

Jeremy Corbyn.

Jeremy Corbyn.

(Bild: Keystone)

Mit einem Frontalangriff auf die Sicherheitspolitik der konservativen Regierung von Theresa May hat Jeremy Corbyn am Freitag den britischen Wahlkampf wiederaufgenommen.

Sein Land müsse sich stark zeigen gegenüber dem Terrorismus, aber auch genau dessen Ursachen analysieren, sagte der Labour-Oppositionsführer. Zu Letzteren zählte der Politiker den «Krieg gegen den Terror». Darauf hinzuweisen, ­reduziere «in keiner Weise die Schuld jener, die unsere Kinder angreifen».

«Folgen des Irakkrieges»

Corbyn stützte sich bei seiner ­Rede auf Fachleute wie die frühere Chefin des Inlandgeheimdienstes MI5, Eliza Manningham-Buller. Diese hatte zu Pro­tokoll gegeben, die Bedrohung durch den islamistischen Ter­rorismus habe durch den Irakkrieg «erheblich» zugenommen.

Die unabhängige Irak-Untersuchungskommission kam zu dem Schluss: Erst nach dem Sturz des Diktator Saddam Hussein 2003 habe al-Qaida im Zweistromland Fuss fassen können. Es sei «offensichtlich», teilte Kommissionsmitglied Professor Lawrence Freedman gestern Freitag mit, «dass der Zorn über die Politik des Westens im Nahen Osten einen – aber nicht den einzigen – Faktor für den islamistischen Terror darstellt».

Von Mays Ministern musste sich Corbyn schwere Vorwürfe gefallen lassen. «Er entschuldigt Terrorismus», sagte Verteidigungsminister Michael Fallon. Jihadisten würden «nicht unsere Aussenpolitik angreifen, sondern die Werte unserer Gesellschaft», sekundierte der Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace.

Die nervöse Reaktion der Konservativen dürfte mit einer Umfrage zusammenhängen, wonach der lange Zeit zweistellige Abstand zwischen Torys und Labour stark zusammengeschrumpft ist. Die Bluttat von Manchester bringt May in Schwierigkeiten, wurde unter ihrer Ägide doch der Polizei massiv das Budget gekürzt. Dadurch würden jetzt Streifen­beamte gerade in Problembezirken fehlen, argumentieren die Kritiker.

Hingegen erhielt der Inland­geheimdienst MI5 zuletzt 2000 zusätzliche Mitarbeiter, hatte auch Manchester-Attentäter ­Salman A. kurzzeitig im Visier, verlor dann aber das Interesse an dem Extremisten. Man habe 3000 Jihadisten unter Beob­achtung, gab Staatssekretär Wallace zu bedenken. Weitere 9000 zähle MI5 zum islamistischen Umfeld. In der grösseren Gruppe gebe es aber auch «viele Grossmäuler, die nie im Leben wirklich eine Bombe anfassen würden», so Wallace.

Alarmstufe bleibt hoch

Salman A. muss gemäss den bisher bekannt gewordenen Ermittlungsergebnissen seine mit Nägeln und Schrauben angereicherte Bombe mindestens ein Jahr lang geplant haben. Zum Zu­sammenbau mietete er über Airbnb eine Wohnung im Stadtkern an. Die Kripo war auch am Freitag damit beschäftigt, das Umfeld des Attentäters auf den Kopf zu stellen.

Acht Männer zwischen 18 und 38 Jahren befanden sich noch in Polizeihaft. Übers ver­längerte Wochenende bleibt die Terroralarmstufe auf «kritisch», die Behörden rechnen also mit einem unmittelbar bevorstehenden weiteren Anschlag.

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