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Spendenskandal erschüttert Grossbritannien

Die britischen Konservativen sehen sich mit einem möglichen Spendenskandal konfrontiert - im dümmsten Moment.

Der Schauplatz: eine Luxusjacht vor Korfu im August. Die Hauptpersonen: ein hochrangiger Politiker der britischen Oberschicht, ein Oligarch und ein Spross der Rothschild-Familie. Der Preis, um den es geht: eine saftige Parteispende von 50 000 Pfund. Dies sind die Ingredienzen für eine Politfarce, die sich ein Schriftsteller kaum besser hätte ausdenken können, als sie das Leben schrieb (siehe Grafik).

Worum geht es? George Osborne, der Schattenschatzkanzler der Konservativen Partei, machte im Sommer Urlaub auf der Mittelmeerinsel Korfu, eingeladen von seinem Jugendfreund Nathaniel Rothschild, einem schwerreichen Financier. Der Oligarch Oleg Deripaska lud die beiden zum Dinner auf seine Jacht Queen K ein. Dort soll es, als der Port serviert wurde, zu Gesprächen über eine mögliche Parteispende gekommen sein. Deripaska darf nach britischem Gesetz nicht spenden, denn er ist Ausländer. Dann könne doch, schlug der von Osborne mitgebrachte Parteispendensammler Andrew Feldman vor, das Geld über eine der britischen Firmen des Russen gezahlt werden.

Um keine Spende ersucht

Osborne bestreitet bis heute den Vorfall. Er habe weder «um eine Spende ersucht noch eine erhalten». Tatsächlich floss auch kein Geld aus Deripaskas tiefen Taschen in Richtung Schatztruhe der Tories. Doch es gibt Zeugen, die sich durchaus detailliert an Gespräche über die Möglichkeiten einer solchen Zahlung erinnern. Und dazu zählt ausgerechnet Nathaniel Rothschild, der einst mit Osborne zur Schule ging und in Oxford studierte. Rothschild schrieb einen Brief an die «Times», in der er die Spendengeschichte der Nation enthüllte. Seitdem kommt Osborne aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus.

Doch warum hat Rothschild geplaudert? Er ist selbst ein grosszügiger Unterstützer der Konservativen. Der erfolgreiche Hedge-Funds-Manager schwärzte Osborne an, weil der zuerst das Gesetz des Schweigens gebrochen hatte, das in den feineren Zirkeln der britischen Oberschicht gilt. Denn damals im August weilte ein weiterer britischer Politiker auf Korfu, ebenfalls ein Gast Rothschilds: Peter Mandelson, damals EU-Kommissar, heute Wirtschaftsminister im britischen Kabinett.

Gift und Galle über den Freund

Osborne hatte vor drei Wochen, als Premier Brown Mandelson berief, gegenüber Journalisten ausgeplaudert, dass die beiden sich spinnefeind wären und Mandelson auf Korfu «Gift und Galle» über seinen Parteifreund gespuckt hätte. Damit hatte Osborne eine gesellschaftliche Todsünde verübt: Man trifft sich, man unterhält sich, aber man spricht nicht darüber, und schon gar nicht mit der Presse. Das war der Grund für Rothschilds Brief.

Was eine Ohrfeige für Osborne für schlechte Manieren sein sollte, wuchs sich schnell zum Skandal aus, dem die Konservative Partei trotz aller Dementis nicht mehr Herr wird. Dabei trifft mehr noch als die unbewiesene Spendenwerbung der Umstand, dass sich Osborne, selbst ein Millionär mit aristokratischem Hintergrund, mit Oligarchen gemein macht und sich für fiese Tricks nicht zu schade ist.

Das alte Klischee

Das alte Klischee von den Konservativen als der Partei für Filz und feine Pinkel ist wiederauferstanden. Der Imagewandel, den Parteichef David Cameron in den letzten drei Jahren so erfolgreich durchsetzen konnte, steht auf dem Spiel. Luxusjacht, Hochfinanz, russische Neureiche und britische Oberschicht: Das sind genau die Zutaten, die das traditionelle Stereotyp der Tories bedienen, das sie in Zeiten der Rezessionsangst nicht brauchen können.

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